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23.10.1987

Systemwildwuchs erschwert softwareergonomische Projekte

Alle Welt redet über Benutzerfreundlichkeit und Softwareergonomie - und zwar zu Recht: Denn auf lange Sicht können den Endbenutzern die jeweils unterschiedlichen Maskengestaltungen der Anwendungen nicht mehr zugemutet werden. Das haben mittlerweile auch die Geschäftsleitung und die DV-Fachleute erkannt. Aber so einfach läßt sich das Problem nicht lösen, betrachtet man nur die Vielzahl der mit der Zeit gewachsenen Applikationen. Zudem werden neben den Eigenentwicklungen auch Lösungen externer Softwarehäuser eingesetzt. Standards gibt es hier noch nicht. Der Wunsch nach Standardisierungsgremien, die dem Systemwust ein Ende machen, wird hier - wie auch in anderen Gebieten - immer stärker. Auch Bernd-Ulrich Beisse, Leiter der DV und Organisation der Kodak AS in Stuttgart, fordert mehr Engagement von der Anwender- und Herstellerseite. Bis dahin müssen allerdings mitarbeiterfreundliche Lösungen im Alleingang gefunden werden. Ein Beispiel hierfür gibt die Zwick GmbH in Ulm: Sie entwickelt derzeit in Zusammenarbeit mit Hewlett-Packard und einem Softwarehaus ein CIM-Konzept, das auch von der Bedienerführung einheitlich gestaltet werden soll. Bis allerdings das Projekt quer durch das Unternehmen realisiert ist, werden auch in Ulm noch einige Jahre vergehen.

Heinz-Ubbo Eilks, Controller Materialprüfung, Zwick GmbH & Co., Ulm

Wir investieren derzeit in einem erheblichen Umfang in die Datenverarbeitung. Gegenwärtig sind bei Zwick, wie bei anderen Unternehmen auch, gewachsene DV-Anwendungen im Einsatz, die dementsprechend auch unterschiedliche Benutzerschnittstellen aufweisen.

Unser Ziel ist, in den nächsten Jahren ein ganzheitliches CIM-Konzept zu installieren, das die Bereiche Konstruktion, Materialwirtschaft, Kapazitäts- und -Zeitwirtschaft, Finanz- und Rechnungswesen, Personalwesen, Unternehmensführung sowie Büroautomation abdeckt. Dieses Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit einem Softwarehaus, Hewlett-Packard und Zwick realisiert. Basisprodukt bildet hierbei das Softwarepaket PSK 2000, das in gemeinsamer Arbeit auf die Bedürfnisse mittelständischer Industrie mit vorwiegend Einzel- und Kleinserienfertigung zugeschnitten wird.

Nach Erstellung der Pflichtenhefte wurde in diesem Jahr ein CAD/CAE-System installiert, zu Beginn des nächsten

Jahres werden wir die Module zur Materialwirtschaft einführen. Bis Ende 1988 sollen die Kapazitäts- und Zeitwirtschaftsprogramme in den produktiven Einsatz kommen, parallel dazu werden wir einen Teil der kommerziellen Applikationen wie Betriebsabrechnung, Kalkulation und kurzfristige Erfolgsrechnung einbinden. Alle diese Module werden integriert arbeiten, und was die Oberfläche angeht, durchgängig gestaltet sein.

Ende 1988 werden wir damit den Kern zu einer rechnergestützten Fertigung installiert haben. Bis das Gesamtkonzept quer durch das Unternehmen steht, werden allerdings noch einige Jahre vergehen und viel Arbeit wird notwendig sein.

Eva Göritz, Leiterin Terminalorganisation/-entwicklung, Bank für Gemeinwirtschaft, Frankfurt

Benutzerfreundlichkeit oder softwareergonomische Gestaltung der Anwendungen ist für uns einer der Schwerpunkte in der Software-Entwicklung. Unsere Bemühungen sind dabei vor allem darauf gerichtet, eine für alle Anwendungen verbindliche gleiche Bedieneroberfläche zu schaffen.

Wir denken hierbei insbesondere an unsere Mitarbeiter in den Kundenabteilungen der Niederlassungen, von denen ja erwartet wird, daß sie den Kunden in den unterschiedlichsten Problemstellungen beraten können; konsequenterweise also gleichzeitig mit mehreren

Softwarelösungen umgehen müssen.

