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04.07.2007

T-Systems: Wer bekommt den Zuschlag?

Die Telekom sucht einen Partner für ihre Servicetochter. Mögliche Kandidaten sind EDS, Capgemini und CSC.

T-Systems hat zwei wesentliche Probleme, die die Suche nach einem Partner ausgelöst haben: mangelnde Internationalität und fehlende Offshore-Ressourcen. Die Telekom-Tochter ist eine Macht im hiesigen Servicemarkt (siehe Grafik "Der deutsche IT-Servicemarkt") und kann eigentlich nur noch im Ausland wachsen. Seit Gründung des Unternehmens steht dieses Ziel ganz oben auf der Agenda, bislang wurde es verfehlt. Lediglich die Übernahme der VW-Tochter Gedas hat die Quote der im Ausland erzielten Einnahmen etwas erhöht. Gewonnene Projekte, etwa bei dem britischen Energieversorger Centrica und dem spanischen Versicherungskonzern Mapfre, hatten im internationalen Geschäft eher kosmetischen Charakter.

Hier lesen Sie

warum die Telekom für T-Systems einen Partner sucht;

was das T-Systems-Management versäumt hat;

welche Schwächen und Stärken T-Systems hat;

wer als Partner in Frage kommt.

Mehr zum Thema unter www.computerwoche.de/go

587252: Übernahme von VW-Gedas;

588750: Deal zwischen T-Systems und Centrica;

593839: T-Systems sucht nach Partner;

1218148: Media and Broadcast wird verkauft;

592189: Rekordgewinn bei EDS;

1207492: HP entlässt in Deutschland;

1207492: HP schließt Servicesparte;

594360: CSC verfehlt Umsatzziel;

121638: HP-BT-Allianz;

593445: Indien: Capgeminis größter Standort;

583200: Capgemini übernimmt Kanbay;

1218726: Probleme bei Atos Origin;

1217151: Fujitsu übernimmt TDS.

IBM Global Services

Umsatz: 48,3 Milliarden Dollar.

Gewinn: 13,3 Milliarden Dollar (Gross Profit).

Mitarbeiter weltweit: rund 190.000.

Umsatz in Deutschland: 2,6 Milliarden Euro (Lünendonk).

Mitarbeiter in Deutschland: keine Angaben.

Branchenschwerpunkte in Deutschland: Banken, Versicherungen, Industrie.

T-Systems Enterprise Services

Umsatz 2006: 8,3 Milliarden Euro (etwa zwei Drittel vom T-Systems-Gesamtumsatz).

Ebitda 2006: 1,23 Milliarden Euro (T-Systems gesamt).

Mitarbeiterzahl: geschätzte 40 000 (insgesamt beschäftigt T-Systems 56 000 Mitarbeiter).

EDS

Umsatz weltweit: 21,3 Milliarden Dollar.

Gewinn weltweit: 470 Millionen Dollar.

Mitarbeiter weltweit: 134 000.

Umsatz in Deutschland: 525 Millionen Euro (Lünendonk).

Mitarbeiter in Deutschland: 3500 (Lünendonk).

Branchenschwerpunkte in Deutschland: Automobilindustrie/Fertigung, Handel, Telekommunikation.

Accenture

Umsatz weltweit: 16,7 Milliarden Dollar.

Gewinn weltweit: 973 Millionen Dollar (Net Income).

Mitarbeiter weltweit: 152 000.

Umsatz in Deutschland: 682 Millionen Euro (Lünendonk).

Mitarbeiter in Deutschland: knapp 4000 (Lünendonk).

Branchenschwerpunkte: Finanzdienstleistungen, öffentliche Hand.

CSC

Umsatz weltweit: 14,9 Mrd. Dollar.

Nettogewinn weltweit: 388,8 Millionen Dollar (Net Earnings).

Mitarbeiter weltweit: rund 79 000.

Umsatz Deutschland: etwa 440 Millionen Euro.

Mitarbeiter in Deutschland: zirka 3200.

Branchenschwerpunkte: Finanzdienstleistungen, öffentliche Hand, Industrie, Handel, Logistik.

Fujitsu Services

Umsatz weltweit: 3,3 Milliarden Euro.

Gewinn weltweit: keine Angaben.

Mitarbeiter weltweit: 18 000.

