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02.07.1993

Taiwans IT-Industrie (Teil 1) Inselchinesen wollen das Image des Billigproduzenten ablegen

TAIPEH (jm) - Auch die diesjaehrige Computex-Messe in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh machte deutlich, dass die IT- Industrie des Inselstaats nach wie vor in erster Linie von ihrem Hardware-Angebot lebt. Doch die Regierung hat Projekte ausgelobt, mit denen sie die einseitige Ausrichtung Taiwans als Billigproduzent fuer internationale DV-Anbieter zu modifizieren trachtet.

Fast 50 Prozent der gesamten Ausstellungsflaeche auf der Computex belegten Anbieter von Peripheriegeraeten und Computerkomponenten wie Stecker, Adapter, Gehaeuse etc. Auf einem weiteren Viertel der vom China External Trade Development Council (Cetra) gemeinsam mit der Taipei Computer Association (TCA) ausgerichteten groessten asiatischen Computermesse machten sich Anbieter von PC-Systemen breit. Die restlichen 25 Prozent der Aussteller teilten sich thematisch in Multimedia-, Netzwerk-, Software- und Zubehoerprodukte. Ausserdem praesentierten auslaendische Aussteller auf einem Uebersee-Areal ihren Produktmix.

Technologische Neuigkeiten waren nicht zu erwarten und auch nicht zu sehen, da es sich bei der Computex eigentlich um eine OEM-, Verkaufs- und Handelsboerse fuer Unternehmen =a la Vobis und Escom handelt.

Nur fuenf Prozent sind

fuer den heimischen Markt

Neues, wenn man so will, gab es

von der IBM: Sie war mit einem Stand vertreten, der unter dem Zeichen von Big Blues allgemeiner neuer Geschaeftsausrichtung ganz offiziell auf die Suche nach OEM-Partnern ausgerichtet war: "Fuer uns ist das eine ganz aufregende und neue Erfahrung", meinte denn auch Diana Huang von der OEM Business Development der IBM Taiwan Corp.

Die Computex stellte ein Abbild der taiwanischen IT-Industrie dar. Nach wie vor ist diese ganz ueberwiegend hardwarelastig, produktions- und exportorientiert. Belief sich der mit Hard- und Softwareprodukten sowie -Dienstleistungen erzielte IT- Produktionswert der Inselchinesen 1992 auf insgesamt 9,42 Milliarden US-Dollar, entfielen hiervon mit 8,39 Milliarden US- Dollar allein 89 Prozent auf hardwarebezogene Produkte (vgl. die Abbildung). Information Services, also Softwareprodukte und - Dienstleistungen, schlagen lediglich mit 1,034 Milliarden US- Dollar zu Buche.

Nur fuenf Prozent der gesamten taiwanischen Hardwareproduktion ist dabei fuer den heimischen Markt gedacht, 95 Prozent fuer den Export bestimmt. Bei der Software ist dieses Verhaeltnis genau umgekehrt: Lediglich sechs Prozent der "weichen" Produkte verlassen die Insel vor dem chinesischen Festland.

Interessanterweise gehoeren Computerproduzenten nicht einmal zu den groessten taiwanischen Herstellern.

Aus europaeischer und amerikanischer Perspektive sieht man in den Landsleuten Tschiang Kai-scheks moeglicherweise vor allem Hersteller computerbezogener Produkte. Tatsaechlich konnte sich gemaess einer Untersuchung des taiwanischen Wirtschaftstitels "Excellence Magazine" nur die Tatung Company unter den Top Ten taiwanischer Unternehmen plazieren. Bei der Hitliste von 1000 Firmen wertete das Magazin dabei nach Umsatzzahlen, Betriebsvermoegen und Aktiva sowie dem Nettowert der Firmen.

Tatung, Taiwans zweitgroesster Monitorhersteller und groesster PC- Exporteur, rangiert hinter drei Tochterunternehmen der Formosa Plastic Group erst an vierter Stelle vor Textil-, Auto- und Zementunternehmen. Der Produktionswert taiwanischer Hardware von 8,39 Milliarden US-Dollar entspricht denn auch nur 9,3 Prozent des gesamten taiwanischen Exports von 1992.

