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17.07.1992 - 

Telekom kassiert im Nahbereich kräftig ab

Tarifreform brüskiert regionale DV-Anwender

"Viele Anwender wissen noch gar nicht, was da auf sie zukommt", orakelt Erwin Schäfer, Geschäftsführer des privaten Carriers Meganet und Vorstandsvorsitzender der Anwendervereinigung Deutsche Telecom e.V. Schäfer meint die neuen Gebühren der Telekom, die am 1. August 1992 in Kraft treten und das bisherige Tarifgefüge für Datendirekt- und Festverbindungen völlig über den Haufen werfen. Was die Telekom so beiläufig in ihrem Amtsblatt Nr. 15 vom 27. Mai 1992 veröffentlicht hat, birgt tatsächlich Sprengstoff und schlägt insbesondere bei regional operierenden Kunden mit zahlreichen kurzen Anschlußleitungen wie eine Bombe ein. Der Grund: Die Telekom kassiert künftig im Nahbereich kräftig ab, während die Gebühren mit zunehmender Leitungslänge deutlich abnehmen.

Entsetzen herrscht bei allen TK-Anwendern, die überwiegend im Nahbereich Verbindungen bei der Telekom angemietet haben. Einer von ihnen ist Ewald Tünte von der Buchungszentrale der westfälisch-lippischen Sparkassen GmbH. Der Leiter der Abteilung System Service hat für das Primärnetz der Organisation, das 96 Sparkassen mit dem Rechenzentrum verbindet und gegenwärtig 3,091 Millionen Mark TK-Gebühren im Jahr verschlingt, eine Kostensteigerung von rund zehn Prozent hochgerechnet.

Weit schlimmer trifft die Tarifreform die Westfalen jedoch im Bereich ihres Sekundärnetzes, das sämtliche lokalen Netzwerke der 96 Sparkassen zusammenfaßt. Würde die Sparkassen GmbH die momentane Leitungsstruktur beibehalten, ergäbe sich nach Angaben von Tünte ein Mehraufwand von rund acht Millionen Mark, das entspricht einer Steigerung von 98,9 Prozent.

Empörung über den "Gebührenwucher der Telekom im Nahbereich" auch in der Zentrale der WestLB in Düsseldorf. Eine Belastung von zusätzlichen rund fünf Millionen Mark für das TK-Budget 1993 hat Horst Schäfers, Leiter des Bereiches Kommunikationstechnik, bei seiner Kalkulation ermittelt. Doch in diesem Fall hat die Telekom ihre Tarifrechnung ohne den TK-Experten gemacht. Schäfers handelte sofort. Er kündigte bei der Telekom kurzerhand zum 1. August 1992 die gesamten Leitungen für das Ortsnetz Düsseldorf und beantragte die Umstellung auf Monopolleitungen.

Stichwort Monopolleitung: Ab August differenziert die Telekom in ihrem Angebot zwischen Monopol und Wettbewerbsleistungen. Sie wird damit einer Vorgabe des Poststrukturgesetzes gerecht, das für Wettbewerber der Telekom ein faires, wettbewerbsförderndes Tarifangebot verlangt.

Monopolleistungen unterscheiden sich von den Wettbewerbsleistungen der Telekom dadurch, daß es sich nur um die reinen Leitungen mit elektrischen Schnittstellen handelt, der Anwender also keinen Mehrwert in Form von Datenschnittstellen, Endgeräten sowie Ersatzschaltungen geliefert bekommt. Damit soll den Wettbewerbern der Telekom die Möglichkeit eingeräumt werden, diesen Freiraum selbst mit Value Added Services auszugestalten.

Da das Angebot der Monopolleistungen nicht nur auf die privaten Wettbewerber der Telekom beschränkt ist, sondern allen Kunden offensteht, sucht Schäfers sein Heil nun in diesem "Billigangebot". Neben der Beantragung eben solcher Monopolleitungen bei der Telekom machte der Kommunikationsspezialist weiter Nägel mit Köpfen: Schäfers orderte für eine Million Mark Modems, um die Datenendeinrichtungen, die die Telekom nun abmontieren muß, durch eigenes Equipment ersetzen zu können. Wirtschaftlich sei das zwar, so Schäfers, sowohl für die Telekom als auch deren Kunden ein Wahnsinn, aber nur so könne die WestLB die Kostenerhöhung im Datenbereich abfangen.

