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15.10.1999

"Technisch unterscheiden sich Portale kaum"

Douglas Massingill, CEO des ERP-Anbieters J.D. Edwards, erklärt im Gespräch mit den CW-Redakteuren Christoph Witte und Hermann Gfaller, wie sich sein Unternehmen im E-Business behaupten will.

CW: Ist J.D Edwards auf E-Business vorbereitet?

Massingill: Wir sind hier so gut wie jeder andere.

CW: Sie meinen Ihr Web-Portal, das jetzt als Benutzeroberfläche Ihrer One-World-Software dient?

Massingill: Nicht nur; wir haben eine ganze Reihe von Produkten für E-Business ausgeliefert.

CW: Sehen Sie sich als Anbieter von E-Business-Infrastruktur?

Massingill: Geschäftsprozesse für Fertigung, Distribution und Handel haben bisher noch nichts mit E-Business zu tun. Aber die Entwicklung ist rasant. Wir müssen rasch die neue Software entwickeln, die die Anwender dafür brauchen. Derzeit ist es jedoch noch viel zu früh, um entscheiden zu können, welche Hersteller hier Gewinner oder Verlierer sind.

CW: Aber es spielt doch eine Rolle, wie sichtbar ein Unternehmen sich positioniert...

Massingill: Hier haben die Oracle-Marketiers besonders gute Arbeit geleistet. Auch die SAP ist jetzt ernst zu nehmen, auch wenn es noch viel zu tun gibt, um aus R/3 ein Internet-basiertes System zu machen.

CW: Wie unterscheiden sich die Konzepte?

Massingill: Technologisch unterscheiden sie sich kaum. Es geht darum, wie man damit auf Software anderer Anbieter zugreifen kann, wie gut sich damit Handelsgemeinschaften aufbauen lassen.

CW: Sind diese Portale mehr als eine Benutzer-Schnittstelle für das Web?

Massingill: Im Kern sind sie nichts anderes. Jeder muß heute ein Portal anbieten. Das ist eine Frage des zeitgemäßen Marketings. Aber Portale bieten auch echte Vorteile. Sie liefern den Rahmen, in dem sich die komplette Arbeitsumgebung eines Angestellten abbilden läßt, inklusive des Zugriffs auf Daten und Prozesse außerhalb der Firma.

CW: Was halten Sie von der Spekulation, daß Portale Kunden ähnlich an den Anbieter binden wie die Windows-Oberfläche an Microsoft-Anwendungen?

Massingill: Man kann sich als Anbieter hinstellen und sagen, man wolle den Desktop kontrollieren.* Ich weiß nicht, ob das etwas bringt. Ich bin auch nicht sicher, ob es funktionieren kann. Peoplesoft zum Beispiel baut ein Portal, das sich um Aufgaben des Personal-Managements rankt. Viele Peoplesoft-Kunden sind auch SAP-Anwender. Sollen diese Unternehmen nur ein einziges Portal verwenden? Ich kenne die Antwort nicht.

CW: Wie sehen die Preismodelle im Portalkonzept aus?

Massingill: Die Preismodelle beruhen bei allen Anbietern darauf, die Nutzung zu messen. Interessant ist hier Application-Hosting, bei dem per Transaktion abgerechnet werden soll. Daran zeigt sich, daß künftig nicht mehr die Nutzung durch den Kunden, sondern durch die Kunden des Kunden an Bedeutung gewinnt.

CW: Wie sehen Sie die Erfolgschancen von Application-Hosting?

Massingill: Nach unserer Einschätzung wird Web-Hosting in den kommenden drei bis vier Jahren 30 bis 50 Prozents des Markts für betriebswirtschaftliche Software einnehmen.

CW: Bedeutet das, daß ERP-Transaktionen nichts Individuelles mehr haben?

Massingill: Nein. Es wird aber bestimmte Bereiche geben, etwa bei Abrechnungsvorgängen, in denen Web-Hosting ausschließlich über den Preis funktioniert. Hier sind die Verträge kurz, und es gibt keine Anpassung an Kundenbedürfnisse und keinen Support.

CW: Das klingt nach dem, was die Datev hierzulande für die Lohn- und Gehaltsabrechnung macht.

