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16.11.1984 - 

Ein Lehrmeister für Bastelstunden stellt sich vor:

Teach-Robot ist schnell auf den Beinen

Von Wolfgang Trapp *

Wer Roboter, nur weil sie klein sind, mit Spielzeug verwechselt, der tut einer ganzen Gruppe von Lehr- und Lernrobotern unrecht. Immerhin haben Tausende der Winzlinge schon Ihren Weg in Universitäten, Institute, Planungsbüros und In Lehrwerkstätten gefunden. Bisher kostete die Anschaffung eines solchen Lehr-Modells ein paar runde Tausender,- jetzt kann man für ein paar Hunderter einsteigen.

Unmontiert, in "Bruchstücken" zur Selbstmontage, kommt der bisher billigste unter den Lehr-Robotern ins Haus: Der Teach-Robot aus Baden Baden ist für 564 Mark (ohne Mehrwertsteuer), keineswegs teueres "Männerspielzeug", sondern selbstverständlich zur Fort-, und Ausbildung gedacht. Spaß macht er allerdings auch! Er kommt in einer flachen Styroporbox, besteht aus einer Grundplatte, vielen sorgfältig beschrifteten Tütchen, sechs Miniatur-Motörchen, vier zerklüfteten Kunststoff-Brettchen von 25 Zentimeter Länge. Sehr deutlich wird der Erwerber an die Jugend-Zeiten seines Märklin-Baukastens erinnert.

Der Lernprozeß beginnt gleich nach dem Auspacken: Mit dem Aufstellen der Hartholz-Grundplatte beginnt der "Teach-Robot" seine Lehrtätigkeit. Mit der Eigen-Montage nach Handbuch, dem Verdrahten und dem Ausbau zum computergesteuerten Gerät, soll der Klein-Roboter grundsätzliches über den Aufbau eines Roboters und die konstruktiven Probleme schon während des Zusammenbaus vermitteln. Und das gelingt ihm, wie die Erfahrung zeigt, ausgezeichnet und fast unbemerkt, spielerisch.

Im Bausatz, von technischen Profis kreiert und geschaffen, fällt zunächst die penibele Ordung auf: Tütchen für Tütchen ist klar beschriftet und enthält einzelne Baugruppen wie zum Beispiel Schräubchen und Stifte, Beilagscheiben und Muttern für den Roboter-Drehturm, die Schulter, den Arm, das Handgelenk und den Greifer. Im ersten Tütchen sind sogar vier Innensechskantschlüssel, über die in dieser Miniatur-Größe nicht unbedingt jeder Haushalt griffbereit verfügt. An alles ist gedacht. Denkste.

Bastelfreuden auch für Nicht-Techniker

Das Betriebshandbuch (37 Mark) ist besser, als es leidvolle Erfahrungen aus der Mikrocomputer-Szene erwarten lassen. Es ist eben nicht von einem Datenverarbeiter geschrieben, sondern von einem Maschinenbauer. Trotzdem läßt es noch interessante Lücken und Platz für Bastel-Abenteuer. Daß sich nach zwei spannenden Stunden das System des Zusanunenbaus auch von einem Nicht-Techniker verstehen und

durchschauen läßt ist den stets gleichartigen Teilen nimmermüdem Blättern (von 3.2.1 zu 4.5. 9), dein Verfolgen von Querverweisen auf verflochtenen Pfaden den Fotos der Methode "Versuch und Irrturn", und

natürlich auch angenehmen Zufällen zu verdanken. Eine technische Ausbildung und technisches Verständnis ist hier sicher hilfreich.

Nach einiger Zeit sobald man das System durchschaut hat, macht es Vergnügen präzise Stifte in genaue Gleitlager einzudrücken? genau abgelängte Schrauben, Distanzhülsen Abstandsringe und winzige Madenschrauben einzufügen. Aber auf die Euphorie folgt der Frust: Neue Konstruktionsteile sind mit alten Skizzen im Lehrbuch nicht deckungsgleich, rätselhafte Numerierung (wo ist Verbindungspunkt " = "?) lassen sich nicht finden und auch kräftiges Nachschlagen hilft nicht weiter. Versuch und Zufall fügen dann das erforderliche und der Roboter gewinnt Gestalt. Der Hersteller hat es allerdings, erklärtermaßen so gewollt. Er sieht seine (ausreichend) präzise Bauanweisung "nur als eine der möglichen Varianten", und läßt damit Raum für Einfallsreichtum und Kreativität.

