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18.03.1977 - 

Orenstein & Koppel plant im Verbund:

Tagfertige Terminierung in einer weitgespannten Fertigung

Trotz unterschiedlichster Fertigungsprogramme führen die Werke der Orenstein & Koppel Aktiengesellschaft ihre Produktionsaufgaben in engem Verbund aus. Seit 1970 setzt der Konzern für die Kapazitätsterminierung ein zentrales EDV-System ein. Im Werk Lübeck sorgt darüber hinaus ein Nixdorf-System 900 M 1 für noch aktuellere Informationen (alle anderen Werke sind mit dem Zentralrechner in Online-Verbindung, über die alle zehn Arbeitstage ein "Terminierungslauf" gefahren wird).

Seit mehr als einem Jahrhundert widmet sich O&K der Entwicklung und Herstellung von Maschinen, Geräten und Anlagen für die Förder- und Transporttechnik. Das geschieht in fünf inländischen und zwei ausländischen Werken. Das Werk Lübeck bewältigt mit mehr als 2800 Mitarbeitern auf einem Werksgelände von 255 000 qm eine besonders weitgespannte Fertigung: Sie umfaßt neben dem Schiffsbau Maschinen- und Anlagenbau für Massengutförderung und -umschlag sowie Erdbau, darunter Krane, Bagger und Tagebaugeräte. Jährlich kommt es in diesem Betrieb zu rund drei Millionen Produktionsstunden. Davon entfallen 80 Prozent auf die Auftrags- und 20 Prozent auf die Serienfertigung. Stattlich ist der damit verbundene Datenfluß zur Planung, Steuerung und Abrechnung. Heute befinden sich im Durchschnitt rund 19 000 Arbeitspläne ständig im Betriebsumlauf. Im Monat sind etwa 40000 Lohnbelege, 20000 Materialbelege und 60 000 Fertigmeldungen zu erfassen.

Die in der Herstellung eingesetzten Mitarbeiter und Maschinengruppen sind Leitständen zugeordnet. In der Planung, Disposition und Auftragsabwicklung greifen sie auf ein System zurück, das mit dem Ziel größter Termintreue, kurzer Durchlaufzeiten und niedriger Kosten geplant und in mehreren Schritten realisiert worden ist.

Zunächst hat sich das Werk eines rein belegorientierten Systems für die Auftragsabwicklung bedient: Des Zeilenumdrucks, mit dem durch maschinenschriftliche Erstellung der Fertigungsaufträge zugleich Umdruckoriginale für Lohn- und Materialscheine erstellt werden können. Mit dieser Methode waren jedoch weder die Auftragsbestände noch die Maschinenbelegungen wirtschaftlich unter Kontrolle zu halten.

Seitdem 1970 das CLASS-System von IBM (Capacity Loading and Scheduling System) zur Kapazitätsterminierung in der Fertigung untersucht worden war, operiert das Dortmunder Rechenzentrum mit dieser Software. Heute verknüpft eine Anlage vom Typ IBM 370/158 die aus den Werken gemeldeten Auftragssätze in einem Netzplan zeitlich miteinander. Im Werk Lübeck werden die Ausgangsdaten auf Magnetband erfaßt, und das Werk erhält die Ergebnisse der Programmabläufe in Form von Magnetbändern zurück.

Um die Daten für CLASS mit möglichst geringem Aufwand erfassen zu können, und zugleich den Schreibund Umdruckaufwand im eigenen Belegwesen zu verringern, ging das Werk 1971 auf einen "System-Mix" mit aufgabenspezifischer Note über. Die Arbeitspläne wurden mit programmierbaren Datenerfassungsplätzen erfaßt. Die Plätze lieferten außer einem Protokoll eine Magnetbandkassetten-Aufzeichnung. Sie gab man in einen Magnetkontencomputer ein, der in Form von Magnetkonten Standard-Arbeitspläne erstellte. Zugleich stand dieser Computer mit einer Magnetbandstation in Verbindung, so daß hiermit die Terminierungsdaten für das Dortmunder System gesammelt werden konnten. Die Material- und Lohnscheine wurden seitdem mit Kartenlochern hergestellt. Durch diese Reorganisation ließen sich bislang fünf Arbeitsgänge in einem einzigen Arbeitsgang bewältigen. Im Vergleich mit der Vorgänger-Methode entfielen das zweimalige Schreiben der Terminierungsdaten sowie die jeweils einmaligen Arbeiten der Arbeitsplan-Niederschrift und der Lohn- und Materialdaten-Erfassung.

