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13.06.2003 - 

Softwaretrends/Dienstleister mit neuem Profil

Technik-Scout im Open-Source-Dschungel

Viele Softwarekomponenten aus dem Open-Source-Lager können inzwischen mit ihren kommerziellen Konkurrenzprodukten Schritt halten. Doch die Skepsis der Anwender in Bezug auf die Eignung von quelloffener Software und die mit ihr verbundenen Garantien und Serviceleistungen bleibt. Jetzt kommt es auf die Beratungshäuser an, die richtigen Komponenten zu finden und überzeugend zu einer Gesamtlösung zu integrieren.Von Guido Laures*

Laut Gartner durchlebt jeder Hype seinen eigenen Zyklus: Nach der Sensibilisierung kommt die Phase der Euphorie, die ihrerseits von einer Ernüchterung abgelöst wird. Erst dann tritt eine Konsolidierung ein, in der die vormalig hochgelobte Technik produktiv werden kann.

Eines von vielen Beispielen für die Anwendbarkeit dieser Theorie ist der Umgang mit Open-Source-Software. Zunächst fand eine Sensibilisierung vor allem durch die immer stärker werdende Resonanz von herausragenden Projekten wie Linux und dem Apache-Web-Server statt. Das klare Bekenntnis großer Schlüsselfirmen wie IBM, Sun Microsystems und SAP zu Open-Source-Software hat die Euphorie ausgelöst. Erst gegensteuernde Informationen wie Untersuchungen zur Total Cost of Ownership, welche die Rentabilität von freier Software in Frage stellten, führten zu einer Eindämmung dieser Stimmung. Inzwischen trennt sich auch bei Open-Source-Software die Spreu vom Weizen. Nicht mehr jedes Projekt, das von einem Entwickler im stillen Kämmerlein begonnen wird, findet Beachtung.

Unter Open Source oder freier Software versteht man all jene Programmbausteine, deren Quelltext öffentlich zugänglich, kostenfrei und im Rahmen eines speziellen Lizenzmodells veränderbar ist. Im Folgenden sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die Entwicklungsarbeit der Open-Source-Community nutzbringend in unternehmenskritischen IT-Projekten eingesetzt werden kann.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Geschäft mit der Entwicklung von Individualsoftware einen starken Rückgang. Zum Großteil liegt das daran, dass bei den Anwendern die Bereitschaft, in aufwändige und somit kostenintensive Entwicklungsprojekte zu investieren, derzeit nicht besonders groß ist. Durch diese Fokussierung auf Kosten-Nutzen-Aspekte konnten sich auf dem Gebiet der Individualsoftware freie Komponenten wesentlich besser durchsetzen als im Bereich der Standardsoftware.

Potenziale allmählich erkannt

Zwar herrschen bei vielen - vor allem großen Konzernen - immer noch antiquierte Regelungen, die den Einsatz von Open-Source-Software für jedes Projekt pauschal verbieten. Doch hält nach und nach die Einsicht Einkehr, dass sich dieser Verzicht gerade im Hinblick auf das immense Einsparungspotenzial nachteilig auswirken kann. Denn Open-Source-Komponenten bieten in vielen Anwendungsbereichen nicht nur finanzielle, sondern auch technische Vorteile wie bessere Performance und zusätzliche Features. Durch die weite Verbreitung der Komponenten werden außerdem Fehler schneller entdeckt und in kurzen Zyklen behoben, weshalb Open-Source-Software oftmals viel ausgereifter ist als ihre kommerziellen Pendants.

Systemhäuser, die auch im Bereich unternehmenskritischer Geschäftsanwendungen tätig sind, konzentrieren sich bei der Entwicklung von Kundenlösungen schon seit längerer Zeit auf marktreife, freie Softwarekomponenten. Dadurch beschränkt sich die eigentlich zu bewältigende lösungsspezifische Entwicklungsarbeit immer mehr auf die intelligente Vernetzung von fertigen Softwaremodulen und wird so auf ein überschaubares Maß reduziert.

Programmieren zweitrangig

Der Fokus bei Entwicklungsprojekten verschiebt sich durch diese Situation immer mehr in Richtung Technologie-Scouting: Es kommt darauf an, die richtigen Komponenten für eine spezielle Lösung zu finden, zu evaluieren und zu integrieren. Dazu sind weniger Programmierkenntnisse als vielmehr die Fähigkeit der Problemabstraktion und der Lösungsanalyse gefragt. Im Fahrwasser dieses Paradigmenwechsel sind viele auf das reine Programmieren spezialisierte Unternehmen gekentert und wurden von beratungsfokussierten Dienstleistern abgelöst.

