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07.01.1994

Tageskarte statt ISDN-Festtagstorte a la Bruessel

Nun ist es endlich soweit, nach seligem Dornroeschenschlaf haben es die Eurokraten der EG - pardon, das Kind heisst mittlerweile ja EU - geschafft, der europaeischen Wirtschaft zumindest im Bereich Telekommunikation einen Wettbewerbsvorteil zu bescheren. Doch bei naeherem Hinsehen entpuppt er sich - zumindest noch - als Fata Morgana.

Denn mit der beim zentralen Euro-ISDN-Event so gelobten paneuropaeischen digitalen Connectivity ist nicht viel los. Nur zwei Laender bieten den neuen Standard bereits flaechendeckend an, der Rest der Anwender darf mit Altem vorliebnehmen. Und die vielbeschworene internationale Wettbewerbsfaehigkeit? Fehlanzeige bereits bei den Tarifen. Nach wie vor kocht jeder Carrier sein eigenes ISDN-Tarifsueppchen, mal etwas schaerfer (sprich teurer) gewuerzt wie fuer die Freunde digitaler Kommunikation in Deutschland, mal ist es noch gar nicht auf der Speisekarte wie etwa in Irland und Griechenland.

Und die Chefkoeche der DG 13 in Bruessel? Dort zuckt man angesichts solch profaner Wuensche hilflos mit den Achseln und vertroestet auf den ab 1998 stattfindenden freien Wettbewerb der Koeche. Denn Kleinigkeiten, so die lapidare Auskunft, wird der freie Markt regeln. Ein Gourmand, wer die Maitres de la Cuisine mit Firlefanz belaestigt, waehrend die Oberkoeche derweil lieber am Zwoelf-Sterne- Menue der Euro-Union basteln.

Dass derweil Entrees wie einheitliche Schnittstellen oder Desserts wie geeignete Applikationen fehlen beziehungsweise Schmalhans Kuechenchef ist, stoert die Eurokraten also wenig. Nach getaner Feier braucht der Bruesseler Koloss EU erst einmal eine Verdauungspause - soll sich doch der Anwender selber abstrampeln, um ISDN zum Laufen zu bekommen; Bewegung ist schliesslich gesund. So gesehen bleibt von der Festtagstorte Euro-ISDN zunaechst nicht viel mehr als ein fader Beigeschmack.

Zumal, wenn man bedenkt, dass, waehrend sich die Eurokraten stolz auf die Schultern klopfen, die Amerikaner jenseits des grossen Teichs bereits an der schnelleren ATM-Technologie arbeiten, um ihre Wirtschaft auf das Zeitalter der Informationsgesellschaft zu trimmen.

Mehr Schein als Sein gilt derzeit wohl auch fuer die deutsche Telekom. Waehrend sich das Bonner Postunternehmen nach seiner widerwillig geschlossenen Zweckehe mit France Telecom in Image- Anzeigen bereits als "globaler High-Tech-Dienstleister" und "neue Kraft fuer Europas Wirtschaft" anpreist, scheint bei Dingen wie einer einfachen ISDN-Verbindung relativ wenig zu klappen: Im Rahmen des zentralen Euro-ISDN-Events eine Leitung von Bruessel nach Muenchen in den dortigen Showroom der Telekom aufzubauen war schlicht unmoeglich. Jedenfalls waere es schoen fuer die Connectivity- Welt, wenn wenigstens die Tageskarte hielte, was zum Festtag versprochen wurde. hi