Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.04.1978

Tarifpartner in der Druckindustrie über Anwendung computergesteuerter Textsysteme einig:Bildschirmarbeit erstmals vertraglich geregelt

MÜNCHEN (de) - Ob man dieses Papier nun befürwortet oder ablehnt: Seit dem 20. März 1978 gibt es den Tarifvertrag "Neue Technik", der die Arbeit von Schriftsetzern und Redakteuren an "rechnergesteuerten Textsystemen" regelt (CW Nr.13 vom 28 März 1978 , Seite 32: "Computerkrieg der Druckbranche endet mit Kompromiß"). Erstmals wurde damit festgeschrieben, unter welchen Bedingungen die Arbeit an Bildschirmen "zumutbar ist". Das könnte Signalwirkung haben. Hier der Wortlaut der Paragraphen 12 bis 15 des Tarifvertrages, die "Unterbrechungen" und "Arbeitsplatz-Gestaltung" festlegen.

° 12

Ärztliche Untersuchung

1. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Mitarbeiter, die mit Bildschirmgeräten arbeiten sollen, vor der Aufnahme einer solchen Tätigkeit augenärztlich - und, wenn sie dies wünschen, auch anderweitig medizinisch - auf ihre Eignung untersuchen zu lassen.

2. Diese Untersuchung wird, soweit vorhanden, vom betriebsärztlichen Dienst vorgenommen oder von ihm veranlaßt.

3. Die augenärztliche Untersuchung wird mit jährlichem Abstand durchgeführt, es sei denn, daß bei der jeweils vorhergehenden Untersuchung vom Arzt ein anderer Zeitraum festgelegt worden ist.

4. Soweit es betriebsärztlich oder augenärztlich für erforderlich gehalten wird, Belastungen der Augen festzustellen, werden mit den augenärztlichen Untersuchungen auch Sehtests am Arbeitsplatz während eines normalen Arbeitstages verbunden.

Die Kosten der Untersuchungen trägt der Arbeitgeber.

° 13

Unterbrechung der Arbeit an Bildschirmgeräten1)

Bis zum Vorliegen entsprechender arbeitsmedizinischer Erkenntnisse wird vereinbart:

1. Bei Tätigkeiten, die überwiegenden Blick-Kontakt zum Bildschirm von mehr als 4 Stunden zusammenhängend erfordern, muß vorbehaltlich der Abs. 3 zur Entlastung der Augen entweder jede Stunde Gelegenheit zu einer fünfminütigen oder alle zwei Stunden zu einer fünfzehnminütigen Unterbrechung dieser Tätigkeit bestehen. Ein Zusammenziehen dieser Unterbrechungszeiten ist nicht zulässig.

2. Für Bildschirmkorrektur im Sinne des ° 2 Abs. 1 d gilt die Unterbrechungsregelung gemäß Abs. 1 auch dann, wenn die nach Abs. 1 erforderlichen 4 Stunden nicht erreicht werden.

3. Die Unterbrechung der Tätigkeit nach Abs. 1 kann auch durch eine Steuerung des Arbeitsablaufes geschehen. Sie gilt auch durch bestehende oder praktizierte Pausen als abgegolten.

4. Wenn Regelungen im Sinne der Absätze 1 und 2 aus arbeitsorganisatorischen Gründen nicht möglich sind, darf die Arbeit mit überwiegendem Blick-Kontakt zum Bildschirm 6 Stunden täglich innerhalb der regelmäßigen betrieblichen Arbeitszeit nicht überschreiten.

5. Die vereinbarte tägliche Arbeitszeit wird durch die Regelung gemäß Absätze 1 bis 3 nicht berührt.

° 14

Gestaltung der Arbeitsplätze

1. Bei der Einführung des rechnergesteuerten Textsystems sind die Vorschriften der ° 90, .91 BetrVG zu beachten. Dies gilt auch für Unternehmen, auf die ° 118 BetrVG Anwendung findet.

2. Die Tarifvertragsparteien werden darauf hinwirken, daß die zuständigen Behörden und Institutionen, insbesondere. Berufsgenossenschaften und DlN-Ausschüsse, Mindestnormen für die Beschaffenheit der elektronischen Geräte sowie für die Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsumgebung erarbeiten.

3. Solange Mindestnormen gem. Abs. 2 nicht verabschiedet sind, gelten im Rahmen der technischen Möglichkeiten die folgenden Regelungen:

a) Helligkeit: Der Helligkeitskontrast des Bildschirms muß einstellbar sein.

b) Lesbarkeit: Die Zeichen müssen durch Größe, Abstand und Ausformung ein müheloses Ablesen bei normaler Arbeitsentfernung ermöglichen.

c) Flimmern: Ein Flimmern der Zeichen auf dem Bildschirm ist zu vermeiden.

d) Raumbeleuchtung: Sie ist so zu wählen, daß eine unbehinderte Lesbarkeit von Bildschirmanzeige und Arbeitsunterlagen gewährleistet Ist.

e) Blendfreiheit: Das Bildschirmgerät ist so aufzustellen, daß Spiegelungen und Blendungen auf dem Bildschirm vermieden werden.

f) Die Strahlenschutzsicherheit ist entsprechend den einschlägigen VDE-DIN-Normen durch regelmäßige Überprüfungen zu gewährleisten.

4. Die Eingabegeräte des rechnergesteuerten Textsystems werden nicht als Hilfsmittel zur individuellen Leistungskontrolle eingesetzt. Davon kann durch Betriebsvereinbarungen abgewichen werden. Dabei sind bestehende tarifliche Normen zu beachten.

° 15

Arbeit in der Redaktion

1. Die Einführung rechnergesteuerter Textsysteme sowie deren Programmierung darf die journalistische Arbeit, insbesondere die inhaltliche und grafische Gestaltungsmöglichkeit der Redaktion nicht beeinträchtigen. Dieser Grundsatz muß in allen Stadien der Planung, Einführung und Anwendung des Systems befolgt werden. Die Wahrung des Redaktionsgeheimnisses muß sichergestellt werden.

2. Die Arbeit mit Bildschirmgeräten darf von Redakteuren nur zum Lesen und Redigieren verlangt werden. Die Eingabe eigener Texte kann von ihnen nur insoweit ,verlangt werden,. als es sich um deren erstmalige Niederschrift handelt und eine entsprechen Tätigkeit vor Einführung des rechnergestuerten Textsytems redaktionsüblich war. Die Eingabe fremder Texte darf von Redakteuren nicht verlangt werden. Die Arbeitsplatzsicherung nach °2 darf durch die vorstehende Regelung nicht eingeschränkt werden.

3. Bei Einführung eines rechnergesteuerten Textsystems kann der einzelne Redakteur die Arbeit mit dem Bildschirmgerät ablehnen, wenn diese Arbeit für ihn unzumutbar wäre. Die Geltendmachung der Unzumutbarkeit und die Stellungnahme des Verlags bedürfen der Schriftform.

4. Bildschirmgeräte werden nicht als Hilfsmittel zur individuellen Leistungsbeurteilung von Redakteuren eingesetzt.

- Protokollnotiz: Die vertragschließenden Parteien sind sich darüber einig : Sobald entsprechende arbeitsmedizinische Erkenntnisse vorliegen, werden die vertragschließenden Parteien unabhängig von der Laufzeit dieses Vertrages zu diesem Punkt neue Verhandlungen aufnehmen.