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17.11.2000 - 

Führungskrise dauert an

T-Online schreibt rote Zahlen trotz Umsatzwachstums

BONN (CW) - Die Telekom-Tochter T-Online kommt nicht zur Ruhe. Nachdem weitere vier Topmanager und der Vertriebsvorstand den Hut nehmen mussten, sprechen Marktbeobachter mittlerweile von einer Führungskrise. Gleichzeitig wies der Online-Dienst für die ersten neun Monate ein vorläufiges Minus von 14,4 Millionen Euro aus.

Das Stühlerücken bei T-Online geht weiter. So trennte sich der Online-Dienst jetzt von seinem Vertriebsvorstand Bernd Reichert-Berg sowie vier weiteren Führungskräften. Während T-Online keine Gründe für das Ausscheiden des Vertriebsvorstandes nannte, wird den vier Managern vorgeworfen, Sponsorengelder in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Nach Erkenntnissen der internen Revision seien die vier indirekt an einer Agentur für Sponsoringverträge beteiligt gewesen. An diese habe wiederum T-Online Zahlungen geleistet, die weit über den branchenüblichen Sätzen gelegen hätten. Deshalb bestehe der Verdacht eines Interessenkonflikts zwischen haupt- und nebenberuflicher Tätigkeit. Wie aus unternehmensnahen Kreisen verlautet, werde auch geprüft, inwieweit der frühere T-Online-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Keuntje in diese Vorgänge verwickelt war.

Noch kein neuer T-Online-Boss in SichtDamit hat das Unternehmen seit dem Abgang Keuntjes Ende August fast seine komplette Führungsriege ausgetauscht beziehungsweise verloren. So hatten nach Keuntje etwa der Finanzvorstand Christian Hoening und Produkt-Marketing-Vorstand Ralf Eck das Unternehmen verlassen. Seitdem lenkt Telekom-Vorstand Detlev Buchal kommissarisch die Geschicke des Online-Dienstes. War die Mutter Telekom Ende August noch zuversichtlich, bald einen neuen T-Online-Boss präsentieren zu können, so ist heute noch immer kein Nachfolger für Keuntje in Sicht.

Neben der Führungskrise hat der Online-Dienst zudem mit roten Zahlen zu kämpfen. Vorläufigen Berechnungen zufolge erwirtschaftete das Unternehmen in den ersten neun Monaten dieses Jahres nach einem Plus von 14,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum ein Minus von rund 14,4 Millionen Euro. Ohne die Erlöse in Höhe von 39,2 Millionen Euro aus dem Börsengang des Online-Brokers Comdirect, an dem T-Online beteiligt ist, wäre der Verlust mit über 53 Millionen Euro noch höher ausgefallen. Und dies, obwohl der Online-Dienst im Berichtszeitraum hierzulande die Kundenzahl auf fast sechs Millionen steigern konnte und der Konzernumsatz um 86,5 Prozent auf 542,6 Millionen Euro wuchs. Das Abrutschen in die Verlustzone wird unter anderem dadurch erklärt, dass T-Online mit der schmalbandigen Flatrate rote Zahlen schreibe. Hierbei muss der Online-Dienst für die Nutzung des Telefonnetzes eine Minutengebühr bezahlen, während er seiner Klientel zum Pauschaltarif von 79 Mark das unbegrenzte Surfen ermöglicht. Ein Abrechnungsmodell, das zum Sterben zahlreicher Flatrate-Anbieter führte. Deshalb versucht T-Online derzeit auch, möglichst viele Anwender zur Migration auf T-DSL zu bewegen, da hier keine Minutengebühren bezahlt werden müssen.

Die Börse reagierte auf die andauernde Führungskrise bei T-Online sowie die schlechte Bilanz mit einem starken Kursverlust. Kostete die Aktie beim Börsengang im Frühjahr für Privatanleger 27 Euro, so bewegte sich das Papier bei Redaktionsschluss um die 20 Euro.