Zwei Rechenexempel für den Nahbereich: Bezahlte der Kunde bisher für eine 64-Kbit-Festverbindung in der Ortszone 1 eine monatliche Gebühr von 420 Mark, so kostet ihn die Monopolleitung (Gruppe 0 Typ 4) ab August 471 Mark, die Wettbewerbsleistung - also die sogenannte Datendirektverbindung - 533 Mark.

Für eine 2,048-Mbit-Leitung (Gruppe 0 Typ 7) müssen in der Ortszone 1 künftig als Monopolangebot 2950 Mark statt wie bisher 2200 Mark für eine 1,92-Mbit-Leitung an die Telekom überwiesen werden. Ein Vergleich mit einer 1,92-Mbit-Leitung im Monopolbereich ist nicht möglich, da die Telekom diesen Typ nicht mehr im Angebot hat. Die Ursache: Der Netzbetreiber nutzte einen Kanal der 2,048-Mbit-Leitung zur Überwachung und zum Management der Strecke. Da dieser Service im Monopol nicht mehr geleistet wird, steht dem Kunden die volle Übertragungsrate von 2,048 Mbit zur Verfügung.

Eine Datendirektverbindung mit 1,92 Mbit/s (Wettbewerbsleistung) kostet in der Ortszone 1 ab August 3350 Mark (vgl. Tabelle).

Des einen Leid, des anderen Freud. Während sich Schäfers und Tünte über die neue Tarifstruktur ärgern, profitieren Telekom-Kunden mit Leitungen überwiegend in der Fernebene von dem jüngsten Tarifwerk. Eine Einsparung von 40000 Mark bei monatlichen TK-Kosten von 220000 Mark allein für Datenleitungen hat Dieter Hoss, Leiter Einkauf und kaufmännische, Auftragsabwicklung der DVO, einem bundesweiten Anbieter von Dienstleistungen im Bereich kommerzieller Software, errechnet.

Tarifbeispiele für den Fernbereich: Für die oben bereits erwähnte 64-Kbit-Monopolleitung (Gruppe 0 Typ 4) entfällt die bislang übliche Ortszone 2. Statt dessen berechnet die Telekom für eine Leitung unter 15 Kilometern künftig einen Sockelbetrag von 471 Mark plus 73,90 Mark pro Kilometer. 50 Kilometer werden mit 2853,50 Mark, 150 Kilometer mit 3473,50 Mark tarifiert. Für eine Wettbewerbsverbindung dieser Art mit Ersatzschaltung stellt die Telekom dem Anwender für 15 Kilometer 2377,50 Mark, für 50 Kilometer 5643 Mark sowie für 150 Kilometer 7443 Mark in Rechnung (vgl. Tabelle).

Ein Anwender, der eine 64-Kbit-Monopolleitung anmietet, zahlt künftig für 50 Kilometer also 2853,50 Mark statt wie bisher 6600 Mark, die Wettbewerbsleitung mit Ersatzschaltung kostet ihn 5643 Mark. Mit zunehmender Entfernung klafft diese Preisschere zwischen den alten und neuen Tarifen weiter auseinander, zum Vorteil der Anwender mit überregionalen Schaltungen.

Ein Einsparungspotential von etwa zehn Prozent erwartet zum Beispiel Joachim Ehrhardt, für den Bereich Technical Services der Rechenzentren und des Kommunikationsnetzes der EDS Electronic Data Systems GmbH in Deutschland und Südeuropa zuständig, allein durch die Neustrukturierung der Tarife zum 1. August 1992. Ehrhardt geht darüber hinaus davon aus, daß die Kurve der Gebührenkosten für sein Unternehmen weiter nach unten verläuft, wenn ab 1. Januar 1993 in drei Schritten bis zum 1. Januar 1995 die Tarife im Fernbereich kontinuierlich gesenkt werden.

