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08.11.1991 - 

Mips-Prozessoren in allen Leistungsbereichen

Tandem hofft mit RISC-CPUs und Unix auf Profite im FT-Segment

CUPERTINO (jm) - Mit der vermehrten Ausrichtung auf die RISC-Technologie und Einstiegsrechner-Unix-Systeme will Tandem seine Führerschaft im Markt für fehlertolerante Computer festigen und zu höheren Gewinnmargen zurückkehren. Neben einem Speichersystem stellte das kalifornische Unternehmen für seine drei Produktfamilien "Nonstop Cyclone", "Nonstop CLX" und "Integrity" neue fehlertolerante (FT) Systeme auf RISC-Basis vor.

Bei den nun um die fünf RISC-Modelle Cyclone/R (Mips-R3000) erweiterten Nonstop-Cyclone-Familie (vergleiche Kasten zu allen, auch zu den jetzt vorgestellten Tandem-Modellen) handelt es sich um lose gekoppelte Multiprocessing-Maschinen (maximal 16 CPUs). Sie laufen unter dem proprietären Guardian-Betriebssystem. Tandem verspricht sich nach den Worten von Bill Heil, Guardian Systems Manager, erhebliche Kostenvorteile: "Wir wollen aufgrund der RISC-Technologie die Kosten zukünftig mit einem Faktor von 1:10 senken."

Das Nonstop-Cyclone/R-System ist laut Tandem völlig kompatibel zu den existierenden Nonstop-Rechnern und soll Transaktionsleistungen von 50 bis über 200 Transaktionen pro Sekunde (Tps) bieten. Mehrere über Tandems Netzsoftware "Expand" verbundene Systeme würden diese Leistung noch entsprechend erhöhen.

Auch Tandems Midrange-Familie der CLX-Rechner verpaßten die Kalifornier eine Mips-RISC-Variante: Die CLX/R genannten Systeme stellen nunmehr die Einstiegsmodelle der CLX-Reihe dar. Sie sind sowohl mit der CISC- als auch mit RISC-Architektur erhältlich, wobei laut Heil der Wechsel von CISC- auf RISC-CPUs mit einem "einfachen CPU-Kartenaustausch bewerkstelligt werden kann." Tandem bewirbt ihre CLX/R-Reihe mit der Aussage, "mit unter 25 000 Dollar ist es das billigste FT-OLTP-System am Markt".

Sowohl Cyclone/R- als auch CLX/R-Systeme werden mit zwei Befehlssätzen ausgeliefert: TNS (Tandem Nonstop Series) für die CISC- und TNS/R für die RISC-Variante. Dabei läßt sich unter Zuhilfenahme eines optimierenden Compilers von Tandem der TNS-Objektcode einlesen und in den schnelleren TNS/R-Objectcode kompilieren.

Gemäß einem im Oktober 1991 veröffentlichten TPC-A-Benchmarktest wies ein Nonstop-CLX/R-System gegenüber Rechnern von Unisys (A- und 2200-Serie), einer AS/400 und einer RS/6000 sowie gegenüber nicht näher bezeichneten HP-MPE- und Unix-Rechnern sowie einer ebenfalls nicht genauer definierten Sequent-Symmetrie-Maschine deutlich bessere Tps-Raten und Preis-pro-Transaktion-Werte auf.

Last, but not least erhielten die Integrity-S2-Modelle (R2000-Mips-RISC-CPU, jetzt "Integrity 200") Zuwachs durch fehlertolerante Unix-Rechner, die mit dem R3000-Prozessor ("Integrity 300") versehen sind. Tandem-CEO James G. Treybig machte übrigens das Fehlen lieferbarer R4000-Chips dafür verantwortlich, daß nicht jetzt schon die neueste Mips-CPU-Version in den Tandem-Systemen Einsatz findet. Mips-CEO Robert Miller bestätigte diese Aussage. Ebenfalls jetzt vorgestellt wurde das neue Einstiegsmodell "Integrity 100E", das sich im Feld zu einem 200- oder 300-Modell ausbauen läßt.

Schließlich präsentierte Tandem mit der "'Tandem 4500" auch noch ein neues Plattenspeicher-Subsystem für die Guardian-Rechner. Es kann bis zu sechs Module fassen, von denen wiederum jedes aus sechs 5?-Zoll-Plattenlaufwerken besteht, und läßt sich in Verbindung mit dem "Tandem-5175"-Neunspur-Magnetbandgerät in gemischter Konfiguration kombinieren. Die maximale Speicherkapazität formatierter Daten des 4500-Subsystems beträgt 37,7 GB.

