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Hightech-Aktien in Deutschland - eine Zwischenbilanz nach dem Ende des Neuen Marktes


19.12.2003 - 

Tecdax-Papiere sind kein Schnäppchen mehr

MÜNCHEN - Das Ende des Neuen Marktes und die damit verbundene Etablierung neuer Indizes wie des Tecdax hat den Handel mit Hightech-Papieren auf dem deutschen Börsenparkett wieder auf ein seriöses Fundament gestellt. Doch dieser Erfolg könnte trügen, denn die Anzeichen eines gefährlichen neuen Hypes und damit für die Rückkehr der Scharlatane mehren sich.Von Stephan Hornung und Christian Struck*

Das Jahr 2003 begann für viele Aktionäre - ähnlich wie die Jahre zuvor - mit scheinbar endlosen Kursrückgängen. Auch die Tatsache, dass die Deutsche Börse neue Indizes etabliert und den in Verruf gekommenen Neuen Markt am 24. März durch den Tecdax ersetzt hatte, änderte an der Stimmung der Marktteilnehmer zunächst wenig. Der neue Tecdax setzt sich nur noch aus 30 Technologieunternehmen des so genannten Prime Standards zusammen und beinhaltet hauptsächlich ehemalige Nemax-50-Werte, aber auch Aktien, die zuvor im M-DAX gelistet waren - beispielsweise die der Software AG. Unternehmen, deren Papiere hingegen nicht als reinrassige Technologiewerte der Branchen Software, Telekommunikation, Halbleiter, Biotechnologie und Umwelt eingestuft wurden, mussten in den M-DAX oder den kleineren S-DAX wechseln.

Nach einem ersten Tief im März fassten die Anleger langsam wieder Vertrauen in die durch Bilanzskandale wie Comroad arg gebeutelten "Wachstumswerte". Die in dieser Zeit mutigen Investoren wurden für ihre antizyklischen und vor allem sehr preisgünstigen Käufe, die im Nachhinein wie Sonderangebote im Zuge einer Geschäftsauflösung (hier des Neuen Marktes) anmuten, schnell und teilweise fürstlich belohnt. Entsprechende "Räumungsverkäufe" gab es tatsächlich vorher auch bei einigen Fondsgesellschaften, die ihre gesamten Bestände an "Neuer-Markt-Aktien" förmlich auf den Markt geworfen hatten.

Internet-Aktien wieder salonfähig

Bei immer mehr Unternehmen schlugen sich jedoch in der Folge die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen, vor allem aber auch tragfähige Geschäftsmodelle (beispielsweise bei United Internet oder Web.de) in einer entsprechend positiven Kursentwicklung nieder. Den Schwergewichten des Internet-Sektors Ebay, Yahoo und Amazon folgend, wurden auch hierzulande Internet-Aktien wieder salonfähig und verhalfen Privatanlegern wie auch einigen Nebenwertefonds zu signifikanten Wertsteigerungen.

Doch zurück zur allgemeinen Entwicklung. Die in der Summe niedrigen Bewertungen wurden anfangs oft nur von angelsächsischen Finanzinvestoren erkannt, die große Aktienpakete an Unternehmen mit besagten tragfähigen Geschäftsmodellen erwarben. Im Herbst kam es dann jedoch bei Ixos Software und Wedeco zu Übernahmeangeboten von Wettbewerbern, die offenkundig bereit waren, auch höhere Preise zu bezahlen, die sich mit Synergieeffekten und dem Markteintritt in Deutschland rechtfertigen lassen. Angetrieben von regelrechten Kursexplosionen wie beispielsweise bei der Aktie des Online-Anbieters Freenet, deren Wert sich nach der Übernahme der Festnetzaktivitäten der Muttergesellschaft Mobilcom mehr als verzehnfachte, kehrten immer mehr Privatanleger wieder zurück an den Aktienmarkt. Mit den steigenden Kursen erlebten auch viele kostenlose Internet-Börsenbriefe sowie teure Börsen-Hotlines ihr Comeback.

Bedenklich in diesem Zusammenhang stimmt, dass nach Empfehlungen teilweise Kurssprünge von zehn oder mehr Prozent keine Seltenheit mehr sind und sich viele Spekulanten, die lediglich auf kurzfristige Gewinnmitnahmen abzielen, wieder im Markt tummeln. Fundamentale Daten scheinen bei diesem neuen "Hype" oft keine Rolle mehr zu spielen. Dies stellt eine höchst ungesunde Entwicklung dar. Schließlich kann man die Gefahr, dass ein Bilanzskandal wie zu Zeiten des Neuen Markts auch bei einem Unternehmen des Tecdax auftritt und die euphorische Stimmung jäh beendet, nicht völlig ausschließen.

Insiderverkäufe nehmen zu

Hinzu kommt: Nachdem sich an den US-Börsen die Verkäufe durch Firmeninsider auf Rekordniveau bewegen, sind auch in Deutschland wieder vermehrt hochvolumige Insiderverkäufe zu beobachten. Zugleich spekulieren wie bereits Ende der 90er Jahre viele Kleinanleger auf Kredit. Dies und die offenbar bereits von vielen Interessenten wieder vergessenen Kurseinbrüche der letzten Jahre mahnen zur Vorsicht.

Die Zeit der Schnäppchen am deutschen Aktienmarkt scheint jedenfalls vorbei. Für langfristig orientierte Anleger bietet sich noch der eine oder andere Tecdax-Wert als Investment an, zwischenzeitlich deutlichere Kursrückgänge werden aber immer wahrscheinlicher. (gh)

*Die Autoren sind Analysten der Capital Management Wolpers (CMW) GmbH in München.

Abb: Der Tecdax - neun Monate Erfolgsgeschichte

Die Kursentwicklung der meisten Tecdax-Aktien stimmt, Anleger sollten aber auf Rückschläge gefasst sein. Quelle: Cortal Consors