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Technik erprobt - medienpolitische Klärung steht an:BTX witzlos ohne "publizistisch Relevantes"

17.07.1981

BERLIN- Nach einem Jahr Bildschirmtextversuch {BTX) in Berlin präsentierte die Industrie- und Handelskammer Berlin vor Journalisten einen technisch und informatorisch beeindruckenden Stand des Systems. Medienpolitische Fragen zu BTX dürften in nächster Zeit mehr, im Vordergrund der Diskussion stehen als technische. Nachdem für den Zuständigkeitsbereich der Post, also für die "Individualkommunikation", vom Bundeskabinett der Startschuß für BTX ab Ende 1983 bundesweit gegeben worden ist, bleibt noch ungeklärt, was mit den "publizistisch relevanten" BTX-Diensten - wie zum Beispiel Nachrichten überregionaler Tageszeitungen - nach Abschluß der Erprobungsphase geschehen soll.

Von der Beantwortung der Frage, was denn nun BTX eigentlich sei, Fernsehen, Zeitung oder etwas ganz Neues, wird es abhängen, ob BTX unter die Hoheit der Länder fällt. Wenn man sich darauf einigen wird, was sehr zweifelhaft ist, daß BTX als Fernsehen einzustufen sei, dann müßten die Länder erst eine rechtliche Grundlage für die Anbieter von "publizistisch relevanten" Informationen schaffen. Das sind bisher ungefähr zehn Prozent der BTX-Anbieter. Sie machen aber - wie die Berliner Präsentation es deutlich zeigte - das Salz in der Suppe aus. "Praktisch witzlos" sei BTX, so schreibt das "Bildschirmtextmagazin", "ohne die breite Palette von nachrichtlichen Diensten, also ohne das, was man mit "publizistisch relevant' umschreibt".

Etliche BTX-Anbieter aus Verlagen, Versandhäusern, Banken und öffentlichen Institutionen referierten. Als gemeinsame Aussage kristallisierte sich heraus, daß Bildschirmtext sich gegenüber den traditionellen Massenkommunikationsmitteln und auch der interpersonalen Individualkommunikation auszeichnet durch Disponibilität, Selektivität, Komplexität und Aktualität. Diese Eigenschaften - so hob der Referent der Stiftung Warentest hervor - machen BTX insbesondere für die Verbraucherinformation zum geeigneten Medium. Das kann auch für andere Dienste zur Bürgerinformation gelten, wie sie beispielsweise das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin anbietet.

Ein BMFT-Forschungsprojekt mit dem Thema "Neue Telekommunikationsformen für Verbraucherinformationsdienste", daß mit der Stiftung Warentest in Berlin abgewickelt wird, erprobt verschiedene interaktive Telekommunikationsmedien. Dem Projekt stehen folgende Systeme zur Verfügung: BTX der Bundespost, das Breitband-Dialogsystem des Heinrich-Hertz-Instituts und ein Dornier-Bildschirmtext-System mit angeschlossener Laserplatte für Bild und Ton. Das kanadische Telidon-System soll demnächst in die Versuche miteinbezogen werden. Einige exemplarische Dienste sind bereits abrufbar.

Vorläufige Ergebnisse zum Berliner BTX-Versuch legte Guido Kammerer vor, dessen "Gruppe Kammerer" vom Postministerium mit der wissenschaftlichen Begleitforschung beauftragt ist:

Die angebotenen Dienste zeigen eine breite Streuung über vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und Themen: Angebote von Waren und Dienstleistungen; Anzeigenmarkt; Beratung; Veranstaltungshinweise; aktuelle Nachrichten und Informationen; Fachinformationen, Archivdienste, Lexikalisches, Informationen über Unternehmen und Institutionen; Unterhaltung; Interaktion über Bildschirmtext.

Angebote von Waren und Dienstleistungen stellen den größten Block dar, mit Schwergewichten bei Verbrauchs- und Gebrauchsgütern, bei Publikationen, bei Urlaubsreisen, Verkehr und Erholung.

Ein Zehntel der Dienste umfaßt aktuelle Nachrichten und Informationen

- insbesondere aus dem Pressebereich.

Fachinformationen, Archivdienste und Lexikalisches stellen rund ein Fünftel der insgesamt über 100000 angebotenen Seiten.

Vor allem auch die interaktiven Dienste (Bestellungen, Buchungen Mitteilungen, Kontostandabfragungen und Geldüberweisungen etc.) sind ein erheblicher Teil des Angebots.

Die angebotenen Bildschirmtext-Dienste stammen von Unternehmen und Institutionen aus den verschiedensten Wirtschaftbereichen: Zeitungsverlage, Zeitschriften- und Buchverlage, Rundfunkanstalten, Handelsunternehmen, Banken, Versicherungen, Reise- und Verkehrsunternehmen sind ebenso vertreten wie öffentliche Verwaltungen, Kirchen, wissenschaftliche Institute, Verbände, Parteien, Verbraucherberatung und auch die Industrie.

Die Bildschirmtext-Teilnehmer zeigen ein hohes Interesse und Engagement für die neue Kommunikationstechnologie, sie haben breit gefächerte Informations- und Nutzungsinteressen, sind aber auch sehr kritisch gegenüber angebotenen Informationsinhalten, gegenüber technischen Mängeln und Unzulänglichkeiten beim Zugriff auf die angebotenen Informationen und Dienste.

Die Teilnehmer haben oft Erwartungen an das Angebot, die durch die verfügbaren Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten nicht völlig abgedeckt sind - zu wenig Information, zu wenig detaillierte Information. Gleichzeitig wird auch viel Überflüssiges kritisiert.

Gleichzeitig gibt es vielfältige Nutzungsinteressen und positive Einschätzungen für die verschiedensten Angebotsbereiche. Im Vordergrund stehen dabei:

Aktuelle Nachrichten und Presseinformationen, vor allem Kurzmeldungen, aber auch regionale Nachrichten;

Informationen über Waren aus dem Handelsbereich, wobei vor allem die Bestellmöglichkeiten (Kataloge und Waren) neben Preisinformationen und Sonderangeboten wichtig sind;

Fachinformationen, und da vor allem statistische und lexikalische Informationen, aber auch politische und wissenschaftliche Informationen.

Daneben sind aber auch Informationen zu Reisen und Verkehr, Beratung vor allem Verbraucherberatung, Spiele und Unterhaltung von Interesse.

Einen Sonderfall stellen die Informationen aus dem Bankenbereich dar. Hier liegt zwar eine relativ niedrige Nutzungshäufigkeit für allgemeine Informationen, aber ein hohes Interesse an der Durchführung und eine hohe Inanspruchnahme interaktiver Dienste Kontoführung etc.) vor.

Insgesamt gesehen sind insbesondere alle interaktiven Dienste von großem Interesse für die Teilnehmer.