Umsatz in Deutschland: 127 Millionen Euro (Lünendonk).

Mitarbeiter in Deutschland: 1040 (Lünendonk).

Branchenscherpunkte: Versicherungen, Telekommunikation, Handel

Die Inder - Tata Consultancy Service

Umsatz weltweit: 4,3 Milliarden Dollar.

Gewinn weltweit: 950 Million Dollar (Net Income).

Mitarbeiter weltweit: knapp 90 000.

Die Inder - Wipro

Umsatz weltweit: 3,5 Milliarden Dollar.

Gewinn weltweit: 677 Millionen Dollar (Net Income).

Mitarbeiter weltweit: 66 000.

Die Inder - Infosys

Umsatz weltweit: 3,1 Milliarden Dollar.

Gewinn weltweit: 850 Millionen Dollar (Net Income).

Mitarbeiter weltweit: 72 000.

Management in der Kritik

Im Zuge der Gedas-Übernahme hatte der damalige T-Systems-Chef Lothar Pauly weitere Übernahmen im Ausland angekündigt. Allerdings ließ er den Worten keine Taten folgen, möglicherweise auch, weil die Telekom-Leitung zu keinen Investitionen bereit war: "Der Konzernvorstand hat das IT-Servicegeschäft nicht verstanden", verriet ein Insider, der nicht genannt werden wollte. Schuld daran sei nicht zuletzt die Geschäftsleitung von T-Systems gewesen, die beispielsweise nie klar aufzeigen konnte, wie erfolgreich das Outsourcing-Geschäft verlaufe. "Die Konzernspitze hatte kein Vertrauen in das damalige T-Systems-Management", brachte der Insider die Vorbehalte auf den Punkt. Nun will der Konzern die IT-Aktivitäten größtenteils aussortieren. Übrig bleiben TK-Dienste für große und mittelständische Kunden. IT-Services wird T-Systems künftig nur noch für kleine und mittlere Unternehmen betreiben. "Die Telekom konzentriert sich in der Leistungserbringung künftig auf das Breitbandgeschäft im Mobilfunk und Festnetz", erklärt Karsten Leclerque, Senior Consultant bei den Marktforschern von Pierre Audoin Consultants (PAC).

Offshore-Trend verschlafen

Damit steht auch das bislang von T-Systems beworbene Angebot aus einer Hand für integrierte IT- und TK-Dienste in Frage. Hier ist die Telekom-Tochter künftig auf die Zuarbeit von Partnern angewiesen. Genau dieses Geschäft halten die Analysten von PAC für besonders zukunftsträchtig: "Bislang war ICT vor allem ein Marketing-Slogan von T-Systems. Integrierte IT- und TK-Dienste werden sich aber zu einem wichtigen Marktsegment entwickeln", prognostiziert Leclerque.

Das zweite Problem sind die deutschen Servicefabriken. T-Systems hat wie kaum ein anderer IT-Dienstleister mit internationalem Anspruch den Offshore-Trend verschlafen. Weite Teile der Services werden in Deutschland erbracht." Das T-Systems-Bestandsgeschäft hat einen relativ hohen Anteil an Commodity-Leistungen, sowohl im IT-als auch im TK-Bereich. Um diese Dienste profitabel anbieten zu können benötigt man Skaleneffekte und Offshore-Kapazitäten. Hier ist T-Systems im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern einfach nicht weit genug", schildert Leclerque die Versäumnisse.

Die Mängel haben sich auch in den Zahlen der T-Systems niedergeschlagen: Seit Jahren stagniert das Geschäft, lediglich der Gedas-Kauf hat die Bilanz ein wenig aufgepeppt. Im letzten Geschäftsjahr waren die Einnahmen trotz Gedas-Effekt um zwei Prozent rückläufig, das Ebitda brach um 22,4 Prozent ein. Grund war nicht zuletzt der Zweifel der weltweit aufgestellten Anwender, T-Systems sei den Anforderungen der Globalisierung nicht gewachsen: "Die Kunden haben die Internationalisierung eingefordert. Doch das Telekom-Management musste erkennen, dass T-Systems dies aus eigener Kraft nicht schaffen kann", schilderte Frank Rothauge, Analyst beim Finanzdienstleister Sal. Oppenheim, die Gründe für die Partnersuche.

