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27.02.1978 - 

Breitband-Kabelnetze als Schritt in kommunikatives Neuland:

Technische Möglichkeiten müssen ökonomisch zu bewältigen

MÜNCHEN (hz) - "Die technischen Möglichkeiten der Kabelkommunikation sind nur dann realisierbar, wenn sie auch organisatorisch und wirtschaftlich bewältigt werden können", stellte Professor Dr. Eberhard Witte vom Institut für Organisation der Universität München fest und löste damit breite Zustimmung aus. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen über die Bedeutung der Kabelkommunikation standen aktuelle Telekommunikationsformen wie Bildschirmtext und Videotext sowie das Breitband-Kabelnetz, das er als Schritt in kommunikatives Neuland bezeichnet.

Bei strenger Auslegung des Begriffes muß auch die Kommunikation über die bestehenden Fernmeldnetze der Deutschen Bundespost bereits als Kabelkommunikation verstanden werden. Tatsächlich vollzieht sich das Fernschsprechen, das Fernschreiben und die Faksimiledienste bereits auf Kabeln, die überdies den Vorteil haben, daß sie Punkt-zu-Punkt-Vermittlungen erlauben und damit für die Individualkommunikation geeignet sind. Der Nachteil liegt in der relativen Schmalbandigkeit der Übertragungskapazität. Dadurch werden Bewegtbilder praktisch ausgeschlossen und auch die und Standbild nur mit Einschränkungen möglich.

Immerhin ist die Deutsche Bundespost im Begriff, eine neue Telekommunikationsform mit der Bezeichnung Bildschirmtext einzuführen. Dieses neue System der - allerdings noch schmalbandigen - Kabelkommunikation wird im wesentlichen zur Information des Lehrers genutzt werden. Es ist für den unmittelbaren Einsatz im Unterricht wahrscheinlich nicht schnell genug und auch in der Wiedergabe der Schrift für den Ungeübten zunächst noch nicht voll befriedigend. Immerhin ist die Ausgabe einer Hardcopy möglich, wenn das System mit anderen Verfahren der Textkommunikation verbunden wird.

Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei an dieser Stelle sofort auf ein weiteres System der Textkommunikation as in Einführung begriffen ist. Es handelt sich um videotext, in Großbritannien Teletext genannt. Die Übertragung der Texte erfolgt hier innerhalb des drahtlos ausgestrahlten Fernsehbildes. Da die Fernsehübertragungstechnik die sogenannte Austastlücke ungenutzt hält, bietet sie die zusätzliche Übermittlung von Texten - gleichsam im Huckepack-Verfahren - an. Wir kennen dieses Verfahren bereits heute in der Form von Untertiteln oder Texteinblendungen in das Fernsehbild. Wenn das Verfahren systematisch weiterentwickelt wird, dann läßt auf einem gesonderten - gleichsam ausgespreizten - Textkanal auf der gerät ein Textumfang von bis zu 100 Seiten für aktuelle Informationen nutzen. Ebenso wie Bildschirmtext ist dieses Verfahren kostengünstig, wenn auch langsam und mit der heute verfügbaren Technik relativ leicht zu verwirklichen. Im Gegensatz zu Bildschirmtext ist der Umfang der übertragbaren Informationen eng begrenzt. Für die Nutzung im Rahmen der Bildungskommunikation scheinen sich mir nur begrenzte Möglichkeiten anzubieten.

Der eigentliche Schritt in kommunikatives Neuland wird durch die in Vorbereitung befindlichen Breitband-Kabelnetze getan. Sie verfügen über 30 Kanäle in Fernsehbandbreite. Um einen Einblick in die außerordentliche Kapazität der Kabelkommunikation zu gewinnen, sei angemerkt, daß in einem einzigen Fernsehkanal ein Textvolumen übertragen werden kann, das dem Inhalt von 100 Tageszeitungen entspricht. Wichtig ist auch zu erkennen, daß die Übertragung Von Texten und Festbildern in Breitbandkabeln praktisch ohne Wartezeiten realisierbar wird. Wegen dieser technisch und organisatorisch neuen Möglichkeiten spricht man in Abgrenzung zu Bildschirmtext und Videotext hier von Kabeltext und Kabelbild.

Für den Bildungsdialog - wie auch für andere Nutzungen - ist die Differenzierung in Einfacher Kabeltext, Kabeltext-Abruf, Individualkabeltext von Bedeutung. Der einfache Kabeltext stellt ähnlich wie Videotext, nur in wesentlich größerer Geschwindigkeit und unbegrenzter Menge - einem reinen Verteildienst dar.

Demgegenüber bietet der Kabeltext-Abruf die Mitwirkung des Teilnehmers an. An dieser Stelle ist ein ausschlaggebendes Merkmal der Breitband-Kabelkommunikation vorzustellen: Der Rückkanal. Die technische Ausrüstung des Kabelnetzes erlaubt es, die Verteilstruktur (einer kommuniziert mit vielen) umzukehren und als Sammelstruktur (viele kommunizieren mit einem) zu nutzen. Dadurch wird der bisher passive Partner aktiviert und zu einer echten Interaktion befähigt: Die Rückkoppelung zur Zentrale, in diesem Falle zum Lehrenden, kann im Echt-Zeit-Verfahren im Telekommunikationsprozeß bewältigt werden.

Die höchste Stufe von Kabeltext und Kabelbild wird durch den Individual-Kabeltext (Kabelbild) repräsentiert. Auch hier findet eine Interaktion im Sinne einer zweiseitigen Kommunikation statt. Im Gegensatz zum Abrufsystem wird eine individuelle Verbindung zwischen einer Lehrperson und einem Schüler aufgebaut.

Die technischen Möglichkeiten der Kabelkommunikation sind jedoch nur realisierbar, wenn sie auch organisatorisch und wirtschaftlich bewältigt werden können. Aber auch wenn sich unter diesen Aspekten eine Reälisierbarkeit des Kommunikationssystems ergibt, bleibt die Frage der tatsächlichen Nutzung im Bildungswesen noch offen. Man darf nicht übersehen, daß Bildungsprozesse zunächst inhaltlich bearbeitet werden müssen, bevor sie für die Telekommunikation aufbereitbar werden.