Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

17.08.1990

Teamorientiertes Denken und Handeln notwendig:Instandhaltung nicht mehr identisch mit " Schmiermaxe "

"Facilities Management" (FM) heißt der Begriff, der Wartungsfachleute aller Orten aufhorchen läßt. Von der Idee her gehört es wie CIM, Logistik, Controlling und Total Quality Management zu jenen modernen industriellen Planungs- und Steuerungskonzepten, die ein Unternehmen ganzheitlich - als Organismus - betrachten.

Konkret bedeutet Facilities Management einerseits, daß bei der Planung von Wartungsarbeiten Maschinen-Konstruktionsdaten mit einbezogen und andererseits bereits in der Konstruktion Anhaltspunkte für die Wartbarkeit berücksichtigt werden. Die Instandhaltung früherer Tage hat sich mittlerweile zu einem integralen Element der modernen Industrie entwickelt: zur Anlagenwirtschaft. Von außen betrachtet zeigen sich die neuen Fähigkeiten DV-gestützter Instandhaltungs-Systeme in erster Linie daran, daß sie über eine Schnittstelle zu einem CAD- und Grafik-Paket verfügen.

Bereichsübergreifende Sicht notwendig

Nach Jahrzehnten des Spezialistentums in allen Bereichen erleben wir heute eine Hinwendung zu globalen Zielsetzungen und Konzepten. Dies gilt nicht nur für die große Politik, sondern auch für den industriellen Sektor. Auf ganzheitlicher Konzeption beruhende Begriffe wie CIM, Logistik und Controlling gehören daher zum Vokabular jedes Industriepraktikers. Aus den Vereinigten Staaten kommend, gesellt sich in jüngster Zeit der Begriff des Facilities Management hinzu.

FM kennzeichnet die Betrachtung von Anlagen aus dem Blickwinkel des gesamten Objekt-Lebenszyklus. Facilities Management - manchmal auch als Objekt-Management bezeichnet - beruht auf der Erkenntnis, daß es nicht mehr ausreicht, die zunehmend kostspieligeren Anlagen und Ausstattungen weiterhin in streng getrennten Funktionen - wie Anlagenbuchhaltung, Ingenieurwesen, Instandhaltung und Produktion - zu verwalten. Statt dessen ist eine bereichsübergreifende Sicht notwendig, um die Optimierung des Anlageneinsatzes von der Entstehung bis zur Verwertung zu ermöglichen.

Facilities Management kann dabei auf einen sehr erfolgreichen Verwandten verweisen, der bereits früher die positive Wirkung des ganzheitlichen Managements eindrücklich demonstriert hat, auf die Logistik der Versorgungskette. In der Tat gibt es kaum ein Industrieunternehmen, das nicht an der Verwirklichung logistischer Systeme arbeitet oder solche bereits erfolgreich implementiert hat.

Diese Situation wird sich in dem Maße ändern, indem sich Facility Management etabliert: Instandhaltung ist dann nicht mehr gleichbedeutend mit dem "Schmiermaxe" von einst, sondern wird zu einem strategischen Faktor, der den Erhalt der Gesamtinvestition in Anlagen und Ausstattungen sicherstellt.

Der Unternehmenserfolg ist sehr eng mit der Instandhaltung verknüpft; für die Luftfahrtindustrie, das Krankenhauswesen und Energieversorgungsunternehmen muß dies nicht mehr nachgewiesen werden. Nur wer die Augen vor der Realität verschließt, wird der Instandhaltung eine Randstellung für normale Industriebetriebe zuweisen.

Teamorientiertes Denken und Handeln

Zur Verwirklichung des übergreifenden FM-Konzeptes gehören Menschen, die Team-orientiert denken und handeln, sowie die geeigneten Software-Instrumente.