Schwergewichtige Kunden

Trotz erheblicher Probleme hat T-Systems aber auch eine ordentliche Mitgift zu bieten. Die fünf größten Kunden sind laut Unternehmensangaben die Deutsche Telekom, Deutsche Post, Daimler-Chrysler, Volkswagen und Airbus. Auch die West LB und der britische Energieversorger Centrica zählen zu den Kunden. T-Systems belegt in Deutschland, immerhin zweitgrößter IT-Servicemarkt Europas, den unangefochtenen ersten Platz im Umsatz-Ranking und verfügt über einen sehr breiten und guten Kundenzugang. Der Bereich Enterprise Services, der in eine Partnerschaft eingebracht oder verkauft werden soll, erzielt etwa zwei Drittel seiner Einnahmen mit IT-Services, der Rest entfällt auf TK-Dienste. Probleme hat zuletzt vor allem der Umsatz mit der eigenen Mutter bereitet, der im vergangenen Jahr um sechs Prozent zurückging, sowie der TK-Bereich. "Das IT-Geschäft selbst lief nicht ganz so schlecht", relativierte Leclerque. Sal.Oppenheim-Analyst Rothauge schätzt, dass rund 80 Prozent des Ebitda-Gewinns in Höhe von 1,1 Milliarden Euro, den das Großkundensegment von T-Systems im letzten Jahr erzielte, auf den Verkauf von Computing- und Desktop-Services entfielen.

Kein Finanzinvestor

Mehrmals hatten sowohl Telekom-Chef René Obermann als auch der ausgeschiedene Pauly betont, als Partner komme kein reiner Finanzinvestor in Frage. Anfang Juni, nach dem Abschied von Pauly, betonte das Unternehmen erneut die Suche nach einem IT-Serviceanbieter. Grund dafür ist unter anderem, dass die Telekom für Erfolge im Kerngeschäft einen zuverlässigen, flexiblen und innovativen IT-Betrieb benötigt. Zudem steht das Unternehmen nach dem langen Tarifstreit mit Verdi um die T-Service-Gesellschaft im Zentrum des öffentlichen Interesses und kann es sich daher nicht erlauben, große Teile der Belegschaft an eine Heuschrecke zu verkaufen. Last, but not least dürfte eine Veräußerung an einen Finanzinvestor am Veto des Bundes scheitern, der nach wie vor Hauptanteilseigner der Telekom und IT-Kunde von T-Systems ist. Auch den Verkauf der Toll-Collect-Aktivitäten, Basis einer wichtigen Einnahmequelle des Staates, wird die Bundesregierung aufmerksam verfolgen.

Wer will und wer kann?

Doch möglicherweise wird es zu einer Veräußerung gar nicht kommen. Nur wenige IT-Serviceanbieter sind finanziell und personell in der Lage, den zum Verkauf stehenden T-Systems-Bereich Enterprise Services mit seinen mehr als acht Milliarden Euro Jahreseinnahmen zu übernehmen und zu integrieren. Denkbar ist daher, dass einige Unternehmensteile herausgelöst werden - etwa die Toll-Collect-Services oder die BPO-Dienste für die Bankenbranche. Letztere basieren auf dem Joint Venture ITS, das T-Systems zusammen mit dem Bankhaus Trinkaus & Burkhardt betreibt. Der Bereich Media and Broadcast soll ohnehin veräußert werden.

Findet sich dennoch kein Investor, bleibt der Telekom immer noch der letzte Ausweg nach dem Siemens-Vorbild: Der Münchner Konzern hat seine defizitäre und international nicht wettbewerbsfähige IT-Tochter Siemens Business Services (SBS) zurück aus der Schusslinie geholt, indem er sie in den Konzern integriert hat.

Unter all diesen Voraussetzungen gibt es nur wenige Kandidaten, die für eine Übernahme oder ein Joint Venture in Frage kämen:

IBM Global Services wäre als weltweit größter IT-Dienstleister in der Lage, T-Systems samt Mitarbeitern zu integrieren. Der Kundenstamm könnte sich ergänzen: IBM Deutschland ist stark im Financial-Sektor vertreten, T-Systems' Branchenschwerpunkt liegt in der Automobilbranche (Daimler, Volkswagen). Das Rechenzentrum der Telekom gilt als IBM-Shop, insofern könnte Big Blue ein Interesse haben, einem Wettbewerber (insbesondere HP) den Zugang zu einem wichtigen Hard- und Softwarekunden zu verwehren. Gegen eine Übernahme spricht, dass IBM in Deutschland keinen Akquisitionsbedarf hat. Das Unternehmen steht gemessen an den Marktanteilen recht gut da und ist zudem bemüht, Servicebelegschaft und –fabriken zu reduzieren. Parallel dazu baut der Konzern Kapazitäten in Indien auf.

