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30.04.1976

Systemzusammenbruch durch Stromausfall

Bereits in der letzten CW äußerten sich einige bayerische EDV-Chefs zu den Stromausfällen am 13. April, die offenbar - zumindest bei den Verkehrsbetrieben - mehr Chaos verursachten als in den EDV-Abteilungen. Haben die EDV-Chefs ein paar "Tricks" auf Lager, um Systemzusammenbrüche ohne Panik zu überstehen?

Wie bereits angekündigt bat CW noch weitere betroffene Unternehmen, sich zum Thema "Systemzusammenbruch durch Stromausfall", zu äußern. Ein österreichischer Kollege, dessen EDV ebenfalls unter dem Stromausfall - trotz USV - gelitten hatte, wird bei seinem RZ-Neubau Konsequenzen ziehen.

Rüdiger Dierstein,

Leiter des Rechenzentrums Oberpfaffenhofen, der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt

Unterbrechungsfreier Betrieb ist für uns keine Glaubens-, sondern ganz einfach eine Kostenfrage. Wenn der Schaden, den der Ausfall eines Rechnersystems nach sich zieht, größer ist, als der Aufwand für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, dann ist diese von vornherein gerechtfertigt. Deshalb sind alle Anlagen, die direkt für den Betrieb der Satelliten und Raumsonden eingesetzt werden an eine Notstromversorgung so angeschlossen, daß nicht nur Ausfälle, sondern auch unzulässige Netzschwankungen automatisch überbrückt werden. Alle übrigen DV-Systeme werden direkt oder indirekt nur aus dem öffentlichen Netz gespeist. Wenn diese Energiequelle versagt, stehen auch die Anlagen still. Dazu bedarf es allerdings gar nicht erst einer Katastrophe. Es genügt schon ein mildes Sommergewitter, um alle Räder stillstehen zu lassen. Da diese im oberbayerischen Raum recht häufig sind, wurde bei uns in anderer Weise vorgesorgt: Die Großrechenanlage wird nicht direkt aus dem Netz, sondern über einen eigenen Schwungrad-Umformer gespeist, der im Falle eines Netzausfalls noch so viel Energie abgibt, daß alle Teile der DV-Anlage in einen wohldefinierten Zustand gebracht werden können. Dieses System, das vom Hersteller der Anläge mitgeliefert wurde, hat sich beim jüngsten Netzzusammenbruch so gut bewährt, daß unmittelbar nachdem der Netzstrom wieder verfügbar und der Umformer erneut angelaufen war, alle Programme genau an dem Punkt fortgesetzt werden konnten, an dem sie beim Zusammenbruch

unterbrochen waren. Sogar die Dialoge, die zum Zeitpunkt der Netzstörung von den verschiedenen Terminals ausgeführt worden waren, konnten genau an der Stelle, an der sie beendet wurden, fortgesetzt werden.

Kurt Rupprecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Rational Gesellschaft für Datenverarbeitung mbH, München

Im Augenblick des Stromausfalls befanden sich etwa 16, zum Teil größere Jobs im System, von 23 bereits beendeten Arbeiten war die Druckausgabe abrufbereit auf Platte zwischengespeichert. Wegen des undefinierten Systemabbruchs wurden alle aktiven Jobs und temporären Jobdaten zerstört, alle festangelegten Bestände blieben jedoch unversehrt. Hardware-Probleme gab es keine. Nachdem die Stromversorgung wieder einsetzte, konnte das System ohne Schwierigkeiten mit Restarts wieder anlaufen, die obengenannten Jobs mußten allerdings neu gestartet werden. Da der direkte Ausfall etwa 2,5 Stunden betrug und der Rerun 2 Stunden erforderte, trat also lediglich eine Verzögerung von 4,5 Stunden auf.

Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung kostet für nur 30 Minuten allein 200 000 Mark, hinzu kommen noch die baulichen Veränderungen von etwa 50 000 Mark. Demnach ist eine derartige Investition sinnlos. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung kommt aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage.

Peter Meier,

Leiter des Rechenzentrums, Osram AG, München

Wir haben uns im Laufe der letzten Jahre bereits einige Male mit dem Problem einer USV auseinandergesetzt, kamen jedoch jeweils zu dem Schluß, daß diese doch sehr hohe Investition zumindest zur Zeit nicht erforderlich ist. Zwar werden in unserem Rechenzentrum bereits umfangreiche, wesentliche Aufgabenkomplexe im Online- bzw. "Multibatch"-Betrieb abgewickelt, so zum Beispiel unsere gesamte Abwicklung der Inlandsaufträge.

Unterbrechungen dein Stromversorgung in bisher aufgetretener Häufigkeit und in zeitlichem Umfang von zwei bis drei Stunden können bei uns jedoch aufgrund organisatorischer Vorkehrungen, wie Erstellung von Übersichten durch Listendruck statt gezielter Bildschirmabfragen, zentrale Datenerfassung statt input durch den Sachbearbeiter, Versetzung - von DFÜ-Terminen etc. in derartigen Notfällen, ausreichend überbrückt werden.

Bei dem Netzausfall am 13, 4. traten in unserem Rechenzentrum keinerlei Hardwareschäden auf, das gesamte System war knapp eine Stunde nach Inbetriebnahme wieder voll einsatzbereit und sämtliche zur Verarbeitung anstehenden Dateibestände wieder in der erforderlichen Form rekonstruiert"

Ob und wann die Frage der Installation einer USV in unserem Hause wieder zu diskutieren ist, hängt ausschließlich von unseren künftigen DV-Einsatzschwerpunkten ab.

Generell ist beim Einsatz einer USV jedoch zu bedenken, daß derartige Maßnahmen nur dann sinnvoll sind, wenn zuvor hardwareseitig ausreichende Back-Up-Möglichkeiten geschaffen wurden.

Dipl.-Ing. Werner Tippelt,

Systemtechnologie und Hardware-Planung, VOEST-Alpine AG, Linz

Aus Gründen des Hardware-Backups haben wir zwei IBM-Systeme 145 und 155 mit gemeinsamer Platten-Peripherie installiert. Während des Stromausfalls standen beide Anlagen still. Trotz unserer Notstromversorgung, die bereits nach 15 Minuten anlief, mußten wir die entstandenen Probleme noch wochenlang spüren: Die hohe Störungsanfälligkeit der Maschinen - primär des Hauptspeichers der /145. Diesmal erlitt der Plattendrive aufgrund des Stromausfalls Schäden. Wir konnten nach Einsetzen des Notstromnetzes beide Maschinen nicht hochfahren, sondern mußten warten, bis der Technische Kundendienst von IBM alle Fehlerquellen beseitigt hatte. Bei der 155 dauerte das über zwei Stunden, bei der 145 noch länger. Unsere diesbezüglichen Erfahrungen haben ganz erhebliche Konsequenzen auf den geplanten RZ-Neubau, der seit langem sorgfältig vorbereitet wird: Da wir - bedingt durch unser werkinternes Stromkraftwerk - etwa zweimal im Jahr von Stromausfall betroffen sind, wollen wir nun die Pufferbatterie nicht mehr dazu verwenden, die Maschine weiterzufahren, sondern ausschließlich dazu, die Maschine kontrolliert abzukühlen - und sobald der Strom wieder einsetzt - anlaufen zu lassen. Denn dieser Zeitverlust ist

wahrscheinlich geringer als die Zeit, die benötigt wird Störungen durch Hitzeschäden zu beseitigen.