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27.09.1996 - 

Computerindustrie in Fernost (Teil 1)

Taiwans Aufstieg zu einem PC-Exporteur von Rang

Taiwan wurde von der "IT-Neuzeit" erst relativ spät erfaßt. Als IBM in den 60er Jahren den ersten Computer auf den Markt brachte, bestand der Export der Insel im wesentlichen aus primitiven Spielzeugen und billigen Strickwaren. Innerhalb von zwei Dekaden wurden jedoch Computer, Computer-Komponenten und andere elektronische Bauteile zum Eckpfeiler des taiwanischen Wirtschaftserfolges. Folge: Heute sind die Inselchinesen ein mehr als ernstzunehmender Player in der globalen PC-Industrie und nehmen hinter den USA, Japan und Deutschland Platz vier in der internationalen Rangliste ein.

Wie konnte die IT-Technik zu einem der wachstumsstärksten Bereiche der taiwanischen Wirtschaft heranwachsen? Antwort: Niedrige Herstellungskosten und OEM-Produktion leisteten die eigentliche Aufbauarbeit. Die vor allem kleinen und mittelständischen Familienunternehmen haben bewiesen, daß auch in Asien "small is also beautiful" gilt - die japanischen und koreanischen Riesen wurden auf die Plätze verwiesen. So baut beispielsweise auch der weltweite PC-Branchenführer Compaq immer mehr auf taiwanische Fertigung. Der US-Computer-Gigant hat gegenüber 1994, als man für 460 Millionen Dollar OEM-Produkte aus Taiwan bezog, 1995 bereits Komponenten im Wert von 1,5 Milliarden Dollar geordert.

Fähigkeit zur Adaption führte zu eigenem Design

Anfangs haben die taiwanischen Familienunternehmen ausländische Bestellungen mit ihren niedrigen Fertigungs- und Komponentenkosten "gewonnen". Heute indes dient immer mehr auch der erkennbare Technologie-Vorsprung der hiesigen Mikroelektronik als Verkaufsargument. Die gut ausgebildeten Arbeitskräfte werden dabei oft von in den USA geschulten Ingenieuren angeleitet. Diese Konstellation trägt mit dazu bei, daß Taiwan im Gegensatz zu südkoreanischen Konzernen, die sich auf die Massenproduktion einer beschränkten Anzahl von PC-Modellen spezialisiert haben, sehr viel schneller technische Features liefern kann, mit denen die jeweils jüngste Produktgeneration von PCs bestückt werden soll. Gleichzeitig führt diese offensichtlich adaptive Fähigkeit - gekoppelt mit einem immer größeren Produktionsvolumen - zu vermehrtem eigenen Design von PCs.

Der momentan noch vorherrschende Zustand, daß Taiwans IT-Industrie trotz ihrer Qualität international noch relativ unbekannt ist, dürfte sich also bald ändern. Speerspitze der taiwanischen Computerunternehmen, die einen solchen "Alleingang" anstreben, ist Acer. Die Company wurde vor 20 Jahren von dem Ingenieur Stan Shih gegründet. Erstes Produkt der Entrepreneurfirma war der "Microprofessor", ein einfacher PC mit Schwarz-Weiß-Monitor. Auf der Basis dieses Verkaufshits (der "Microprofessor" wurde immerhin 3000mal verkauft - genug Einahmen also, um ein für die damalige "Größe" solides weiteres Wachstum finanzieren zu können) schuf der heute 51jährige Acer-Chef einen der wenigen international bekannten taiwanischen Markennamen. Gleichzeitig aber auch den weltweit viertgrößten Hersteller von Computern und Computer-Bauteilen.(wird fortgesetzt)

*Ivan Botskor ist freier Journalist in Ulm und Herausgeber des Newletters Japaninfo.