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20.06.1997 - 

IT in Banken/Auf 55 Millionen Bankkunden wartet ein neuer Chip

Tausendsassa Geldkarte kämpft mit Akzeptanzproblemen

Die Zulassung für die diverse chipfähige Hardware erhielten inzwischen die einschlägigen Unternehmen. Zur Zeit wartet die Hannoveraner Höft & Wessel GmbH auf die Zertifizierung ihrer "Online-Taschenkasse", eines mobilen Terminals, mit dem sowohl Chip- als auch Magnetkarten lesbar sind. Eine Lösung, die sich für den Markthändler wie den Fahrkartenkontrolleur anbietet. Die Software läßt sich kundenspezifisch modifizieren, so daß der Händler beispielsweise Kundenrabatte vergeben kann. Für den Kunden bringt "Verifone" im Herbst einen mobilen "Geldausgabeautomaten" für etwa 100 Mark heraus. Damit soll jede in Umlauf befindliche Chip- wie Geldkarte, "Visacash", "Paycard" etc., lesbar sein. Per Telefon wird der Zugriff auf die bei Bank oder Kartenaussteller deponierten Daten ermöglicht.

Mit 15,6 Millionen ausgegebenen Karten ist die Sparkassenorganisation momentan deutscher Meister im Verteilen von Geldchips. An rund 9000 Bankterminals lassen sie sich nachladen. Der Handel macht dort, wo keine Bank das Lesegerät fördert, nur zögerlich mit, da die Kosten zu hoch seien. Die an das Geldinstitut abzuführende Gebühr beläuft sich auf 0,3 Prozent der Verkaufssumme, mindestens aber zwei Pfennige. Monatliche Miete und Wartung eines Lesegeräts, das nur den Chip - jedoch keine Kreditkarte oder andere Formen elektronischen Bezahlens (E-Cash) - akzeptiert, machen etwa 300 Mark aus, ein Multicard-fähiges Modell kostet entsprechend mehr. Und damit ist noch keine Anbindung an die Kasse etc. integriert.

In München, wo neben der Stadtsparkasse auch die Raiffeisenbank für den Geldchip auf jeder EC-Karte sorgte, sympathisiert nur einer von knapp 1000 Friseuren - und nicht etwa der teuerste - mit dem Chip, von etwa 3600 Gastwirten akzeptieren nur acht die Karte. Vielleicht fürchten die Betreiber in diesen Branchen, auf Trinkgelder verzichten zu müssen. Fast alle 1300 Taxifahrer Frankfurts haben dagegen seit letztem Jahr ein Akzeptanzterminal. Die Münchner Kunden einer in Frankfurt ansässigen Großbank müssen jedoch immer noch mit Kleingeld bezahlen, da die meisten noch auf ihren Chip warten.

Die Stadtsparkasse München führt eine Adreßliste der Geschäfte mit Geldkartenlesegerät. Die Liste bekommt jeder - ob Kunde oder nicht. Sollte sich das bei den Kunden der Raiffeisenbank herumsprechen, könnte dieser Service mit einem Wechsel zur Konkurrenz belohnt werden. Die Frage bleibt, warum die Institute in puncto Marketing nicht die Erfahrungen des Pilotprojekts Ravensburg-Weingarten (siehe CW Nr. 29 vom 19. Juli 1996, Seite 39) nutzen, bei dem über 400 Händler mitmachten. Schließlich sind sie die Gewinner des Systems, nicht die Händler. Mitte Mai hatten erst rund 80 Münchner Geschäfte ein Terminal, in Hannover sind es mehr als dreimal so viele, selbst der Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel ist dort integriert.

Vergeblich sucht man in Lebensmittelketten nach der Chipkasse. Bei nachlassendem Umsatz und einem Gewinn vor Steuern von durchschnittlich einem Prozent ist die Abgabe an die Bank schlicht zu hoch. Nach einer Untersuchung des Handelskonzerns Rewe kostet die Zahlung per Geldkarte den Händler zwei Drittel mehr als die Barzahlung. In Hannover hat sich immerhin die Metro AG mit Kaufhof, Kaufhalle und Horten für die Chipkasse entschieden.

Aber auch hier schläft die Konkurrenz nicht. Newcomer sind die "Paycard" von Telekom und Bahn, eine P-Card für den Handel und "Visacash" von Visa. Die Händler signalisieren vermutlich erst dann Interesse, wenn das Lesegerät jede Karte akzeptiert und die Handling-Kosten zu Einsparungen führen.