Nach wie vor das groesste Geschaeft erwaechst der IT-Industrie des potentesten kleinen Tigers - der mit knapp 36 000 Quadratkilometern auf lediglich einem Zehntel der Flaeche von Deutschland 20,5 Millionen Menschen unterbringen muss - aus der Monitorproduktion. Mit 11,07 Millionen Einheiten und einem weltweiten Marktanteil von 43,9 Prozent ist Taiwan vor Suedkorea (27,2 Prozent) und Japan (21,4 Prozent) die Nummer eins in Sachen Bildschirmherstellung.

Tze-Chen Tu, Direktor des Market Intelligence Center (MIC) und des Institute for Information Industry (III), konzedierte allerdings, dass die japanische Konkurrenz weniger nach der Stueckzahl zu bewerten sei, da man sich im Land der aufgehenden Sonne eher auf High-end-Produkte konzentriere. Dass Japan in puncto Qualitaetsproduktion auch im asiatischen Raum fuehrend ist, mag die Tatsache belegen, dass taiwanische Notebook-Hersteller bei technologisch anspruchsvollen Komponenten wie LC-Displays ausschliesslich auf die japanischen Anbieter Sharp, Toshiba, Seiko- Epson, Hosiden und Sanyo zurueckgreifen.

Deutlich scheint der Trend zur Off-shore-Produktionsverlagerung, also ins Ausland, zu sein - interessant angesichts der hiesigen Debatten um Standortverlagerungen. So stieg die Monitorproduktion nach Stueckzahl in Taiwan von 1991 auf 1992 zwar um 21,5 Prozent. Ausserhalb Taiwans - vornehmlich in Malaysia und Thailand, eine Produktionsstaette in Rotchina soll noch dieses Jahr folgen - schnellte die Bildschirmproduktion taiwanischer Unternehmen nach Stueckzahlen um 141,4 Prozent in die Hoehe.

Colley Hwang, Deputy Director des MIC gab an, dass 10,1 Prozent der taiwanischen IT-Produkte 1992 schon im Ausland hergestellt wurden, 1993 soll dieser Anteil sogar auf 15 Prozent steigen.

Insgesamt - also nicht nur bezueglich der IT-Industrie - stiegen die Investitionen Taiwans im Ausland (ohne Chinain den ersten fuenf Monaten des laufenden Jahres nach Angaben der Investmentkommission der Regierung Taiwans um zehn Prozent.

Allerdings besagen diese Zahlen noch nichts ueber die IT- Industrie: Wuchsen etwa die Investitionen der Inselchinesen in besagtem Zeitraum in den USA um 195 Prozent auf 321 Millionen US- Dollar, verdankte sich davon nach Angaben eines Kommissionsmitglieds der groesste Teil einem einzigen Projekt der Formosa-Plastic-Gruppe.

Ein Grossteil der Investitionsanstrengungen entfaellt auf den zunehmend boomenden Markt des chinesischen Mutterlandes: Allein 511 Millionen US-Dollar kanalisierte Taipeh allein in den ersten fuenf Monaten des laufenden Jahres auf das chinesische Festland. 1992 waren es insgesamt 247 Millionen US-Dollar gewesen. Auch diese Zahlen beziehen sich auf die taiwanische Industrie insgesamt.

Von den 1992 produzierten 2,8 Millionen PC-Systemen - dem zweitstaerksten Produktsegment nach Monitoren - verschiffte Taiwan 2,5 Millionen ins Ausland. Hier verzeichnet die Republik China allerdings nur noch ein gegenueber 1991 abgeschwaechtes Wachstum von 5,6 Prozent.

Anders sieht es bei der Motherboard-Produktion aus: Das drittstaerkste Produktsegment - gemessen am prozentualen Anteil an der gesamten taiwanischen IT-Industrie - kann nach Stueckzahlen eine Wachstumssteigerung von 33,9 Prozent vorweisen. Fast sechs Millionen Hauptplatinen stellten Unternehmen zwischen Taipeh und Kaohsiung 1992 her. (wird fortgesetzt)