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17.03.2000 - 

Beteiligung am US-Portalanbieter Vision One

TDS sieht sich für das ASP-Geschäft gut gerüstet

STUTTGART - R/3-Outsourcing-Spezialist TDS treibt die Abnabelung von SAP weiter voran. Mit der Minderheitsbeteiligung am US-Portalanbieter Vision One ergänzte der sich neuerdings als ASP-Company aufstellende Dienstleister seine entsprechende Strategie und sicherte sich zudem ein Standbein im US-Geschäft. Der mehrheitliche Einstieg beim Systemintegrator Multivision stärkt zusätzlich die Auslandspräsenz.

So sehr die SAP für die hiesige Szene der Systemintegratoren (noch) das Maß aller Dinge ist, Abnabelungstendenzen angesichts des schwächelnden ERP-Geschäfts sind unverkennbar. Allen voran bei der TDS Informationstechnologie AG. Als mittlerweile führender R/3-Outsourcer für den Mittelstand ist die Abhängigkeit von Walldorf zwar offensichtlich, doch ließ Firmengründer und -lenker Günter Steffen zuletzt keine Gelegenheit verstreichen, dem Softwareriesen so manchen Seitenhieb zu verpassen. "Wir suchen uns für unsere Partnerschaften die führenden Produktlieferanten aus", sandte Steffen schon Mitte 1999 deutliche Worte nach Walldorf, um nur wenige Wochen später erste Taten in Form einer Kooperation mit dem Customer-Relationship-Management-(CRM-) Spezialisten Siebel folgen zu lassen.

Dies war bei der SAP nicht gerade auf Gegenliebe gestoßen. Die Walldorfer revanchierten sich zur diesjährigen CeBIT und überraschten die Heilbronner - und nicht nur die - mit der Ankündigung, eine eigene ASP-Tochter ins Rennen zu schicken. Von verhärteten Fronten will Peter Eisenbacher, der seit Anfang dieses Jahres zusammen mit Steffen als Co-Vorstandsvorsitzender die Geschicke von TDS lenkt, indes nichts wissen: "Sicher hat uns die Art und Weise der Ankündigung von SAP enttäuscht, aber auch wir hätten im Fall Siebel partnerschaftlicher verfahren können. Wir werden uns noch in diesem Monat zusammensetzen, um das Kommunikationsproblem zu beheben", betonte Eisenbacher vergangene Woche vor Journalisten in Stuttgart. Außerdem stelle der Vorstoß von SAP im ASP-Business keine Bedrohung dar: "Der Weg dahin, in diesem Geschäft einen signifikanten Marktanteil zu erobern, ist steinig und hart", zeigte sich der neue TDS-Lenker selbstbewusst.

Dass der aus SAP-Sicht abtrünnige Partner TDS ohnehin nicht tatenlos zusieht, was sich die Walldorfer und andere ERP-Anbieter zum neuen Thema ASP einfallen lassen, stellen die jüngsten Aktivitäten des Chef-Duos Steffen/Eisenbacher unter Beweis.

So beteiligte man sich mit 25 Prozent an der Startup-Company Vision One, die 1998 im kalifornischen Fresno von den Schweizern Dieter Froehlich und Ralph Fäsi gegründet wurde und sich mit ihrem Produkt "Ice 1.5" auf die Integration von Web-basierten Portallösungen mit betriebswirtschaftlicher Standardsoftware spezialisiert hat. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 35 Mitarbeiter und ist zusätzlich in Chikago und Miami sowie in der Schweiz und in Deutschland (in Walldorf) vertreten. 1999 wurden umgerechnet rund zwei Millionen Mark Umsatz erwirtschaftet. Die komplette Übernahme des Unternehmens soll zu Beginn des nächsten Jahres erfolgen. Die beiden Vision-One-Gründer bleiben im Unternehmen und werden im "International Executive Board" der TDS Schlüsselfunktionen übernehmen, hieß es in Stuttgart.

Mit dem Einstieg bei Vision One verfüge TDS, so Eisenbacher, über eine ausgezeichnete Ausgangsposition "für das ASP der Zukunft". Und das nicht nur im Bereich des heute vielfach mit dem ASP-Begriff verbundenen Mietens von Software, sondern "bei der Verknüpfung von Legacy-Systemen, Internet, Extranets und Business-Service-Providern über ein Megaportal".