Oliver Grün, zuständig für die Vermarktung der Geldkarte der Deutschen Bank, sieht die breiteste Basis bei öffentlichen Einrichtungen und Kommunen, "da sie die meisten Automaten haben". Die Stadt Braunschweig ist zum Beispiel mit ihren Parkscheinautomaten bereits auf den Zug aufgesprungen. Ob jedoch Zigaretten, Schokoriegel, Cola und Kondome schon bald per Chip zu ziehen sind, ist zweifelhaft. Vielleicht erfolgt dies im Zuge der Umstellung auf den Euro, der die Aufsteller nach Schätzungen des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie rund eine Milliarde Mark kosten wird. Oder man übernimmt die Strategie der Telekom: Zuerst wollte niemand das Plastikgeld, dann verschwanden Zug um Zug die Münztelefone. Im letzten Jahr setzte die Telekom 80 Millionen Telefonkarten ab.

Erste Anwendungen gelten noch als "Wunder"

Zu Beginn dieses Jahres ließ eine Meldung der Volksbank Stormarn aufhorchen, wonach sie "das Wunder" der "einzigen Plastikkarte der Welt mit allen drei gängigen Speichermedien" - Magnetstreifen, kontaktbehafteter und kontaktfreier Chip - "auf den Weg gebracht" habe. Die Airplus-Kunden der Deutschen Lufthansa können seit über einem Jahr einen Chip zum Telefonieren vom eigenen Konto ausnutzen, genauso den Magnetstreifen, die Hochprägung für Kreditkartenzahlungen und den kontaktfreien Chip für das Fliegen ohne Ticket. Eine Karte mit zweifachem Chip, allerdings ohne Kreditkartenfunktion, bietet die Insel Norderney. Die Hybridkarte dient als Fährticket und ermöglicht den "kontaktfreien" Zugang zur Insel, fungiert als Fahrschein im Inselbus, bucht die Kurtaxe ab und ist auch als Geldkarte im Handel gern gesehen. Wer sie nach dem Urlaub nicht behalten will, erhält die als Pfand eingesetzten zehn Mark zurück. Bis zu 16mal wird die anonyme Karte wieder eingesetzt.

Weitere Anwendungen für den Mikroprozessor in der Plastikkarte sind längst möglich. Das wollen einige Banken für das Internet-Banking nutzen. Bisher wickeln etwa 1200 Banken über T-Online als Transporteur Teile des Geschäftsverkehrs mit Kunden ab. Inzwischen hat sich das System bewährt - auch wenn es geschlossen ist und nur für wenige Geschäftsabläufe in Frage kommt. Das Verfahren mit persönlicher Identifizierungs- beziehungsweise Transaktionsnummer (PIN/TAN) für jede Aktion entspricht zwar dem internationalen Cept-Standard, ist aber in der Praxis immer noch sehr aufwendig.

Als eines der ersten Geldinstitute ging die Deutsche Bank ins Internet. Sogenannte Direktbanken, meist Töchter von Großbanken, folgten. Doch wieder waren es die Sparkassen, die auf Ablösung des umständlichen PIN/TAN-Verfahrens drängten. Im November 1996 legte das ZKA für alle Banken den von den Sparkassen entwickelten, Ende 1997 verbindlich werdenden Home-Banking-Computer-Interface-(HBCI-)Standard vor. Er wird quasi der Bank vorgeschaltet. Für den Home-Banker ist es dabei gleichgültig, über welches Betriebssystem und welchen Internet-Provider er sich zu welcher Bank begibt. Voraussetzung ist ein 486er oder leistungsstärkerer Rechner und ein Java-fähiger Browser, zum Beispiel Netscape ab Version 2.02. Das erste Kreditinstitut, das sich auf der Düsseldorfer Internet World im November letzten Jahres rühmte, den HBCI-Standard integriert zu haben, war die Raiffeisen-Volksbank Mainz. Die vorgelegte Lösung ist für Sebastian Garbe vom ZKA allerdings noch unausgereift, da die notwendigen Systeme gegenwärtig nicht verfügbar seien. Im übrigen habe auch das Kartellamt noch ein Wörtchen mitzureden. Weitere Spezifikationen seien für Mitte des Jahres mit der Version 2.0 zu erwarten.