Der CLASS-Terminierungslauf erfolgt einmal wöchentlich. Mit dem Nixdorf-System 900 M 1, das die MBC-Plätze und den Magnetkontencomputer Anfang 1975 abgelöst hat, können die aus den Fertigungsbereichen eintreffenden Fertigmeldungen in Lübeck sofort verarbeitet werden. Außerdem erschließt das neue System ,vor Ort" umfangreiche Programmleistungen. Beides sind Voraussetzungen, um ein jederzeit nach dem letzten Fertigungsstand auskunftsbereites System zu betreiben.

Das installierte System verfügt über eine Zentraleinheit mit 96 K Bytes. Ihr sind drei Magnetplattenspeicher je 60 Millionen Bytes, ein Zeilendrucker (36 000 Zeilen/h), ein Kartenleser (1000 Karten/min), zwei Kartenlocher (je 3600 Karten/h), eine Magnetbandstation (800 bpi) und zehn Bildschirmplätze (960 Zeichen) angeschlossen. Diese Ausrüstung dient der Arbeitsplan-Erfassung, -Änderung und -Verwaltung, dem Arbeitsplan-Abruf, der Fertigungssteuerung, der Auftragsverwaltung mit Änderungsdienst, der Maschinengruppenverwaltung mit Änderungsdienst sowie dem Soll/Ist-Vergleich in Stunden für die Kalkulation.

Die Anwendung zeigt die Hauptmerkmale des Datenbank-Konzepts. Das System läßt sich gleichzeitig in mehreren Programmebenen benutzen. Durch direkten Speicherzugriff bietet es eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit. Mit zahlreichen unterschiedlichen Programmen wird abrufend, verarbeitend, verknüpfend und aktualisierend auf indexsequentiell organisierte Dateien zugegriffen. In der Arbeitsplandatei (sie besteht aus einer Master- und zehn Unterdateien) sind allein schon rund 36 000 Standard-Arbeitspläne gespeichert. Eine Tagesdatei besteht aus einer Master- und drei Unterdateien. Für die Auftragsverwaltung in der Fertigungssteuerung stehen insgesamt elf Daten- und Kettdateien bereit. Die Aufgaben, Anwendungen und Effekte dieses Systems spiegelt der Verlauf einer Auftragsfertigung wider.

Das vom Kunden bestellte Produkt wird bereits im Angebot so spezifiziert, daß dem Werk damit Ausgangsdaten für Kosten- und Terminkalkulation zur Verfügung stehen. Das Technische Büro liefert Zeichnung und Stückliste. Beides bildet den Auftrag für die Fertigungsplanung. Parallel erfolgt eine mittelfristige Terminplanung, mit der die erforderliche Fertigungskapazität reserviert wird.

Die in der Tagesdatei gespeicherten Daten dienen am Tagesschluß zum Druck der Arbeitspläne. Dabei werden aus der Standard-Arbeitsplandatei die Gerüste der Arbeitspläne übernommen, sofern sie hier bereits resident sind. Noch nicht abgespeicherte Arbeitspläne werden in diesem Programmlauf in die Datei übernommen.

Der Arbeitsplan-Druck am Tagesschluß ist auch der Zeitpunkt, an dem die Daten für CLASS erfaßt werden. Alle Termindaten aus den Arbeitsplänen werden in einem simultanen Programmlauf in eine Datei aufgenommen, aus der zum vorgesehenen Zeitpunkt die Magnetbandaufzeichnung für das Rechenzentrum in Dortmund gewonnen wird.

Die Ablösung der Datenerfassungsplätze und Magnetkontencomputer durch ein voll integriertes DV-System hat die Gesamtkosten der Fertigungsplanung und -steuerung in Relation zum Werksumsatz nicht erhöht. Gesteigert aber wurden die Effekte, wenngleich sie sich zur Zeit noch nicht bewerten lassen. Hierzu heißt es in einem Systembericht der Fertigungsplanung: "Eine exakte Ermittlung der mit dem Einsatz dieses Systems verbundenen Aufwendungen und Einsparungen ist nicht möglich. Eine sonst übliche Investitionsrechnung läßt sich mittels eindeutiger. Bemessungsgrundlagen nicht aufstellen. Die Kostengegenüberstellung des alten und neuen Verfahrens scheidet ebenfalls aus, da hierzu eine gemeinsame Vergleichsbasis fehlt. Die effektiven Einsparungen und andere meßbare Auswirkungen können erst nach längerer Anlaufzeit festgestellt werden."

- Herbert F. W. Schramm ist freier EDV-Fachjournalist