Bislang wurde versucht, Instandhaltung in Logistikkonzepte (PPS-Systeme) zu integrieren, da einige Funktionen (zum Beispiel Materialwirtschaft, Kapazitätswirtschaft) Ähnlichkeiten aufweisen. Während jedoch die PPS-Funktionalität auf die verschiedenen betrieblichen Abteilungen aufgeteilt wird, ist die Instandhaltung gezwungen, die genannte Bandbreite der PPS-Funktionalität für ihre Zwecke zu nutzen. Dies bedeutet schlichtweg eine Überforderung des ohnehin traditionell stark belasteten Instandhaltungs-Personals. Sauberer und leistungsfähiger ist aber eine dedizierte DV-Lösung der Instandhaltung mit Anbindung an Facility-Management-Funktionen und - erst in zweiter Linie - an PPS-Funktionen.

Welche Funktionen sind es nun im einzelnen, die eine Instandhaltungs-Lösung zum Facilities Management aufrüsten? Es handelt sich zunächst um die Objektbeschreibung, die ein Ergebnis des Anlagen-Entwicklungsvorhabens ist. Da sich in der Praxis CAD-Systeme für die Anlagenentwicklung durchzusetzen beginnen, muß die Objektbeschreibung des Instandhaltungs-Systems mit der Objektdatenbank des CAD-Systems verknüpfbar sein.

Die Planung und Abwicklung von Bau- und Umbaumaßnahmen erfordert darüber hinaus die Bildung von Schnittstellen mit Systemen der Bauleitplanung, der Ausschreibungs- und Vergabeabwicklung sowie des Projekt-Managements. Die Datenbank des Instandhaltungs-Systems selbst muß so beschaffen sein, daß alle am FM beteiligten Bereiche den Informationsnutzen für ihre jeweiligen Aufgaben verwenden können.

Verknüpfung mit den logistischen Funktionen

Sobald ein Instandhaltungs-System in einem Industrieunternehmen eingesetzt wird, ist neben der Verknüpfung mit den aufgeführten FM-Funktionen auch eine Verbindung mit den auf die Herstellung beziehungsweise die Distribution bezogenen logistischen Funktionen notwendig.

Wartungs- und Inspektionsarbeiten beispielsweise erfordern meist den Stillstand der betroffenen Anlagen. Aus diesem Grunde ist eine Verknüpfung der Wartungs- und Inspektionsplanung mit der Kapazitäts grob- und -feinplanung des Logistiksystems wünschenswert. Damit wird sichergestellt, daß die Wartungs- und Inspektionsarbeiten nicht mit der Beanspruchung der Anlagenkapazitäten durch die Produktion kolIidieren .

Für die verschiedenen Instandhaltungs-Aktivitäten werden neben dem externen Personal auch Mitarbeiter des eigenen Unternehmens eingesetzt. Für diese bestehen aber in der Regel bereits Systeme der Lohnund Gehaltsabrechnung sowie der Anwesenheits- und Zutrittskontrolle. Es bietet sich an, die Datenverknüpfung herzustellen, um eine Mehrfacherfassung zu vermeiden.

Schnittstelle mit dem Rechnungswesen

Da das Instandhaltungs-System auch die Bestandsführung von Ersatzteilen vorsieht, scheint auch eine Verknüpfung mit der Lagerführung von Produktionsmaterial sinnvoll. Eine häufige und typische Schnittstelle ist die Verbindung mit dem zentralen Beschaffungssystem. Auf diese Weise werden Ersatzteile ebenso wie Produktionsmaterialien behandelt. Schließlich macht es auch Sinn, die Verrechnungsstelle, die diejenigen Kosten ermittelt, die für die Erledigung der Instandhaltungs-Aufträge anfallen, über eine Schnittstelle mit dem Rechnungswesen zu verbinden.

Die Forderung, dem Instandhalter ein eigenes DV-System zur Verfügung zu stellen, mit dem die Aufgaben des Facilities Management optimal gelöst werden können, kann natürlich um so besser erfüllt werden, je leistungsfähiger die Basis - das Instandhaltungs-System selbst - ist.