Software-Entwickler wittern dennoch bereits das große Geschäft. "Wir haben Anfragen im dreistelligen Bereich", so Garbe. Einer der Interessenten ist die Münchner Data Design. Mit dem "Transaction Banking Server" hofft das Unternehmen, die Banker nicht nur für das Geschäft via Internet, sondern vor allem via Fernseher mit D-Box und Smartphone zu erwärmen. Den größten Nachteil des HBCI-Standards sieht Vertriebsleiter Marco Thymian in der Tatsache, daß er "nicht europaweit gilt". Auch mit Blick auf den Euro ist Skepsis angebracht. Und last, but not least stehen mehr als 4000 Banken in etwa 110 Ländern schon lange elektronisch über das Swift-System in geschäftlichem Kontakt miteinander. Thilo Kaffenberger, Leiter des Center of Excellence for Electronic Banking der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI), die ihr Standardprodukt "Elba" um den HBCI-Standard erweiterte, beschreibt die "Begeisterung" bei den Bankern als "mäßig". Druck machen auch die beiden größten Player am Markt, Microsoft mit OFC und Intuit mit "Open Exchange". Sie kämpfen zur Zeit um die Vormachtstellung im Bereich Home-Banking mit internationaler Anwendung.

Die Smart-Card gilt als "the real story"

Basierend auf dem amerikanischen Secure-Electronic-Transactions-(SET-)Standard für Transaktionen im Internet per Kreditkarte entwickelte Brokat Informationssysteme in Kooperation mit Giesecke & Devrient ein modulares Online-Zahlungssystem, das unter anderem Geschäfte über die Geldkarte ermöglicht.

Wer auch immer das Rennen macht, der Chip bleibt im Spiel. Will ein Home-Banker an sein Konto, muß er eine Verbindung zu seiner Bank herstellen. Das ist mittels persönlicher Diskette möglich, wie beispielsweise bei der Mainzer RVB. Scott McNealy, President von Sun Microsystems, bezeichnet jedoch die "Smart-Card" als "the real story". Die Sparkassen zum Beispiel setzen auf die Chipkarte, die Funktionen zum Speichern veränderlicher Daten enthält. Bei der Deutschen Bank ist aus der Presseabteilung von Klaus Thoma nur soviel zu erfahren, daß die Entscheidung zwischen Diskette und Karte noch nicht gefallen sei.

Um die Karte am PC einzusetzen, bietet SNI einen Rechner, Giesecke & Devrient eine Tastatur mit Schlitz. Die pragmatischste Lösung legt die Security GmbH vor: Davon ausgehend, daß jeder PC ein Diskettenlaufwerk hat, wird die Karte in eine entsprechend gestaltete 3,5-Zoll-Diskette eingeschoben, diese wiederum in das vorhandene Laufwerk.

Die erste Patentanmeldung zum Thema Chipkarte reichte Giesecke & Devrient vor fast 30 Jahren ein. Heute bietet das Unternehmen sämtliche Produkte rund um die Geldkarte ZKA-zertifiziert an. Sicherheit ist dabei das permanente Stichwort. Wer über den Schlüssel verfügt, kann die Tür öffnen. Die Identifikation des Schlüsselträgers erfolgt zukünftig nicht nur in Form von PIN, Photo, Muster der Netzhaut, Fingerabdruck oder Unterschrift. Unverwechselbar sind auch die Stimme, die Bewegung der Finger auf der Tastatur oder beim Schreiben mit einem Stift - dynamische Merkmale also, die sich im Chip speichern lassen. Nicht die Unterschrift selbst wird verwahrt, sondern der gesamte Ablauf. Statt eines Paßworts reicht dann das Tippen, um sich auszuweisen. Auf den Bermudas legt der Reisende eine Karte vor und sagt dazu ein paar Worte. Wenn das gespeicherte mit dem gesprochenen Muster übereinstimmt, kann der Urlaub beginnen. In Frankfurt wird ab diesem Sommer ein System über die Handmaße erprobt werden. Damit ist aber mit Sicherheit die Chiptechnologie noch lange nicht ausgereizt.