Teure und aufwändige Neuentwicklungen können bei der Verwendung des richtigen Komponentenportfolios aus der Open-Source-Welt häufig vermieden beziehungsweise optimiert werden. Zudem profitieren die fertigen Lösungen von den kostenlosen Nacharbeiten durch die Open-Source-Community. Verhalten sich neue Versionen von Komponenten in ihren leistungsbezogenen Kriterien wie Performance, Robustheit und Skalierbarkeit besser als ihre Vorgänger, lassen sie sich fast ohne Mehrkosten in die fertigen Lösungen integrieren. Der Großteil der eigentlichen Entwicklung kann also durch diese Strategie kostengünstig in die Community ausgelagert werden.

Hat man sich einmal dazu entschieden, Open Source als Teil einer Softwarelösung zu akzeptieren, stellt sich oft die Frage, wo die der Aufgabe angemessenen Komponenten zu finden sind. Hierzu existieren Open-Source-Marktplätze im Internet, die virtuelle Heimat unzähliger Projekte sind. Bedauerlicherweise ist es oft nicht einfach, auf solchen auch als Basare bezeichneten Sammlungen die wirklich verwendbaren Komponenten von jenen zu unterscheiden, die über den Status der guten Idee nicht hinausgekommen sind. Von den auf Source Forge (www.sf.net), einem der größten Open-Source-Basare, gehosteten Projekten sind weit mehr als zwei Drittel als fixe Idee ohne jegliche Verwendbarkeit zu bewerten. Bei der Gesamtmenge von insgesamt fast 60000 Projekten fällt dies aber auch nicht sonderlich ins Gewicht.

Erste Auswahl mit Source Forge

Beim Auffinden der wirklich weiter entwickelten und schon einsatzfähigen Software hilft Source Forge durch ein intelligentes Rating-System, das Projekte nach Forenbeiträgen, Entwicklungen im Quelltext und Anzahl der Downloads einstuft. Alle auf einem solchen Basar erhältlichen Softwarekomponenten können theoretisch direkt in eigene Lösungen eingesetzt werden.

Da es bei den beschriebenen Basaren aber auch meist so zugeht, wie es der Name vermuten lässt, sollte man zur Auswahl einer bestimmten Software einen Experten zu Rate ziehen. Oft stellt sich die Qualität einer bestimmten Komponente erst dann heraus, wenn sie in umfassenden Evaluationen unter die Lupe genommen wird. Andernfalls kann das späte Erkennen eines fehlenden Features oder eines kritischen Bugs zu einem ernsthaften Projektrisiko werden. Zudem empfiehlt es sich immer, nach einem kommerziellen Support für die verwendeten freien Komponenten Ausschau zu halten. Allein die Existenz eines solchen ist bereits ein Indiz für die Marktreife einer Open-Source-Software.

Verwirrung um Lizenzmodell

Außerdem kann ein Berater auch wertvolle Hilfe bezüglich der rechtlichen Rahmenbedingungen des Einsatzes freier Software geben. Von Gegnern des Open-Source-Gedankens wird in diesem Zusammenhang immer wieder der Irrglaube geschürt, dass man keinerlei freie Komponenten in Individualsoftware einsetzen dürfe, es sei denn, man legt auch die gesamte eigene Entwicklung offen. Dieser Umstand wird auch als Open-Source-Virus bezeichnet. Dass eine solche Regelung lediglich beim extrem restriktiven und deshalb nur noch für sehr wenige Softwarekomponenten verwendeten Lizenzmodell der so genannten GNU General Public License (GPL) gilt, wird dabei außer Acht gelassen.

Das Gros der anderen in der Community verwendeten Lizenzmodelle verfügt über keine solchen Restriktionen und erlaubt die Verwendung von freien Komponenten auch in kommerziellen Lösungen. Die in der Lizenz festgelegten Einschränkungen bezwecken lediglich den Schutz der freien Komponente selbst. So wird beispielsweise in einigen Lizenzmodellen verlangt, dass Veränderungen am Quelltext den gleichen Lizenzbestimmungen unterliegen müssen wie freie Komponenten - zum Beispiel die Lesser GNU General Public License (LGPL). Eine Forderung, die wohl niemanden davor abschrecken dürfte, solche Bausteine in der eigenen Software einzusetzen. Noch liberaler positioniert sich die im Apache-Projekt verwendete Apache-License. Die erlaubt es sogar, veränderte Versionen von Quelltext als eigenes Produkt zu vertreiben, solange dies unter einem anderen Namen geschieht.

Mit Ausnahme der GPL gelten praktisch alle relevanten Lizenzmodelle nur für die Open-Source-Software selbst, nicht aber für das Programm, in das sie integriert wird. Ergänzt man also einfach die eigene Anwendung um freie Komponenten samt ihrem Quelltext, ist die Verwendung unkritisch. Eine Übersicht über die gängigsten Lizenzen findet sich unter http://www.opensource.org.