Keine Positionierung gegen SAP im PortalgeschäftDen Eindruck, dass sich TDS mit einer eigenen Portal-Lösung im Portfolio in direkten Wettbewerb zu SAP begibt, wollte Eisenbacher aber gar nicht erst aufkommen lassen: "Ice ist nicht gegen Mysap.com positioniert. Von der Funktionalität her reichte es nur für die E-Business-Bedürfnisse kleiner Unternehmen mit 30 oder 40 Endanwendern aus." Zielrichtung des ASP-Angebots von TDS sei vielmehr die Integration von Applikationen verschiedener Unternehmen über Interfaces und Verbindungskomponenten.

Wie immer sich das ASP-Geschäft von TDS gestalten wird - Tatsache ist, dass die Heilbronner über dieses Investment den lang ersehnten Sprung über den großen Teich geschafft haben. Eisenbacher räumte allerdings ein, dass man sich von Vision One zunächst noch keine großen Umsatzimpulse erwartet, sondern das Unternehmen vor allem als Ideengeber und Entwicklungszentrum betrachtet. Man habe jetzt in jedem Fall den "Finger am Puls der Zeit". Durchaus wahrscheinlich dürfte es auch sein, dass sich die TDS-Verantwortlichen durch die Verbindung zu Vision One einen leichteren Start der derzeit im Aufbau befindlichen eigenen US-Tochter erhoffen. Sie nimmt offiziell zum 1. April in Fresno ihre Arbeit auf und soll das klassische TDS-Geschäft, also das Application Hosting und R/3-Outsourcing für kleine und mittlere Kunden, betreiben.

Darüber hinaus macht der Heilbronner Servicespezialist, der seinen Umsatz 1999 vorläufigen Zahlen zufolge trotz Auftragsschwächen im ERP-Umfeld von 230 auf 330 Millionen Mark (das Ergebnis vor Steuern hat sich voraussichtlich von 11,5 auf 15 Millionen Mark erhöht) steigern konnte, jetzt auch in den lateinamerikanischen Ländern mobil. Durch die zeitgleich zum Vision-One-Investment bewerkstelligte mehrheitliche Übernahme der ebenfalls von den Vision-One-Machern Froehlich und Fäsi gegründeten Multivision-Gruppe ist TDS nun mit R/3-Dienstleistungen auch in Brasilien, Chile, Argentinien und Mexiko präsent.

Günter Steffen zieht sich in den Aufsichtsrat zurückBeide Unternehmen kooperieren bereits seit 1997, als sie in der Schweiz das Joint Venture TDS Multivision aus der Taufe gehoben haben, das nun im Zuge der Übernahme in die Schweizer Multivision-Tochter integriert werden soll. Durch die beiden Deals sowie den bereits 1999 begonnenen Aufbau von Aktivitäten in Großbritannien, Holland und Belgien wird sich im laufenden Jahr der Anteil des Auslandsgeschäfts am Umsatz auf etwa zehn Prozent belaufen. 1999 lagen die entsprechenden Einnahmen bei rund einem Prozent.

Der Einstieg bei Multivision, den TDS sowohl mit eigenen Aktien als auch mit Barmitteln finanziert, beinhaltet zudem die 49-prozentige Beteiligung an der deutsche Multivision-Tochter in Neuss, einen im SAP-Umfeld auf CRM-Lösungen von Siebel spezialisierten Systemintegrator. Das dortige Team erzielte 1999 einen Umsatz von rund sechs Millionen Mark. Dass man an dem Unternehmen zunächst nur die Minderheit übernimmt, hat - wieder einmal - Gründe, die in Walldorf zu suchen sind. "Wir wollen SAP nicht ins Gehege kommen", ging Steffen auf Schmusekurs. Im nächsten Jahr aber soll der Anteil auf 51 Prozent aufgestockt werden.

Der TDS-Gründer selbst scheint von den "Riesenschritten", die sein Unternehmen in den vergangenen Monaten gemacht hat, überstrapaziert worden zu sein. Er wird Mitte des Jahres dem früheren IBM-Manager Eisenbacher die operative Führung komplett übertragen und sich auf den Sessel des Aufsichtsratsvorsitzenden zurückziehen. "Die letzten Jahre war ich ein Getriebener, das hat Kraft gekostet", gestand der 53-jährige.

Abb.: Verlagerung: Nicht nur der ERP-Markt, sondern auch das IT-Outsourcing wird sich zukünftig mit geringeren Zuwächsen begnügen müssen. Auch TDS sucht deshalb sein Heil im ASP-Business. Quelle: Frost & Sullivan Quelle: IDC