Vorderseite

- Trockenoffsetdruck. Druckverfahren zur Erreichung guter Farbqualität und Brillanz.- Chip. Multifunktionaler Mikroprozessor zur Speicherung von Daten, zum Beispiel zum Be- und Entladen bestimmter Geldmengen (s. 16).- Hochprägung. Weltweit angewandte Methode zur Personalisierung von Kreditkarten mittels Ziffernfolge = Kartennummer (s. 18). Mit Hilfe eines Abrollers werden die Daten auf Papier übertragen.- Lasergravur. Manipulationssichere Methode zum Aufbringen individueller Daten (s. 11). - Thermotransferdruck. Methode zum Aufbringen personalisierter Daten unter Druck und Hitze (s. 11).- Barcode. Speichermedium für kleine Datenmengen, lesbar von Scannern und Barcodestiften.- Heißprägedruck. Siebdruckverfahren zum Aufbringen einer UV-Markierung (s. 9) und zum Überdrucken des Magnetstreifens (s. 15).- Guilloche. Farbiges Muster verschlungener Linien zur Sicherung gegen Fälschung. Verwendung auf Banknoten und Wertpapieren.- UV-Druck. Mit bloßem Auge nicht erkennbare Bedruckung zur Sicherung gegen Fälschung. Nur unter UV-Licht werden die Zeichen, zum Beispiel das Logo der ausgebenden Stelle, sichtbar.- Hologramm. Bild auf alubedampfter Folie, das unter bestimmten Lichtverhältnissen und bestimmtem Blickwinkel dreidimensional wirkt. Kann mehrere Bilder und Schriften beinhalten. Aufwendiges Verfahren, gilt als eines der effektivsten Echtheitsmerkmale.- Foto. Sicherheitsvorkehrung mittels Foto des Karteninhabers, aufgebracht per Laser- oder Thermotransferdruck.- Holografisches Overlay. Auf die Vorderseite der Karte aufgebrachte Schicht, mit Hologrammen (s. 10) versehen, zum Schutz aller ein- und aufgebrachten Merkmale.

Rückseite

- Herstellerkennung. Variable Angaben, zum Beispiel Kürzel des Kartenherstellers, Seriennummer, Monat/Jahr der Ausgabe, Höhe der Auflage.- Magnetstreifen. Speichermedium von bis zu 221 Zeichen, enthält zumeist unter anderem Kartennummer (s. 3) und Namen des Inhabers.- Magnetstreifendruck. Im Siebdruck (s. 7) aufgebrachte Zeichen. Bei Manipulation wird der Magnetstreifen beschädigt und damit unlesbar.- Chip. Mikroprozessor zur Speicherung und Übertragung von Daten, zum Beispiel zum bargeldlosen Telefonieren zu Lasten des eigenen Telefonkontos. Durch PIN-Code gegen unbefugte Nutzung gesichert.- Unterschriftsfeld. Sicherung gegen Manipulation. Die Farbpartikel des benutzten Stiftes verbinden sich mit dem Material des Streifens. Bei mechanischer Entfernung der Unterschrift erscheint der Begriff "void" = "ungültig".- Indent-Printing. Auf Unterschriftsfeld gedruckte Kartennummer zur Absicherung der Daten der Hochprägung (s. 3).- Iso-Check. Gitterprägung, mit bloßem Auge nur als leicht veränderte Oberfläche erkennbar. Isometrie tritt dann ein, wenn sich bei Überlagerung der bedruckten Fläche mit einer mit entsprechender Struktur versehenen Folie ein bestimmtes Bild ergibt.- Hardware. Im Laminierverfahren hergestellte Karten umfassen bis zu sieben Schichten. Weniger aufwendig ist das Spritzgußverfahren. In puncto Format und Schichtdicke sind Karten für den Zahlungsverkehr genormt.- Chromosomen-Feature. Aus Farbpunkten zusammengesetztes, mit einer Struktur überlagertes Bild, mit bloßem Auge nicht als solches zu erkennen. Bei Überlagerung mit einer bestimmten Folie werden die Strukturen abgedeckt, das Bild wird sichtbar.- Kontaktfreier Chip (verkleinert). In die Karte mit Chip ist eine Antenne eingelassen, die bei Heranführung an ein elektromagnetisches Feld Kontakt damit aufnimmt. Ein Hereinschieben oder Durchziehen der Karte entfällt.

Angeklickt

Cash oder Chip? Das ist für rund 70 Millionen Krankenversicherte in Deutschland längst keine Frage mehr. Auch beim Telefonieren hat der Chip das Kleingeld verdrängt. Bis Ende dieses Jahres wollen die deutschen Geldinstitute sämtliche EC- und Bankkundenkarten - ein Potential von 55 Millionen - mit einem Geldchip ausstatten, der mehr kann als der Telefonchip und ein reiner Speicher mit einer festen Information ist. Mit der "Geldkarte" betritt ein Mikro-Controller die alltägliche Geschäftswelt. Bis zu 400 Mark täglich kann sich der Benutzer auf die Plastikkarte speichern lassen. Die Standards für die gesamte Technik setzte der Zentrale Kreditausschuß (ZKA), eine Arbeitsgemeinschaft der Verbände des Kreditgewerbes. Nur mit seiner Zulassung dürfen vom Chip über die Karte bis hin zu den diversen Terminals die Geräte verwendet werden.

*Gerda von Radetzky ist freie Journalistin in München.