Unabhängig davon hat die Telekom vom Bundesministerium für Post und Telekommunikation den Auftrag erhalten, ab dem 1. Januar 1993 eine "Tarifniveaureform" durchzuführen. Ziel dieser Maßnahme ist, die Gebühren des deutschen Carriers auf ein kostengerechtes und international konkurrenzfähiges Niveau zu senken. Die Tarifniveaureform steht aber nur indirekt im Zusammenhang mit der "Tarifstrukturreform", deren Ergebnis die Formel "Gebühren im Nahbereich hoch, im Fernbereich runter" ist.

Bisher lagen nämlich die Preise, die von der Telekom für den Nahbereich erhoben wurden, im internationalen Vergleich am unteren Level, während die Gebühren im Fernbereich deutlich überzogen waren. Mit der Tarifstrukturreform hat nun laut Telekom und Ministerium eine erste kostenorientierte und deckende Anpassung an das internationale Preisgefüge stattgefunden.

Viele Anwender stellen sich jedoch die Frage: Warum paßt die Telekom ihre Tarife nicht sofort in einem Schritt dem internationalen Niveau an? Die Antwort: Das Ministerium billigt der Telekom wegen ihrer angespannten Finanzlage aufgrund des Aufbaus der TK-Infrastruktur im Osten zunächst im internationalen Vergleich überteuerte Tarife zu, forderte vom Telekom-Vorstand aber auch, die zum 1. August 1992 in Kraft tretenden Gebühren so zu kalkulieren, daß sich daraus ein "Nullsummenspiel" ergibt. Im Klartext heißt das: Die Telekom darf zwischen dem 1. August 1992 und dem 1. Januar 1993 durch die mit der Strukturreform bewirkte Tarifumwandlung nicht mehr einnehmen als bisher.

Dieses zur Einnahmesicherung der Telekom und vermutlich zur Beruhigung der Anwender verordnete Nullsummenspiel ruft jedoch bei den Kunden nicht die gewünschte Wirkung hervor. "Ich nehme der Telekom die Einnahmeneutralität nicht ab", zweifelt Schäfers die Maßnahme Nullsummenspiel an und ist von Mehreinnahmen der Telekom überzeugt. Der TK-Spezialist weiter: "Die können dem Anwender viel erzählen, solange sie ihre Kostenrechnung nicht offenlegen müssen."

Eine Aushöhlung des Wirtschaftsstandortes Bundesrepublik durch die überkommene Argumentation der Fernmelderegulierung befürchtet gar Leif Glanert, wenn es der Telekom nicht gelingt, die Telekommunikation durch geeignete marktwirtschaftliche Methoden besser in die Wertschöpfungkette von Unternehmen zu integrieren. Das Mitglied des Vorstandes der Deutschen Telecom e.V hält die Genehmigung höherer Gebühren durch das Ministerium wegen der Infrastrukturverpflichtung der Telekom schon vom Ansatz her für falsch. Das De-facto-Monopol sei vielmehr ein Infrastrukturvorteil, weil die Telekom schon überall Kabel liegen habe.

"Tragisch an dieser Tarifstrukturreform ist, daß es keinen Boom und keine Marktausweitung geben wird", kritisiert Glanert die jüngste Regelung als marktpolitische Fehlentscheidung. Noch deutlicher wird Schäfers: "Die Telekom hat von Marktgesetzen überhaupt keine Ahnung",

wettert er und wirft dem Bonner Netzbetreiber vor, nicht einsehen zu wollen, daß attraktive Gebühren automatisch zu mehr Konsum führen - eine Ansicht, die viele Anwender teilen.

Der Netzadministrator der WestLB bezweifelt dabei keineswegs die Richtigkeit der Grundidee, die Gebühren im Nahbereich zu erhöhen und im Fernbereich zu senken. Für Schäfers ist es jedoch eine "himmelschreiende Ungerechtigkeit" gegenüber den regionalen Unternehmen, die Preise im Ortsbereich mit einem Schlag auf internationales Niveau anzuheben, während im Fernbereich nur schrittweise um rund 15 Prozent pro Jahr reduziert wird.

