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17.02.1995

Taligent: Wir optimieren die Entwicklung beim Anwender

CW: Interessiert sich der Markt noch fuer ein weiteres Betriebssystem?

Grimes: Nein. Aber die Anwender wollen verteilte DV-Umgebungen aufbauen und beherrschen. Herkoemmliche Anwendungs- und Betriebssysteme helfen ihnen dabei kaum. Hier stossen wir in eine Marktluecke.

CW: Was Sie bisher zeigen, ist neben huebschem Outfit vor allem die Moeglichkeit, Anwendungsteile und Daten zum Beispiel fuer Workflow- Funktionen zu integrieren. Reicht das, um die Kunden zu locken?

Grimes: Nein, Taligent ist mehr auf den Entwickler als auf den Enduser zugeschnitten. Es geht darum, dass die Spezialisten

im Anwenderunternehmen Betriebssystem- und andere Softwarekomponenten rasch zu Applikationen verbinden koennen, mit denen sich gegenueber der Konkurrenz ein Wettbewerbsvorteil herausholen laesst.

CW: Taligent ist also vor allem eine Entwicklungsumgebung.

Grimes: Es umfasst Entwicklungswerkzeuge und die Anwendungsumgebung "Common Point", die aus Runtime-Bibliotheken besteht, deren Zusammenstellung die Systemfunktionen bestimmen. Beide Bereiche zielen auf die moeglichst schnelle Applikationserstellung.

CW: Taligent fehlen aber Schnittstellen zu objektorientierten Programmiersprachen wie Smalltalk oder C++.

Grimes: Wir planen entsprechende Schnittstellen. In der ersten Produktversion, die wir Mitte des Jahres an unsere Sponsoren ausliefern, wird es sie aber noch nicht geben.

CW: Ist diese Zurueckhaltung nicht kontraproduktiv? Ueblicherweise versuchen Betriebssystem-Anbieter doch moeglichst viele Entwickler fuer sich zu gewinnen.

Grimes: Es gibt sechs Unternehmen und eine Universitaet, die Prototypen von Taligent-Anwendungen fertiggestellt haben. In weiteren 40 bis 50 Firmen laufen entsprechende Projekte. Es wird also Software geben, vor allem aber Tools.

CW: Sind bekannte Namen unter diesen Firmen?

Grimes: Keine, ueber die wir schon sprechen duerften. Das liegt vor allem daran, dass viele um ihre gute Beziehung zu Microsoft fuerchten. Aber ich glaube sowieso nicht an sogenannte Killer- Anwendungen. Wichtig ist vielmehr die Faehigkeit, das Business Process Re-Engineering zu unterstuetzen. Heute werden derlei Projekte oft durch Software-Altlasten behindert.

CW: Warum sollten Software-Anbieter wie Microsoft fuer Taligent entwickeln? Muessen diese Unternehmen nicht fuerchten, dass ihnen angestammte Maerkte wegbrechen, wenn die Anwender allein aus Taligent-Komponenten ein aus Textverarbeitung, Adressdatenbank, Spreadsheet und Telefonanschluss bestehendes Paket erstellen koennen?

Grimes: Die grossen Anbieter wie Microsoft, Wordperfect und Lotus haben natuerlich etwas zu verlieren. Sie sind heute den kleineren Softwarehaeusern ueberlegen, weil sie ihre Produkte zu grossen Paketen schnueren koennen. Gerade diese Form der Integration wird durch Taligent ueberfluessig gemacht.

CW: Davon werden die SoftwareAnbieter nicht gerade begeistert sein.

Grimes: Die Entwickler moegen das Konzept. Es nimmt ihnen viele Routinearbeiten ab. Ausserdem eroeffnet es den Software-Anbietern einen voellig neuen Markt. Sie koennen direkter auf die Wuensche ihrer Kunden eingehen und die Produkte als Komponenten in die vorhandene Umgebung einklinken. Hinzu kommt, dass dieses modulare Konzept viel kuerzere Produktzyklen zulaesst. Schliesslich geht es hier auch um die Entstehung eines Geschaefts fuer Softwarekomponenten vor allem in den vertikalen Maerkten. Hier werden ganz neue Anbieter dominieren.

CW: Das heisst doch, dass Sie Ihr Produkt gegen die grossen Player, insbesondere gegen Microsoft, in den Markt druecken muessen.

Grimes: Ich glaube, dass es nicht auf eine Konfrontation hinauslaeuft, sondern dass die grossen Softwarehaeuser in den Taligent-Techniken einen Zusatzmarkt sehen. Schliesslich will Microsoft ins Corporate-Business.

CW: Sie sehen als Zielmarkt also vor allem die Unternehmens-DV?

Grimes: Ja. Dort wird das meiste Geld fuer Anwendungsentwicklung ausgegeben. Aber Taligents Qualitaeten sollen nicht den Entwicklern eine sprudelnde Geldquelle erschliessen, sondern den DV-Abteilungen in Anwenderunternehmen das Leben erleichtern.

Mit Jack Grimes, der den Taligent-Titel "Technology Evangelist" fuehrt, sprach CW-Redakteur Hermann Gfaller.