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Interview


01.09.2000 - 

"Technik ist nur ein Gebrauchsgegenstand"

Mit Scott Frisbie, Chief Technology Officer (CTO) der Scient Corp. sprach "Infoworld"-Redakteur Michael Vizard

CW: Welche Rolle spielt ein Technikchef in einer Internet-Beratungsgesellschaft wie Scient?

Frisbie: Ich bin für die technische Strategie und Richtung des Unternehmens verantwortlich. Wir betrachten uns in Bezug auf Technik als Unwissende. Daher schreiben wir niemals die Wahl einer Technik vor. Sie ist lediglich ein Gebrauchsgegenstand, der sich allerdings in atemberaubendem Tempo verändert. In den Mittelpunkt haben wir die Geschäftsstrategie und den Geschäftsplan gerückt.

CW: Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Web-basierten und dem traditionellen Geschäftsmodell?

Frisbie: Ich glaube nicht, dass es Unterschiede gibt - das zeigt uns der derzeitige Wandel im Markt, der die Old-Economy wieder in den Vordergrund rückt. Wenn wir behaupten, wir errichten E-Businesses, dann sind das Geschäfte. Es ändert sich lediglich der Kanal, den diese Unternehmen nutzen.

CW: Was macht Scient anders als traditionelle Dienstleister wie Pricewaterhouse Coopers, Andersen Consulting oder IBM?

Frisbie: Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, um Reibungsverluste zu vermeiden. IBM wird behaupten, sie könne alles anbieten, was Scient macht. Sie haben Strategie-, Marketing- und Technikberater. Aber es entstehen immer Probleme, wenn Projekte zwischen den Abteilungen übergeben werden.

CW: Wie bewerten Sie den Technikdisput zwischen Microsoft und Herstellern wie IBM und Sun?

Frisbie: Für Kundenprojekte, für die wir einst sechs oder acht Monate benötigten, können wir heute mehr oder weniger fertige Lösungen kaufen. Ob wir dazu Enterprise Javabeans oder XML über HTTP oder über Corba verwenden, ist egal. Entscheidend ist, ob sich die Technik für das Geschäft eignet.

CW: Vor zwei Jahren wurde bei den Anwendern das Thema Enterprise Resource Planing (ERP) hoch gehandelt. Heute übernimmt das Customer Relationship Management (CRM) diese Rolle. Haben Sie diese Veränderung auch bei Ihren Kunden feststellen können?

Frisbie: Sicher, aber es gibt nur minimale Unterschiede zwischen ERP und CRM. Alles dreht sich um die Frage: Sollen interne oder externe Belange gelöst werden? ERP und CRM verwenden das identische zugrunde liegende Datenmodell. Und dieses lässt sich je nach Ausrichtung drehen. Bei internen Verbesserungen heißt die Lösung ERP. Stehen externe Probleme im Vordergrund, wird das Kind CRM genannt.

CW: Und welche Rolle übernimmt in diesem Datenmodell XML?

Frisbie: Über XML existieren viele falsche Vorstellungen. XML ist nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern lediglich die Antwort auf die Frage: Können wir miteinander sprechen? Bei XML hakt es noch an vielen Stellen. Es spricht die Syntax an, nicht die Semantik. Ich bin ein Datenritter. Mehr als 85 Prozent aller weltweiten Daten sind noch unerreichbar in Unternehmensweiten und proprietären Applikationen, Datenbanken etc. gespeichert. Sie müssen befreit werden. XML ist eine Technik, die das Zeug dazu hat.

CW: Müssen die Anwenderunternehmen denn XML, Java oder Techniken wie Microsoft.net beherrschen, oder reicht es, Universitätsabgänger mit Perl-Know-how zu beschäftigen?

Frisbie: Das hängt von der Geschäftsphilosophie ab. Es hat schon viele Beispiele dafür gegeben, dass kreative Leute irgendetwas aufgebaut und damit auch Erfolg hatten. Als sie aber ihre Ideen richtig umsetzen mussten, waren sie für eine ganze Weile aus dem Geschäft verschwunden.

CW: An welchem Punkt neigen solche Personen zu scheitern?

Frisbie:Ich ziehe die pragmatische der optimalen Lösung vor. Sicherlich gibt es Puristen, die beim Anblick der Vertriebskanäle von Amazon.com die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Tatsache ist, dass das Unternehmen extrem effektiv arbeitet. Wahrscheinlich wird ihr Verfahren nicht als ultimatives Verkaufsmodell in die Fachliteratur eingehen. Amazon muss nicht die optimale Lösung finden, um ein Buch zu verkaufen.

CW: Welchen Rat würden Sie Leuten geben, die ein Dotcom-Unternehmen gründen wollen?

Frisbie: Die erfolgreichen Unternehmen nutzen das Medium. Wir haben viele scheitern sehen, weil vorhandene Inhalte ins Web gestellt wurden. Keiner liest am Bildschirm die ins Internet gestellte Druckausgabe eines Magazins. Man muss die Feinheiten des Mediums verstehen.