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31.08.2001 - 

Pilotprojekt in Bayern

Tabakgroßhandel testet Jugendschutz per Geldkarte

MÜNCHEN (CW) - In einem Pilotprojekt testet der Bundesverband der Tabakwaren-Großhändler, ob die Geldkarte als Bezahlsystem bei Zigarettenautomaten eingesetzt werden kann. Im Vordergrund steht dabei der Jugendschutz.

Tabakwaren dürfen nicht an Jugendliche unter 16 Jahren verkauft werden. Bei den allerorts aufgestellten Zigarettenautomaten lässt sich das aber unmöglich sicherstellen. Hier sieht die Tabakbranche Handlungsbedarf. Entsprechende Novellen der Jugendschutzgesetze sind immer wieder im Gespräch. Für den Tabakhandel sind Zigarettenautomaten sehr wichtig, rund 30 Prozent der in Deutschland verkauften Zigaretten kommen aus den 830 000 aufgestellten Automaten. Es liegt im eigenen Interesse der Branche, Jugendlichen den Zugang zu den "Kippen" zu erschweren. Ein potenzielles Mittel dazu könnte das Bezahlsystem "Geldkarte" sein. Die Geldkarte ist mittlerweile Bestandteil der meisten Eurocheque-Karten. Jugendliche besitzen in der Regel keine EC-Karte.

In einem regionalen Pilotprojekt hat der Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller e.V. (BDTA) in Zusammenarbeit mit der S-Card Service GmbH getestet, ob dieses bargeldlose Bezahlsystem für die Branche praxistauglich ist und ob es von den Kunden akzeptiert wird. Als Standort wählten die Verantwortlichen die Stadt Dorfen in Bayern. Ein wichtiges Kriterium war für Peter Lind, Geschäftsführer des BDTA, dass in der 12000-Seelen-Gemeinde nur zwei Automatenaufsteller vertreten sind. So konnten mit wenig Koordinationsaufwand alle rund 45 Außenautomaten von Münzen auf die Geldkarte umgestellt werden. Gegen Bargeld bekommen die Kunden Zigaretten nur noch an Innenautomaten, zum Beispiel in Gaststätten. Das einjährige Projekt begann im Oktober 2000.

Der neue Einkaufsablauf: Die Geldkarte wird in den Schlitz des Lesegeräts geschoben, dann wählt der Kunde die gewünschte Ware aus und zieht die Karte wieder aus dem Automaten. Für die Automatenbesitzer ändert sich nur wenig: An die Stelle des Münzfaches tritt ein lokaler Speicher, in dem die von der Geldkarte gebuchten Beträge erfasst sind. Der Speicher im Automaten wird über eine Infrarot-Schnittstelle mit einem mobiles Lesegerät ausgelesen. In der Firma des Aufstellers werden die Buchungsdaten über einen Server an die Bank weitergeschickt. Bei Zigarettenautomaten sei diese Art der Datenübertragung kein Problem, erläutert der örtliche Tabakhändler Georg Gött: "Die Automaten werden sowieso ungefähr einmal pro Woche befüllt." Das manuelle Auslesen der Daten ist dann kaum zusätzlicher Aufwand. Die notwendige Stromversorgung erfolgt über einen Akku im Automat, der von einer Solarzelle aufgeladen wird. Die Solarzelle ist durch eine Blende vor Verschmutzungen geschützt. Der Vorteil dieser Technik ist, dass die Außenautomaten nicht kostenintensiv an das Stromnetz angeschlossen werden müssen.

Die Energieversorgung ist laut Gött noch problematisch. Die Chips auf der Karte und im Lesegerät hätten einen hohen Stromverbrauch. Das gehe aber noch mit der Solarzellentechnik. Andere Technologien, zum Beispiel die Online-Anbindung des Lesegeräts an die Bank, sei mit dieser Art der Stromversorgung aber nicht realisierbar, so der Tabakhändler: "Das wäre wegen der Verdrahtungskosten nur kabellos zu machen. Und die Funktechniken brauchen zu viel Energie." Eine Online-Verbindung ist etwa zum Einsatz von EC-Karten notwendig.

In der Praxis treten keine nennenswerten Probleme auf. Allerdings ist die Kundenakzeptanz gering. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei der Umsatz aktuell um 83 Prozent zurückgegangen, so Gött. Am Anfang konnte der Automatenbesitzer noch wenigsten 26 Prozent des normalen Umsatzes verbuchen. Den Rückgang führt Gött unter anderem darauf zurück, dass die Zahl der Nutzungsmöglichkeiten für die Geldkarte in Dorfen seit Projektbeginn zurückgegangen sei. Bislang habe man auch noch zum Beispiel bei Parkscheinautomaten mit der Karte bezahlen können.

Wenig AkzeptanzÄhnlich beurteilt auch Lind die Akzeptanzprobleme. Den Konsumenten müssten die Vorteile der Geldkarte erst nähergebracht werden. Auch sei für die Akzeptanz wichtig, dass die Karten in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt werden könnten. "Die Anwendung der Geldkarte ist kein Selbstläufer", so sein Resümee. In weiteren Projekten möchte der BDTA den Geldkarteneinsatz voranbringen.