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05.05.1989 - 

RKXv-Tagung: Innovation und Mitbestimmung sichern Wettbewerb

Technik-Einsatz auf dem Prüfstand

05.05.1989

DÜSSELDORF (pi) - Kontrovers diskutierten Spitzenvertreter der Tarifpartner und Politiker auf dem RKW-Forum "Arbeit und Technik" des Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) in Düsseldorf . Während Arbeitgeber und Politiker der These vom "Computer als Jobkiller" widersprachen, monierten die Gewerkschaften, daß der Einsatz neuer Techniken bislang enttäuschend wenig zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen hätte.

Darüber, daß die Einführung neuer Technologien zur Erhaltung von Wirtschaft und Arbeitsplätzen unverzichtbar ist, sind sich BDI- Präsident Tyll Neckar, Arbeitgeber-Präsident Klaus Murmann und DGB- Vorsitzender Ernst Breit einig. Wahrend die Unternehmer jedoch davon ausgehen, daß sie den Arbeitnehmern größere Entscheidungsbefugnisse und qualifiziertere Arbeitsinhalte verschaffen, kritisieren die Gewerkschaften, daß die neuen Techniken nicht immer im Sinne der Arbeitnehmer eingesetzt werden.

Wirtschaftsminister Helmut Haussmann beobachtet eine Trendwende: Seien die Hürger der Bundesrepublik in den 70er Jahren auf den "abschüssigen Weg zur erstarrten Defensiv Gesellschaft" geraten, so beweise die junge Generation schon wieder beeindruckende Zuversicht, mit den anliegenden Problemen fertig zu werden.

Angesichts der schnellen Innovationsrate rief der Minister die Unternehmen auf, sich für die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter einzusetzen, verlangte aber gleichzeitig auch einen Beitrag des einzelnen Arbeitnehmers, indem er einen Teil seiner Freizeit in seine eigene Weiterbildung investiere. An die Tarifpartner richtete er die Aufforderung, sich flexibleren Arbeitsformen nicht mit dem Argument zu verschließen, sie bedeuteten eine Unterwerfung des Menschen unter technische Zwänge. Das Gegenteil sei der Fall.

Soziologie-Professor Friedrich Fürstenberg, Universität Bonn, nahm die Ausbildung unter die Lupe: "Da der technische Wandel alle formalisierbaren Probleme und Vorgänge erfasse, muß "Qualifikation" neu definiert werden. "Kompetenz zur flexiblen Problembewältigung" setze nicht punktuelles Lernen voraus, sondern eine Perspektive. Dazu sei eine Verbesserung der Grundausbildung unerläßlich. Er plädierte zugleich für eine stärkere Berücksichtigung individueller, menschlicher Qualitäten des einzelnen Arbeitnehmers, um zu verhindern, daß Mitarbeiter, die auf den ersten Blick "weniger funktionstüchtig" erscheinen, vom beruflichen Fortkommen ausgeschlossen würden.

Murmann und Neckar bescheinigten den Gewerkschaften, "auf gar keinen Fall technikfeindlich" zu sein. Doch während sie die beschäftigungsfördernde Wirkung von neuer Technik herausstrichen, dämpfte Breit ihre Begeisterung: Es gebe Untersuchungen, die beweisen, daß durch die Technik mehr Arbeitsplätze vernichtet als neu geschaffen würden. Ein Anhaltspunkt sei auch, daß der wirtschaftliche Aufschwung ohne Beschäftigungswirkung geblieben sei. Er sehe jedoch gleichzeitig ein, daß ohne den technischen Foltschritt noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen würden.

Andererseits seien, so Breit die Einsatzmöglichkeiten für neue Techniken noch längst nicht ausgeschöpft: 25 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten unter Lärmeinwirkung, 20 Prozent hantieren mit Schmutz und Öl, 15 Prozent arbeiten in gebückter oder kniender Stellung. Der Einsatz der Technik orientiert sich nach seiner Meinung nicht ausreichend an der körperlichen Belastung, sondern an betriebswirtschaftlichen Erwägungen. Dabei müßten sich diese beiden Überlegungen nicht einmal widersprechen.

Der DGB-Chef erklärte, viele Arbeitnehmer seien heute mit ihrer Arbeit unzufrieden. Dies rühre daher, daß mit der Einführung neuer Techniken zentralistische Strukturen festgeschrieben und die Arbeit weiter funktional und fachlich geteilt werde, von ganzheitlichen, eigenverantwortlichen Arbeitsplätzen könne also keine Rede sein.

Daraus leitete Breit die Forderung nach mehr Mitbestimmungsrechten bei der Einführung technischer Innovationen ab.