Accenture konzentriert sich auf den IT-Beratungsmarkt. Zwar nimmt das Unternehmen weltweit rund ein Drittel des Umsatzes mit Betriebsdienstleistungen hauptsächlich mit der Betreuungen von Applikationen ein. T-Systems als überwiegend auf den Betrieb der IT-Infrastruktur ausgerichteter Anbieter passt aber kaum in diese Unternehmensstrategie. Im Wettbewerb mit den indischen Offshore-Anbietern setzt Accenture zudem darauf, Servicezentralen in europäische und asiatische Niedriglohnländer aufzubauen. Dorthin fließen derzeit die Investitionen.

EDS hat eine schlimme Phase mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gemeistert und strotzt nun vor Kraft. Der weltweit zweitgrößte IT-Service-Provider könnte eine Akquisition von T-Systems verkraften und wurde in jüngster Vergangenheit auch als aussichtsreicher Kandidat gehandelt (siehe www.focus.de/finanzen/news/korruption_aid_57851.html). Beide Anbieter sind stark in der Automobilbranche vertreten (General Motors ist wichtigster EDS-Kunde, Daimler und Volkswagen gehören zu den größten T-Systems-Kunden).

Axel Knobe, ehemals Chef der VW-Tochter Gedas und seit der Übernahme durch T-Systems in der Geschäftsführung der Telekom-Tochter, hat eine solche Konstellation allerdings ausgeschlossen. In einem Interview mit den "VDI Nachrichten" (www.vdi-nachrichten.com) erklärte er, der ideale Partner müsse in komplementären Branchen vertreten sein, um beispielsweise bei Finanzdienstleistungen gemeinsam international auftreten zu können. Andere T-Systems-Offizielle hatten dagegen des Öfteren die Vorteile eines weiteren Großkunden aus der Automobilbranche betont. Erst mit einem dritten bedeutenden Abnehmer aus dieser Industrie könne man Skaleneffekte optimal ausschöpfen.

Gegen eine Fusion spricht, dass EDS mit der Übernahme der Karstadt-Quelle-Tochter Itellium derzeit ausreichend Integrationsarbeit leisten muss und in Deutschland keinen dringenden Handlungsbedarf verspürt, das Geschäft auszubauen. Dennoch: "EDS halte ich für einen Favoriten für die T-Systems-Übernahme", sagte Sal.Oppenheim-Experte Rothauge.

Das IT-Beratunghaus ist mit Behördenaufträgen insbesondere aus dem Pentagon groß geworden. Auch in Deutschland erwirtschaftet CSC große Teile des Umsatzes mit der öffentlichen Hand. Die einträglichste Kundengruppe sind jedoch die Finanzdienstleister (Deutsche Leasing, Zurich Financial Services, Münchner Hypothekenbank, Deutsche Bank). Insofern wäre CSC eine ideale Ergänzung zu T-Systems. Im internationalen Ranking belegt CSC einen Platz unter den ersten fünf, in deutschen Markt fällt das Unternehmen deutlich ab. Hier besteht also noch Nachholbedarf, möglicherweise mit Hilfe eines Finanzinvestors.

Doch CSC ist in Turbulenzen geraten: Der langjährige CEO Van Honeycutt scheidet zum 1. August 2007 aus, die Jahresbilanz wurde mit Verspätung veröffentlicht, die Umsatzprognosen für das Jahr 2006 wurden verfehlt und die Gewinnprognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Außerdem spekulierte die Branche lange Zeit, CSC könne selbst verkauft werden. Die angekündigte Konsolidierung, der in Europa 5000 Stellen zum Opfer fallen, ist offiziell seit Ende Juni 2007 abgeschlossen (siehe auch Netzwerk der betroffenen Mitarbeiter: www.netzwerkit/projekte/csc). Es ist fraglich, ob sich CSC jetzt 40 000 T-Systems-Mitarbeiter an Bord holen möchte.