Massingill: Ja. Ich glaube, daß die großen Telecom-Konzerne diesen Markt erobern wollen. Sie besitzen das Netz, und Abrechnungen schicken sie ihren Telefonkunden schon jetzt. Sie brauchen nur noch die neuen Dienstleistungen hinzuzufügen._VS:Am anderen Ende des Spektrums agieren Unternehmen, die Anwendungen zur Verfügung stellen, die ganz auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt sind. Das ist das Geschäftsfeld etwa von IBM Global Services. Hier geht es im Grunde um Outsourcing der SAP- oder J.D.-Edwards-Anwendung. Hier sind die Verträge sehr langfristig, und es geht um große Summen.

Den größten Kuchen sehen wir zwischen diesen Polen. Man könnte hier von teilweiser Kundenanpassung sprechen, weil hier die Anwender auf bestimmte Möglichkeiten verzichten müssen. Die Anbieter werden den Kunden eine Auswahl der SAP- oder J.D.-Edwards-Funktionen anbieten und sie zum Festpreis auf die Bildschirme der Anwender bringen. Hier sehen wir besonders große Chancen für unsere Software, weil sie modular aufgebaut ist und sich daher besser als Konkurrenzprodukte an die Bedürfnisse der Dienstleister und ihrer Kunden anpassen läßt.

CW: Ist es dem Kunden nicht gleichgültig, wie die Software aussieht, solange er auf die in seiner Rolle benötigten Funktionen zugreifen kann.

Massingill: Modularisierung ist wichtig. Man kann mit Rollenorientierung und Portalen bestenfalls einen Aufschub erreichen, ändert damit aber nichts an den technologischen Problemen. Ich will mich hier nicht in Glaubensfragen verstricken, aber ich bin überzeugt, daß die Modularität und unser Messaging-Verfahren uns eine Flexibilität geben, die der Markt braucht und die denen der Mitbewerber überlegen ist.

CW: Versucht die SAP mit dem Portalkonzept Zeit für die Modularisierung zu gewinnnen?

Massingill: Natürlich, und wenn ich die SAP leiten müßte, würde ich genau dasselbe tun. Diese Strategie ist auch im Interesse der Kunden. Wir werben mit Flexibilität, SAP mit seiner hohen Marktdurchdringung.

CW: Zurück zum Web-Hosting. Verlieren Sie keine Kunden, wenn diese nicht von Ihnen, sondern von Dienstleistern mit Anwendungen versorgt werden?

Massingill: Wichtiger als diese Frage ist momentan die Schaffung eines Markennamens. Unternehmen, die ihre Kunden nicht weltweit in ihrer Sprache unterstützen können, werden vom Markt verschwinden. Hier kommen die Portale ins Spiel. Sie erlauben es schneller als bisher, Funktionen zu den Anwendern zu bringen. Das Portal wird darüber hinaus eine neue Wertschöpfungskette ermöglichen.

CW: Wie soll das aussehen?

Massingill: Es wird Anbieter geben, die, wollen sie auf dem Portal der Kunden auftauchen, eng zusammenarbeiten müssen. Momentan versucht jeder mit jedem zu kooperieren.

CW: Werden in diesem neuen Geschäftsmodell Unternehmen zahlen, um einen Platz auf dem Portal zu bekommen?

Massingill: Ja. Die SAP hat eine Marktpräsenz , die es ihr erlaubt, wie etwa AOL Platz auf ihrem Portal an die Anbieter von Inhalten zu verkaufen. Es gibt keinen Grund, nur auf einem Portal präsent zu sein, schließlich werben auch andere um zahlende Mitglieder. Allerdings kann es sich nicht jeder leisten, dafür Millionen an Dollar zu zahlen.

CW: Wo sehen Sie J.D. Edwards in diesem Geschäft?

Massingill: Für das SAP- oder AOL-Konzept sind wir zu klein. Wir könnten Zugang zu Handelsgemeinschaften anbieten. Es gibt zum Beispiel noch keine derartige Einkaufsorganisation für die Stahlindustrie. Oder wir verdienen daran, unseren Kunden den Zugang zu SAP-Umgebungen zu ermöglichen.

CW: Entwickeln sich die Software-Anbieter mit ihren virtuellen Marktplätzen zu einer Drehscheibe für die verschiedenen Industrien?

Massingill: Es ist nicht vorstellbar, daß die großen Industrieorganisationen einem einzelnen Softwarehaus die Kontrolle über einen solchen Handelsplatz gestatten. Es kann daher sein, daß wir uns bei den Portalen der User einkaufen.