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23.09.1994

Tabula rasa - aber wie?

DEC-Chef Palmer vermittelt in juengster Zeit den Eindruck eines Mannes, der gewillt ist, tabula rasa zu machen und DEC um jeden Preis auf eine Entschlakkungskur zu schicken.

Es zeugt von realistischer Selbsteinschaetzung, wenn Palmer das vertikale Softwaregeschaeft anderen ueberlaesst und DEC auf seine Hard- und Software-Faehigkeiten beschraenkt, insofern es das Systemintegrationsgeschaeft betrifft.

Fraglich ist jedoch, ob Palmers Einschaetzung der Bedeutung von Technologie-Know-how fuer den Markt zutreffend ist: Niemand bestreitet die Leistungsfaehigkeit der Alpha-Technologie. Doch Palmer will nicht akzeptieren, dass Kunden Loesungen und keine Technologien kaufen.

Nach wie vor gibt es fuer die drei Betriebssysteme OpenVMS, NT und OSF/1 zusammen mal gerade 6000 Anwendungen. Nur 700 davon laufen auf NT, dem Betriebssystem, das - realistisch betrachtet - noch am ehesten Stueckzahlen verspricht.

Nach wie vor konnte DEC auch keinen schwergewichtigen PC- Systempartner fuer die Alpha-Architektur erwaermen. Palmer wirbt zwar mit 55 OEM-Partnern, von denen Olivetti, Vobis und Cray die bekanntesten sind.

Aus der Olivetti-DEC-Kooperation sollen aber vor allem die Italiener Vorteile gezogen haben. Cray bedient mit seinen Alpha- basierten massiv-parallelen Rechnern einen Markt, der nicht nur vergleichsweise sehr klein, sondern auch mit recht hohen Risiken behaftet ist.

Bei Deutschlands PC-Primus Vobis liegen die Verkaufszahlen fuer den Alpha-PC seit Monaten praktisch bei Null - "egal zu welchem Preis wir den angeboten haben," erklaert man in Aachen, "das Softwareangebot fuer den DEC-Rechner ist voellig uninteressant."

Zudem bleibt DEC Gefangener seiner VAX-Systeme. Wer weit ueber 500000 dieser Maschinen verkauft hat, ist gezwungen, diese auch weiterhin fuer Gross- und Regierungskunden zu produzieren und zu pflegen.

DECs Problem stellt sich ganz nuechtern dar: Waehrend im Fiskaljahr 1994 im Vergleich zu 1993 der Umsatz mit Alpha-Rechnern von 200 lediglich auf 900 Millionen Dollar stieg, sanken die Verkaeufe von Mips-basierten Systemen um ueber die Haelfte, der Umsatz mit VAX- Systemen fiel von 2,5 auf 1,35 Milliarden Dollar.

DEC sieht sich mit einer harten Realitaet konfrontiert: Der Uebergang von proprietaeren auf offene Systeme zieht unweigerlich den Verfall ueberdimensionaler Gewinnspannen nach sich. Gleichzeitig waechst der Zwang, ueber hohe Stueckzahlen Gewinne erzielen zu muessen. Den Wechsel von der VAX- auf die Alpha- Plattform hat DEC aber noch lange nicht gewinnbringend vollzogen.

Hierin liegt das Problem: Nur Profite koennen DEC aus dem Teufelskreis von roten Zahlen und zunehmendem Imageverfall herausholen. Die Frage bleibt, ob Palmer es schafft, angesichts der Versaeumnisse der Vergangenheit reinen Tisch zu machen.