Da früher das Problem vorrangig darin bestand, überhaupt Lösungen zu entwickeln, entsprechen die meisten der derzeit eingesetzten Anwendungen unseren heutigen Anforderungen in dieser Hinsicht nicht oder nicht ausreichend. Diese Erkenntnis veranlaßte uns im vergangenen Jahr dazu, wieder auf der grünen Wiese anzufangen und eine neue Benutzeroberfläche zu entwickeln. Bis Mitte des nächsten Jahres soll ein einheitliches Design für die gesamte Maskengestaltung und Menüführung aller zukünftigen Dialoganwendungen realisiert werden. Des weiteren schließt unser Konzept die gesamte Zugangssicherung zum System ein.

Ziel des Projektes ist es, anschließend für alle neu zu entwickelnden Anwendungen entsprechende Richtlinien beziehungsweise Standardprogrammbausteine zur Verfügung zu stellen. In voller Schönheit werden wir dieses Konzept natürlich nicht durchhalten können. Auch kaufen wir zum Teil fertige Lösungen von externen Entwicklern, so daß wir nicht in jedem Fall Einfluß auf die Gestaltung der Benutzeroberflächen haben. Wir werden jedoch das entsprechende Anwendungsdesign genau überprüfen und versuchen, ein Durchlöchern unseres Konzepts nur vereinzelt zuzulassen.

Bernd-Ulrich Beisse, Leiter Organisation und Datenverarbeitung, Kodak AG, Stuttgart

Eine einheitliche Benutzeroberfläche für alle Anwender für allen Soft- und Hardwarearchitekturen existiert in unserem Hause wie in vielen anderen Firmen (noch) nicht. Ich meine hier nicht ein "selbstgestricktes" oder fremdbeschafftes "Obermenü", welches den existierenden Anwendungen einfach vorgeschaltet wird. Vielmehr geht es um das gerade entdeckte Gebiet der "Software-Ergonomie", für das sich erst jetzt ein breites Problembewußtsein

entwickelt.

Tatsache ist, daß wir mit einer großen Anzahl historisch gewachsener Anwendungssysteme mit individuellen Benutzeroberflächen zunächst leben müssen. Auch haben manche Software-Hersteller noch nicht einmal beispielsweise Farbe oder Fenstertechnik als Organisationsmittel zur Erhöhung der Benutzerakzeptanz entdeckt oder konsequent eingesetzt.

Auch große Hardware-Hersteller "bescheren" dem Anwender in ihrer Produktpalette unterschiedliche Eingabetastaturen, Funktionstastenbelegung und Logon-Prozeduren. Für den Praktiker bleibt auch hier abzuwarten, wie beispielsweise Schlagworte wie OSI, TOP, MAP oder SAA in der betrieblichen Realität den beschriebenen Problemkreis unterstützen.

Trotz des für technische Entwicklungsprozesse durchaus typischen Wildwuchses wollen wir auch konkrete Abhilfe bei uns schaffen. Ein erstes Nahziel ist deshalb, ein Standardmenü einzusetzen, welches als Hauptmenü zunächst allgemeine Bürokommunikation (Electronic Mail, Terminkalender etc.) anbietet. Durch Funktionstasten soll dann in Untermenüs für die spezifischen Standardanwendungen des Fachbereichs (zum Beispiel Debitoren, Fertigungssteuerung) verzweigt werden. Weitere Menüs lassen individuelle Datenverarbeitung (Reports, Spreadsheets oder What-if-Modelle) zu. Allerdings sollte die Möglichkeit gegeben sein, daß ein Benutzer sein "persönliches Menü" zusammenstellen kann.

Konkret befinden wir uns seit etwa zwei Monaten im Bereich der Bürokommunikation in einem Pilotprojekt. Dabei sollen auch die in unserem Hause vorhandenen Rechnerlandschaften - primär IBM und DEC - systematisch integriert werden. Erste Anwendungen sind seit längerer Zeit schon durchaus erfolgreich im Einsatz, jedoch soll das Pilotprojekt Erkenntnisse über eine unternehmensweite Bürokommunikation liefern. Ferner erhoffen wir uns Erfahrungen über Netzauslegung und Ressourcenbelastung und nicht

zuletzt über die Frage einheitlicher Benutzeroberflächen.