Profitable Offshoring-Strategie

In Anbetracht solch liberaler Lizenzbedingungen stellt sich die Frage nach den Beweggründen von Herstellern, im Open-Source-Geschäft mitzumischen. Am Beispiel Sun Microsystems und IBM zeigt sich, dass auch IT-Riesen diesen Bereich als profitable Offshoring-Strategie entdeckt haben. So hat Sun vor einigen Jahren die damals in Deutschland ansässige Firma Star Division übernommen, um ein eigenes Office-System im Produktportfolio zu haben. Die Entwicklung der Anwendungen wurde unter dem Namen "Open Office" kostensparend in die Open-Source-Community ausgelagert. Natürlich arbeiten an diesem Projekt neben Freiwilligen auch bezahlte Mitarbeiter von Sun. Ähnlich verhält es sich mit anderen Projekten wie dem Web-Browser "Mozilla", der aus der Codebasis von Netscape entstand, auch wenn aufgrund seiner schlechten Qualität nichts mehr vom Ursprungscode übrig geblieben ist. IBM unterhält die freie integrierte Entwicklungsumgebung Eclipse, die auch als Basis für das kommerziell vertriebene "Websphere Studio" dient.

Was zählt, sind Marktanteile

Diese Beispiele zeigen, dass das Software-Produktgeschäft derzeit von vielen Firmen als unrentabel angesehen wird. Dies ist vor allem bei Desktop-Anwendungen der Fall. Der Versuch, ein neues Office-System am Markt zu platzieren, gibt wohl nur dann Sinn, wenn es gratis zu beziehen ist und zudem kostensparend weiterentwickelt werden kann. Hauptmotivation hierbei dürfte sein, ein eigenes, kostenloses und freies Produkt im Kerngeschäft eines Konkurrenten anzusiedeln, um diesem dort Marktanteile abzunehmen.

Etwas anders verhält es sich bei Firmen, deren gesamtes Geschäftsmodell auf Serviceleistungen für ein bestimmtes Open-Source-System beruhen. Beispiele hierfür sind Jboss, das einen freien J2EE-Application-Server entwickelt hat und lediglich an der Dokumentation und der Beratung für dieses Produkt profitiert. Hier dient das Engagement in der Community der Sicherung der Geschäftsgrundlage und weniger der Verdrängung von Mitbewerbern. Im Allgemeinen genießen solche Unternehmen zunächst nur einen guten Ruf unter Entwicklern. Schafft es ihre Software allerdings, in unternehmenskritischen Systemen produktiv eingesetzt zu werden, stellen sie für kommerzielle Anbieter eine ernst zu nehmende und sehr schwer zu greifende Konkurrenz dar.

Die wachsende Anzahl von hochwertiger freier Software, die in Unternehmen eingesetzt werden kann, stellt in immer mehr Anwendungsfällen eine echte Alternative dar. Neben Einsparungen durch die entfallenden Lizenzgebühren kann auch der eigene Entwicklungsaufwand in IT-Projekten verringert werden. Dies kann dem Markt positive Impulse geben, zumal es für etablierte Softwarehersteller sehr schwierig ist, eine Strategie gegen den kaum greifbaren Mitbewerber Open Source Community zu finden. Oft bleibt hier nur die Chance, durch verbesserte Qualität konkurrenzfähig zu bleiben, was dem Endkunden nur recht sein kann.

Selbst wenn Open-Source-Komponenten anders angeboten werden: Im Rahmen eines Gesamtprojekts muss der Dienstleister die Gewährleistung für die von ihm ausgewählte Open-Source-Software übernehmen. Spezialisierte Unternehmen, die das gegen Bezahlung in Form eines Wartungsvertrages für Open-Source-Software tun, bieten eine Alternative. (ue)

*Guido Laures ist Vice President Software Development bei der SPM Technologies GmbH in Berlin.

Angeklickt

Die Alternative zur Individualentwicklung hieß in der Vergangenheit kommerzielle Standardsoftware. Für manchen Anwender ist aufgrund der technischen Reife von Open-Source-Produkten eine weitere Option in der Systemauswahl entstanden. Doch wer findet im Dschungel der frei verfügbaren Programme die richtigen Angebote, integriert sie zu einer produktiv einsetzbaren Gesamtlösung und übernimmt die Gewährleistung für deren ausfallsicheren Betrieb? Hier entsteht eine neue Herausforderung für Dienstleister.

Bewährte Open-Source-Software

Betriebssystem / Linux / www.debian.org

Desktop-System / KDE / www.kde.org

Office-Suite / Openoffice / www.openoffice.org

Web-Browser / Mozilla / www.mozilla.org

CMS / OpenCMS / www.opencms.com

Web-Server / Apache / www.apache.org

Application-Server / Jboss / www.jboss.org

Datenbank / SAP DB / www.sapdb.org

IDE / Eclipse / www.eclipse.org