Schon vor einem Jahr hatte die Gartner Group in einer Marktstudie prognostiziert, daß das Marktsegment für OLTP-Anwendungen eines der lohnendsten Objekte für DV-Unternehmen sein werde: Das Marktvolumen für OLTP-Hard- und Software werde - so die Vorausschau der Marktforscher - von 35 Milliarden Dollar für 1989 auf 72 Milliarden bis zum Jahr 1994 anwachsen.

Deshalb drängeln sich in diesem Marktsegment auch einige gewichtige Wettbewerber neben Tandem, die vorgeben, mit ihren fehlertoleranten Midrange-Systemen auf Unix-Basis den Vergleich mit Mainframes nicht scheuen zu müssen: Die kalifornische Firma Integrated Micro Products Inc. (IMP) aus Santa Cruz setzte Anfang 1990 gegen Tandems zum gleichen Zeitpunkt präsentiertes fehlertolerantes "Integrity-S2"-System ihr nach eigenen Worten wesentlich kostengünstigeres Unix-Modell "XR655" auf Basis der CICS-CPU 68030 von Motorola ein. Wie Tandem liebäugelt auch IMP mit den Marktbereichen Telecom, Verwaltung und Handel.

Systemanbieter Hewlett-Packard hingegen kaufte sich im Februar 1989 nicht nur mit einem zehnprozentigen Anteil in die Sequoia Systems Inc. ein, sondern lieh sich für ihre

"1240"-Rechner auch deren Technologie, die ebenfalls Motorola-68030-Prozessoren vertraut. Nach HP-Aussagen lassen sich ihre fehlertoleranten Unix-Systeme auf bis zu 64 CPUs ausbauen.

Auch Midrange-Spezialist Digital Equipment Corp. betrat Anfang 1990 mit ihren "VAXft-3000"-Systemen fehlertolanten Boden, wobei DEC vor allem auf seine große Basis installierter VAX-Systeme vertraut, da es sich bei ihren FT-Modellen im Prinzip um zwei Microvax-3800-Rechner handelt. Tandems Konkurrenzprodukt, die Integrity-Systeme, besitzen allerdings im Gegensatz zur VAXft-me für Tandem - die ihre Unix-FT-Rechner Integrity auch an AT&T und SNI als OEMs vertreibt - dürfte vor allem die Stratus Computer Inc. sein. Im Gegensatz zu Tandem scheint sich Stratus - zumindest momentan - auch gesunder Profite zu erfreuen. Während die Tandem Inc. im dritten Quartal 1991 Gewinnrückgänge hinnehmen mußte, verzeichnete Stratus für sein im gleichen Zeitraum gelegenes zweites Quartal einen 48prozentigen Profitsprung.

Auch Tandems Jahresergebnis 1991 war für President und CEO James Treybig eher ernüchternd: Während der Umsatz 1991 auf rund 1,922 Milliarden Dollar stieg (1990: rund 1,866), rutschten die Gewinne von knapp 122 Millionen auf etwa 36,2 Millionen Dollar ab. Die Anteile pro Aktie gingen um den gleichen Faktor (1,13 Dollar 1990, 33 Cents pro Aktie 1991) in den Keller. Beim Vergleich des vierten Quartals 1991 gegenüber dem letzten von 1990 war das Ergebnis noch verheerender: Hier mußte Tandem einen Pro-Aktie-Verlust von etwa 90 Prozent (3 Cent pro Aktie 1991 gegenüber 30 Cent 1990) ausweisen.

Stratus dürfte gegenüber Tandem darüber hinaus noch ein Plus haben: Die IBM, welche selbst keine FT-Rechner entwickelt, ist mit ihren "System/88"-Rechnern OEM-Kunde bei Stratus. Ein diesbezügliches Abkommen von 1985 wurde 1990 um weitere fünf Jahre verlängert. Daneben besteht ein OEM-Vertrag mit Olivetti, und Ex-Nokia-Aufkauf Ericsson - mittlerweile an ICL weitergereicht - hat im Frühjahr 1990 mit Stratus eine Zusammenarbeit vereinbart, derzufolge deren TMOS-Netzwerk-Betriebssystem mit den Stratus-XA2000-Rechnern im Telekommunikations-Bereich verkauft wird.

Andererseits konnte Tandem Ende des vergangenen Jahres auf ein zufriedenstellendes Neukundengeschäft beispielsweise mit VW, Siemens, EDS und BMW verweisen.

Anläßlich der Präsentation ihrer fehlertoleranten Systemreihe "XA2000 Continous Processing" im Frühling 1990 verwies der Deutschland-Geschäftsführer von Stratus, Alwin Schmacher, außerdem auf Applikations-Testläufe mit dem Top-Modell "2860", bei dem bis zu 883 Transaktionen pro Sekunde verwirklicht worden sein sollen - ein Ergebnis, mit dem Stratus auch den Tandem-Rechnern eine harte Nuß zu knacken gibt.