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19.09.2008

T-Systems künftig ohne Mittelstandsgeschäft?

Interne Planspiele sehen die Verlagerung zur Festnetzsparte T-Home vor.

Die Überlegungen, die mittelständischen Kunden wieder von der Festnetzsparte betreuen zu lassen, sind offenbar fortgeschritten. Mehrere interne Quellen berichten, dass der Konzern den T-Systems-Geschäftsbereich "Business Services" aus dem Geschäftskundensegment herauslösen möchte. Die Betreuung der rund 160 000 kleinen und mittelgroßen Firmenkunden, die vornehmlich TK-Leistungen beziehen, stehe dem Massengeschäft, wie es T-Home betreibe, sehr viel näher als dem Großkundenmarkt. Damit würde die T-Systems um einen Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro erleichtert werden. Zudem könnten bis zu 10 000 Mitarbeiter betroffen sein, sagte ein Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi der Wirtschaftszeitung "Euro".

Der Mittelstand kauft keine integrierten ITK-Produkte

Wo genau der Schnitt erfolgen soll, ist indes noch unklar. T-Systems hat in den vergangenen Jahren das IT-Geschäft mit dem Mittelstand forciert und wird auch künftig die interne IT-Fabrik betreiben. Doch im Vergleich zum TK-Umsatz, den T-Systems mit kleinen und mittelgroßen Kunden erzielt, ist das IT-Geschäft sehr bescheiden. Weniger als zehn Prozent des Mittelstandsumsatzes entfallen auf IT-Dienste. "Der Mittelstand kauft allenfalls kombinierte Festnetz- und Mobilfunklösungen. Eine Nachfrage nach integrierten IT- und TK-Leistungen gibt es kaum", sagte eine Unternehmensquelle gegenüber der computerwoche. Daher sei es konsequent, den TK-Bereichen der Telekom die Verantwortung für den Mittelstand wieder zu übertragen, zumal T-Home und T-Mobile im Vertrieb eng zusammenarbeiteten.

Die Betreuung des Mittelstands hatte der ehemalige Telekom-CEO Kai-Uwe Ricke 2005 dem damaligen T-Com-Chef Walter Raizner entzogen und zu T-Systems verlagert. Dieser Schritt hat sich offenbar als Fehler erwiesen. Zwar wurde die Geschäftskundensparte erster Ansprechpartner für diese Klientel, doch die mächtigen Telekom-Sparten Festnetz (früher T-Com, heute T-Home) und T-Mobile haben sich den Vertrieb nie komplett aus der Hand nehmen lassen. Zudem musste T-Systems TK-Leistungen von den Schwesterorganisationen einkaufen, angeblich zu marktüblichen Preisen. Allerdings beklagten Mitarbeiter immer wieder, dass die intern verschobenen TK-Leistungen überteuert seien. Im Lichte der aktuellen Planspiele lohnt zudem ein Rückblick auf die Demission des T-Systems-Managers Ulrich Kemp. Der Chef der Mittelstandsorganisation Business Services hatte Anfang dieses Jahres das Handtuch geworfen, weil er der Reibereien um die interne Leistungsverrechnung überdrüssig war. Zudem wollte er eine bevorstehende Umstrukturierung der Kundenbetreuung nicht mittragen.