"Die Verdoppelung der Gebühren für 64-Kbit-Anschlußleitungen im Nahbereich ist schon ein dicker Brocken", moniert Jürgen Melzer, Bereichsleiter Netzwerk Service der Info AG, die Härte der Tarifstrukturreform und meint, die Telekom habe in diesem Fall zu kräftig zugeschlagen. Ein Ende der Fahnenstange scheint jedoch noch nicht in Sicht. Die meisten Telekom-Kunden haben sich bereits auf eine weitere Erhöhung der Leitungskosten im Ortsbereich zum 1. Januar 1993 eingestellt und liegen mit dieser Befürchtung, soweit die Pläne der Telekom heute schon publik sind, keineswegs falsch.

In puncto Planungssicherheit fühlen sich die Kunden von der Telekom jedenfalls im Stich gelassen. "Die Informationspolitik der Telekom, die sich wie ein frühkapitalistischer Monopolist, gebärdet, bringt uns in Rage ärgert sich Bernd Jacke, Geschäftsführer des Rhein-Main Rechenzentrums, über die späte Bekanntgabe der neuen Tarife. Er formuliert damit einen Kritikpunkt, der allen Telekom-Kunden - egal, ob sie von der Reform profitieren oder nicht am Herzen liegt. Die Telekommunikationsverordnung berechtigt den Carrier nämlich, Gebühren erst zwei Monate vor Inkrafttreten bekanntzugeben.

Es sei ein Unding, im Umgang mit dem Kunden Datailinformationen so spät zu veröffentlichen, beanstandet Glanert das Procedere. Tatsächlich bleibt dem Anwender durch diese kurzfristige Informationspolitik kaum Spielraum, um im Nahbereich auf die Kostenerhöhung zu reagieren. "Die Telekom hat in Sachen Planungssicherheit wieder einmal einen kapitalen Bock geschossen", kommentiert Melzer die Situation sarkastisch. Noch weitaus grotesker empfindet der Manager der Info AG jedoch die Tatsache, daß die Telekom zwar ihre Tarife publiziert, aber voraussichtlich erst Mitte Juli den Anwendern eine genaue Leistungsbeschreibung

der jeweiligen Verbindungstypen vorlegen kann. Der Versuch Melzers, bei der Telekom kurzfristig 64-Kbit-Monopolleitungen zu beantragen, verlief bisher im Sande.

Dabei zeigt das Ministerium als Regulierer der Telekom durchaus guten Willen, den Anwendern eine gewisse Planungssicherheit zu garantieren. Minister Christian Schwarz-Schilling ließ in seiner Behörde anhand des OECD-Bündels - einem "Warenkorb" von Mietleitungen einer bestimmten Übertragungsleistung mit unterschiedlichen Längen - ein Tarifniveau für den internationalen Vergleich errechnen, das der Telekom bei der schrittweisen Absenkung der Preise bis zum 1. Januar 1995 als Orientierungshilfe dienen soll.

Das Bündel gibt zum Beispiel bei 1,984-Mbit-Leitungen eine Senkung von 768 Mark pro Monat und Kilometer auf 241 Mark ab dem 1. August 1992 vor. Bis zum 1. Januar 1995 hat eine stufenweise Reduzierung jeweils zu Jahresbeginn auf eine Tarifobergrenze von 155 Mark und eine Untergrenze von 85 Mark zu erfolgen, in deren Rahmen die Telekom ein Rabattsystem einzufahren hat. Der Haken an der Sache: Die internationalen Konkurrenten France Telecom, British Telecom, Mercury und South Bell liegen mit ihrem Durchschnittswert bereits heute unter 100 Mark - mit sinkender Tendenz.

Das Tarifsystem orientiert sich laut Bernhard Kuhrmeyer, Leiter des Referats Tarifregulierung im Ministerium, nicht am OECD-Bündel, sondern rein an der Kostenstruktur der Telekom. Das OECD-Bündel liefert, so der Referatsleiter, lediglich eine Kennzahl, um das Tarifsystem zu bewerten. Geht es nach dem Willen und der Planung des Ministeriums, das heißt, Senkung der Tarife, dann müßte für die Telekom nach dem 1. Januar 1993 Kuhrmeyer zufolge bei statischer Betrachtung kein Nullsummenspiel mehr, sondern eine Negativsumme unter dem Strich herauskommen.