In der Vergangenheit gab es immer wiederkehrende Gerüchte über eine mögliche Fusion: In einer Phase, in der es Capgemini schlecht ging, wurde über eine Übernahme durch T-Systems spekuliert, weil dem damaligen T-Systems-Chef Konrad Reiss als ehemaligem Capgemini-Manager gute Beziehungen zu dem französischen Konkurrenten nachgesagt wurden. Mittlerweile hat sich Capgemini erholt. Ein Kauf von T-Systems wäre für das Beratungshaus, das mittlerweile rund ein Drittel seiner Einnahmen mit Outsourcing-Services erzielt, zudem eine Möglichkeit, weiter im Markt für Betriebsdienste zu wachsen. Allerdings muss Capgemini in Asien zulegen und internationale Servicezentren in Niedriglohnländern aufbauen, um mit der Beratungskompetenz von IBM und Accenture konkurrieren zu können. Bis Ende dieses Jahres soll etwa Indien mit geplanten 19 000 Mitarbeitern größter Capgemini-Standort werden. Seit Jahresbeginn ist die Gesamtbelegschaft von knapp 68 000 auf mittlerweile rund 80 000 hochgeschnellt. Gründe sind vor allem die rasante Anwerbung von Mitarbeitern auf dem Subkontinent sowie der Kauf des indischen Anbieters Kanbay.

Eine Übernahme von rund 40 000 Mitarbeitern in Deutschland durch Capgemini würde viel Aufmerksamkeit und Kraft binden. Außerdem bietet T-Systems vornehmlich einfache und margenschwache Betriebs- und Integrationsservices an. Das passt nicht zum Geschäftsmodell des Anbieters, dessen Schwerpunkt auf Consulting-Leistungen liegt. Dennoch hält Sal.Oppenheim-Analyst Rothauge Capgemini für einen denkbaren Interessenten: "Ein Investor könnte die erforderlichen Geldmittel bereitstellen, indem er eine Kapitalerhöhung von Capgemini finanziert".

Fujitsu Services ist der europäische Servicearm der japanischen Fujitsu-Gruppe, die mit IT-Dienstleistungen weltweit rund 34 Milliarden Euro pro Jahr einnimmt. Vier Fünftel des Umsatzes stammen aus Japan, eine Ausweitung des Auslandsgeschäfts steht ganz oben auf der Agenda. Der Konzern will in Euorpa und vor allem in Kontinentaleuropa wachsen. Einen ersten Akzent hat das Unternehmen Ende vergangenen Jahres mit der Übernahme des IT-Dienstleisters TDS in Deutschland gesetzt, der zweite folgte nur wenige Wochen später: Fujitsu Services schnappte sich den Outsourcing-Auftrag des Allianz-Konzerns über den Betrieb der dezentralen IT und der Netze. Eine weitere Duftmarke wollte der Konzern in Frankreich mit einer Mehrheitsbeteiligung an dem lokalen IT-Dienstleister GFI setzen, doch der französische Provider lehnte ab. Das GFI-Management war unzufrieden mit dem Preis und den in Aussicht gestellten Sozialleistungen. Insofern hätte Fujitsu wieder freie Mittel für eine europäische Akquisition. In Deutschland konzentriert sich Fujitsu Services auf dezentrale Dienstleistungen und SAP-Projekte (infolge der TDS-Übernahme). Die Kompetenz im Rechenzentrumsbetrieb und im SAP- sowie Systemintegrationsmarkt von T-Systems wären eine Ergänzung.

Die indischen Provider werden immer wieder als mögliche Käufer von T-Systems genannt. Wipro hatte kürzlich eine Übernahme in Deutschland in Aussicht gestellt, doch das dürfte kaum T-Systems betreffen. Tata und Infosys haben sich angeblich die Bücher von T-Systems angesehen. Marktbeobachter bezweifeln den Wert einer Fusion für beide Seiten: Die indischen Anbieter würden sich ihren Lohnkostenvorteil zunichte machen. T-Systems hätte zwar Offshore-Ressourcen, aber keine internationale Reichweite gewonnen.

Weitere Übernahmekandidaten, die allerdings weniger in Frage kommen, finden Sie in der Online-Version dieses Artikels.