Anfang nächsten Jahres dürften praktische Resultate vorliegen.

Jens Grünberg, Leiter Benutzerservice, Schott Glaswerke, Mainz

Das Problem bei dem Thema "einheitliche Benutzeroberflächen" liegt in der heute noch vorhandenen Vielfalt der Bedienstrategien der eingesetzten Software-Werkzeuge (zum Beispiel Befehlseingabe, Fenstertechnik, Cursor-Anwahl, Funktionstasten, Menütechnik etc.). Auch die eher wachsende statt zur Vereinheitlichung neigende Zahl von Bedienelementen (Tastaturen "verschiedener Ausprägung", Touch-Screens, "Mäuse" Tableaus etc.) erschweren den Standardisierungsprozess.

Momentane Trends gehen ja eindeutig zur Fenstertechnik, aber zum Beispiel eine Maus-Fenster-Strategie wird sicherst dann durchsetzen, wenn diese Bedienelemente auch in einer größeren Anzahl bei Endanwenderwerkzeugen Einzug finden. Erst nach Verwirklichung einer durchgängigen PC-Host-Kopplung ist jedoch damit zu rechnen, daß die bisher auf dem PC meist besser gestalteten Oberflächen auch auf den Mainframes Fortschritte bringen werden.

Der Durchbruch kann allerdings erst dann kommen, wenn die großen Integrationskonzepte wie SAA einmal stehen - denn erst mit der Aufhebung der funktionalen Trennung von PC und Terminal können auch Konzepte für eine einheitliche Bedienstrategie greifen. In der IBM-Welt zum Beispiel erscheint mir das "SolutionPak" schon ein erster Schritt in die richtige Richtung zu sein.

Wie jedes Großunternehmen setzen natürlich auch wir Rechnersysteme verschiedener Hersteller ein. Deshalb herrschen bei uns auf den Großrechnern auch die hardbeziehungsweise softwareherstellerspezifischen Benutzeroberflächen vor. Standardisierungsansätze gibt es natürlich im PC-Bereich, wo wir eigentlich nur mit zwei verschieden globalen Benutzeroberflächen arbeiten.

Sobald es die technischen Möglichkeiten erlauben, die Trennung von PC und Host funktional zu überwinden, können wir das Thema "einheitliche Bedienerführung" erneut aufgreifen und auch auf diesem Gebiet unseren Anwendern einheitliche Lösungen anbieten.

Wilfried Hülsmann, Leiter der elektronischen Datenverarbeitung, Du Mont Schauberg GmbH & Co. KG, Köln

Theoretisch wäre zwar eine einheitliche Benutzeroberfläche anzustreben, doch scheitert dieses Konzept in der Praxis. Teilweise sind es sogar die Endbenutzer selbst, die aus Gewohnheitsgründen eine Änderung gar nicht wollen. Auch ist ein solches Projekt, von der technischen Seite her gesehen, mit enormen Problemen verbunden. So muß alleine schon die Historie der Entwicklung in Betracht gezogen werden - sowohl bei Eigenentwicklungen als auch bei Standardlösungen. Die in unserem Hause eingesetzten Applikationen sind ja nicht zum gleichen Zeitpunkt entwickelt worden, zudem hat sich die Infrastruktur mit der Zeit verändert. Von der Herstellerseite kann man sich auch nicht viel Hilfe erwarten da bis dato noch keine einheitlichen Normen vorhanden sind, so daß wenigstens die Standardlösungen von der Benutzeroberfläche her gleich gestaltet sind. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu minimieren, sehe ich darin, ein Softwarehaus zu finden, das in der Lage ist, ein möglichst breites Angebot an Applikationen anzubieten, die auf der gleicher Basis entwickelt wurden.

Eine andere Alternative besteht darin, auf die existierenden Anwendungen aus eigenen Kräften eine Benutzeroberfläche aufzusetzen, doch würde in unserem Haus die Programmier-Kapazität nicht ausreichen, ein solches Projekt erfolgreich zu realisieren. Zum anderen würde eine aufgesetzte Schnittstelle die Performance zusätzlich belasten.