Gute sechs Stunden konzentrierte Arbeit kostet der mechanische Zusammenbau den unerfahrenen "Roboter-Monteur", bis sich die mechanischen Komponenten endlich formen und ein mechanisch funktionsfähiger Roboter sich auf der Grundplatte reckt.

Kabelbaum erleichtert die Arbeit

Die ebenfalls beiliegenden fünfadrigen, bunten Kabel-Adern sind dazu gedacht, dem Geschöpf aus Spezialkunststoff Saft und Kraft zum Leben zu geben. Der Trafo dazu gehört allerdings zum Zubehör und kostet 130 Mark extra. Wer nicht für das Fein-Löten ausgestattet ist, muß an dieser Aufgabe scheitern. Was jedoch ein rechter Computer-Freak ist, der ist ja auf solche Arbeiten eingestellt. Wer sich die Löterei und den Kabelsalat ersparen will, vielleicht auch weil ihm dazu das nötige Hobbywerkzeug fehlt, der kann vom (verständnisvollen) Hersteller auch einen vormontierten Kabelbaum beziehen, muß dann allerdings auf den Preis des Roboters nochmals 30 Mark zulegen.

Zulegen kann man beim Teach-Robot in jeder Weise: Hat man Geschmack an der Sache gefunden, dann kann man sich das Zubehör anschaffen, daß den Roboter erstens noch beweglichere und zweitens programmierbar macht. Entsprechendes Zubehör verbindet ihn nämlich mit den gängigen Mikros und macht ihn eigentlich erst damit zum vollwertigen, echten Roboter, wie er im gleichen Prinzip wohl fast sechstausendfach auch in deutschen Industriebetrieben steht.

Um den Teach-Robot nach seiner Verkabelung jedoch erstmals in Bewegung zu setzen, muß der lernbegierige Bastler zuerst noch (s)eine "Action-Box" zusammenbauen. Es handelt sich um - ein Kästchen mit zwölf Tasten, die die Bewegungen des Roboters beim Schwenken, Heben und Senken, bei der Handdrehung und beim Schließen der Finger veranlassen.

Nach acht Stunden wird Roboter lebendig

Dazu muß eine Leiterplatte mit steckbaren Mikro-Schaltern bestückt, Buchsen angeschraubt, eine Knick-Tülle eingezogen und natürlich wieder sorgfältig gelötet werden. Löten Sie, gemäß Verdrahtungsplan", meint die Bauanleitung dazu und beschreibt präzise die P(...)vorgänge. Etwa acht Stunden sind ins Land gegangen, bis der Teach-Robot nach diesen Bastelstunden die Stunde der Bewegung erlebt. Das Erfolgserlebnis ist total: Nach Korrekturen von Bastel-Fehlern bewegen die sechs Motoren sanft und tachogeregelt Finger, Hand, Arm, Schulter und Körper im Arbeitsbereich von fast einem halben Meter.

Der Klein-Roboter ist als Lehrer so beliebt, daß schon über 1000 Kunden des Baden-Badener Herstellers sich zu solchen Bastelstunden entschieden haben. Zusammengebaut ist der Kleine ein systemgetreues Abbild seiner Industriekollegen, und macht dieselben Schwierigkeiten und Probleme, wie ein Großer.

Wichtig ist natürlich, daß der Teach-Robot mit Drive-Interface, T-Robot-Controller, Kartenboard im Bus-Platine und was die beigefü(...) Bestell-Liste sonst noch an tec(...)hnischen Leckerbissen aufweist, zum perfekten, computergesteuerten 6-Achser ausgebaut werden und so zum vollendeten, aber zweieinhalbtzeug und Mark teueren Lehrwerkzeug und Männerspielzeug hochgezüchtet werden kann.

*Wolfgang Trapp ist Journalist beim Bildschirmtext-Verlag