Einahmeeinbußen wird die Telekom nach Ansicht des TK-Experten der Sparkassen GmbH Tünte nur dann verhindern können, wenn sie ihre marktwirtschaftlich atypische Politik, nämlich die Anwender in ihrem Benutzerverhalten über die Kosten zu steuern, endlich aufgibt. "Der Markt ist heute bereits global und nimmt keine Rücksicht auf Legislaturperioden und öffentliches Dienstrecht in Deutschland", warnt auch Glanert die Telekom, weiterhin international gegen den Strom zu schwimmen.

DV-Experte Tünte will sich jedenfalls in seinem Benutzerverhalten so wenig wie möglich von der Telekom steuern lassen. Er hofft, durch die Schaltung analoger Gruppe-0-Verbindungen im Rahmen der Monopolleistungen der Telekom ein Schnippchen schlagen zu können. Zum einen beabsichtigt der Netz-Manager, dadurch Kosten zu drosseln, zum anderen spekuliert er darauf, über analoge Leitungen die niedrigen Geschwindigkeiten 9,6 Kbit und 64 Kbit durch die Nutzung von Basisband-Endgeräten realisieren zu können. Tünte spricht damit eine Thema an, das derzeit in der Gebührendiskussion zwischen Telekom und Anwendern für weiteren Konfliktstoff sorgt.

Die Telekom hat Anfang der 80er Jahre quasi ihrer Fernmeldehoheit die Nutzung der analogen Technik auf Festverbindungen, untersagt und statt dessen ein allgemeines Festverbindungsnetz, das Integrierte Datennetz IDN, installiert. In diesem Netz operiert die Telekom mit der auf dem Gleichstromverfahren basierenden Basisband-Technologie, während sie den Kunden das analoge Modulations-Verfahren vorschreibt. Im Sprachjargon der Telekom und des Ministeriums wird dieses Sondernutzungsrecht der Telekom als nicht tarifierte Leistung definiert.

"Das ist ein Privileg der Telekom, das zur Wettbewerbeverzerrung beiträgt, beklagt Meganet-Geschäftsführer Schäfer die Ausnahmeregelung. Der Vorteil für die Telekom: Sie kann laut Tünte durch das Basisband-Verfahren bis zu 64 Kbits auf den Kupferleitungen realisieren, während das analoge Modulations-Verfahren gegenwärtig nur 19,2 Kbit und in Zukunft maximal 24 Kbit leistet. Wenn wir wie die Telekom Basisband. Geräte einsetzen dürften, wäre die Tariferhöhung im Nahbereich für uns akzeptabel", bedauert Schäfer den Nachteil, dessen unternehmen jetzt monatlich 250000 Mark mehr TK-Gebühren zahlen muß.

Schäfer und Tünte fordern deshalb von der Telekom die Freigabe der Basisband-Nutzung für alle Anwender. Die Argumentation der Telekom, das Basisband-Verfahren führe zu Cross-Talking-Problemen und zur Störung von Nachbaradern will Tünte nicht gelten lassen.

Die Telekom habe dann in den vergangenen zehn Jahren grob fahrlässig gehandelt, versucht er die Einwände der Telekom zu entkräften.

Die Aussichten indes sind schlecht, Anzeichen für eine Freigabe nicht in Sicht. In Sicht könnte jedoch weiterer Ärger und Verunsicherung für die TK-Administratoren hierzulande kommen: Bei der Telekom wird nämlich schon über eine deutliche Kostenerhöhung für die Monopolleistungen laut nachgedacht. Von der beabsichtigten Planungssicherheit für den Anwender also wieder einmal keine Spur. Für Sparkassen-Mann Tünte liegt der Grund klar auf der Hand: "Die Berater der Telekom scheuen die Monopolleistungen wie der Teufel das Weihwasser."