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15.11.2002 - 

Stiftfähiger Mobilcomputer weist konzeptionelle Schwächen auf

Tablet PC - Innovation mit Schönheitsfehlern

MÜNCHEN (hi) - Weltweit feierte Microsoft den "Tablet PC" als neuen Impulsgeber für den müden IT-Markt. Dank Stifteingabe und Handschrifterkennung soll das auf PC-Technik basierende Gerät seinem Benutzer überall im Arbeitsalltag dienen können. Marktforscher sind über die Absatzchancen des Tablet PC geteilter Meinung.

Wie ein kleiner Junge freute sich Microsoft-Chairman und -Gründer Bill Gates anlässlich der Markteinführung des Tablet PC in New York. Mit dem Verkaufsstart der Geräte geht endlich seine Vision eines Rechners in Erfüllung, der Papier und Bleistift ersetzt.

Die Realisierung dieses Traums dauerte von der ersten Präsentation entsprechender Studien bis zum fertigen Produkt rund zwei Jahre. Bill Gates feierte den Start des Tablet PC als "den Beginn einer neuen Ära des Mobile Computing, die nur durch die Phantasie des Benutzers begrenzt ist".

Ganz so euphorisch urteilen die Analysten von Gartner nicht. Ihren Prognosen zufolge wird sich der Tablet PC bis 2007 maximal einen Marktanteil von 35 Prozent unter allen Notebooks erobern. Gartner-Vice-President Ken Dulaney begründet dies damit, dass dem Tablet PC noch die Anwendungen fehlen, das Hardwaredesign zu klobig und die Preise zu hoch seien. Anders urteilt die Kasseler Techconsult GmbH, die sich dabei auf eine Umfrage unter deutschen IT-Entscheidern stützt.

Dieser Erhebung zufolge können sich schon jetzt 78 Prozent der Anwender einen Einsatz des Tablet PC im Unternehmen vorstellen.

Die Idee des Pen Computing ist nicht neu. So startete 1993 beispielsweise Apple mit dem Newton einen ersten Versuch, diesen Ansatz einer breiten Benutzergemeinde nahe zu bringen. Das Modell scheiterte damals unter anderem an seiner dürftigen Handschriftenerkennung und der mangelhaften Einbindung in die Unternehmens-DV.

Heute, knapp zehn Jahre später, ist die Ausgangssituation für den Tablet PC günstiger. Es stehen leistungsfähige Mobilprozessoren zur Verfügung, farbige hochauflösende TFT-Displays sind kein Luxus mehr, und in Sachen Schrifterkennung wurden immense Fortschritte erzielt. Ferner erweitern Features wie ein eingebautes Modem, Netzkarte oder Wireless-LAN-Access das Einsatzgebiet der neuen Pen-Generation. Zudem können die Hersteller auf Festplatten und andere Komponenten zurückgreifen, die schon in Notebooks erprobt wurden.

Windows XP Professional mit Handschriftenerkennung

Seine Verwandschaft mit dem PC zeigt der mobile Sprössling auch beim Betriebssystem: Die "Windows XP Tablet PC Edition" ist, vereinfacht ausgedrückt, ein Windows XP Professional, das um die Handschriftenerkennung erweitert wurde. Diese Betriebssystem-Basis ist ein Trumpf des Tablet PC gegenüber anderen Stiftcomputern: Dank der gleichen Netzwerk- und Sicherheitsfunktionen, wie sie Windows XP aufweist, lässt er sich problemlos in die IT-Infrastruktur eines Unternehmens einbinden, da er für den Administrator wie ein Standard-Laptop zu managen ist.

Folgerichtig propagiert Microsoft den Tablet PC als eine Weiterentwicklung des Notebooks. Als Zielgruppe hat der Konzern dabei Unternehmenskunden im Visier. Eine Marketing-Botschaft, die jedoch hierzulande bei den Hardwarepartnern Acer, HP/Compaq, Fujitsu-Siemens, Paceblade, Toshiba und Viewsonic nur bedingt angekommen ist: Während die einen nämlich den Tablet PC bereits über eine bekannte Handelskette für Unterhaltungselektronik verkaufen, setzen die anderen ausschließlich auf das Projektgeschäft und wollen den Tablet PC vorerst nicht über den Einzelhandel anbieten.

Doch gerade an der Einsatzfähigkeit der hierzulande angebotenen Tablet PCs im rauen Unternehmensalltag sind Zweifel angebracht, denn die Anwender sollten die Geräte, wie auf der deutschen Tablet-PC-Veranstaltung in München zu hören war, genauso sorgsam wie ein Notebook behandeln. Der Einsatz als digitaler Begleiter für den Paketboten oder den Arzt auf Visite fällt also flach.

Angesichts dieser Ungereimtheiten wundert es nicht weiter, dass Gartner die Marktchancen für den Tablet PC eher zurückhaltend beurteilt. So rechnen die Marktforscher für 2003 lediglich mit 420000 verkauften Geräten, während Microsoft-Vice-President Jeff Raikes 500000 bis eine Million Geräte an den Mann bringen will. Überzeugt von dem Konzept, geht Raikes von einer rapide wachsenden Nachfrage aus. Er ist sicher, dass in vier bis sechs Jahren nahezu alle mobilen Computer die Funktionen des Tablet PC besitzen.