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Das digitale Universalnetz kommt langsam in Fahrt

Technische Möglichkeiten und rechtliche Probleme bei ISDN

28.02.1992

*Joachim Jung ist Leiter des Spezialvertriebs bei der Oberpostdirektion München Telekom.

Das Universalnetz der Telekom, ISDN, stellt eine Weiterentwicklung des digitalen Telefonnetzes dar. Die Planungen sehen vor, bis zur Jahrtausendwende das gesamte Telefonnetz zu digitalisieren. Die Umstellung erfolgt von der obersten Ebene, den Zentralvermittlungsstellen, zu den niedrigsten Netzebenen, den Endvermittlungsstellen.

ISDN ist 1988/89 eingeführt worden, mit dem Ziel, bereits Ende 1993 eine allgemeine Flächendeckung zu erreichen. Neben dem nationalen Ausbau konnte auch der internationale Netzbetrieb für den ISDN-Verkehr mit Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Japan, Dänemark, Belgien und den USA aufgenommen werden. Weitere Länder werden folgen. Mit der Einführung der Standards des Euro-lSDN wird die Telekom in der Lage sein, ihr Netz mit jedem Netzbetreiber auf der Basis des international standardisierten Zeichengabesystems zu verhinden.

Dienste des ISDN

Eines der wichtigsten Merkmale des ISDN ist die Tatsache, daß eine Vielzahl von Diensten über dieses eine Netz, einem Universalnetz, abgewickelt werden können. Es sind dies zum Teil bereits bekannte Dienste, wie der Telefondienst, der Teletexdienst, der Telefaxdienst Gruppe 4, Bildschirmtextdienst mit 64 kbit/s, leitungsorientierte Datenübermittlungsdienste mit 64 kbit/s, Zugänge zu Datex-P und Festverbindungen der Gruppe 2 und 3.

Für die nächsten Jahre ist die Realisierung weiterer Dienste vorgesehen. So wird im Frühjahr diesen Jahres der Bildtelefondienst angeboten, der neben der Sprachübertragung auch die Übertragung von bewegten Bildern ermöglicht. 1993 wird, nach heutigem Planungsstand, die Einführung eines paketorientierten DatenübermittIungsdienstes erfolgen.

Die Nutzungsmöglichkeiten des ISDN werden zunächst stark vom bisher bekannten Diensteangebot geprägt. ISDN bietet aber mehr Möglichkeiten als lediglich die Nutzung einzelner, weitgehend bekannter Dienste. Zusätzlich kann eine Reihe neuer Dienstmerkmale (Zusatzdienste) angeboten werden, die erst mit dem ISDN und seiner hochentwickelten Zeichengabe ermöglicht wird. Beispiele sind die Anzeige der Rufnummer des Anrufers, die vom Kunden freiprogrammierbare Anrufweiterschaltung, der Dienstewechsel während einer bestehenden Kommunikation, das Makeln, die Rückfrage, die Dreierkonferenz und andere.

Damit werden den Anwendern Möglichkeiten geboten, ihren Kommunikationsbedürfnissen entsprechend einen "Dienstemix" zu nutzen, der weit über das in bisherigen Netzen Gebotene hinausgeht. Mit der "Produktinnovation" im Dienstebereich werden somit beste Voraussetzungen geschaffen für "Anwendungsinnovationen" beim Kunden und für "Produktinnovationen" im Endstellenbereich.

Mit Hilfe des ISDN als Transportmedium wird die Telekom in der Lage sein, in den nächsten Jahren ihr "Intelligentes Netz" zu realisieren. Damit wird sie auf einfache und kostengünstige Weise Sprachmehrwertdienste anbieten. Auch andere Mehrwertdienste mit dem Universalnetz ISDN als Transportmedium sind denkbar. Hier steht die Entwicklung erst am Anfang.

Breite Endgerätepalette

Eckpfeiler des Telekom-Angebots an ISDN-Geräten sind die TK-Anlagen, die sich konsequent zu multifunktionalen Anlagen für die gesamte Bürokommunikation weiterentwickelt haben. Die Telekom bietet ihren Kunden eine Palette von flexiblen TK-Anlagen, die allen Anforderungen nach Übertragung von Sprache, Text, Bild und Daten in einem integrierten Kommunikationssystem gerecht werden.

Durch Kombination integrierter Terminaladapter oder durch Einbindung sogenannter Server können die TK-Anlagen zusätzlich zur "Voice-Nutzung" wichtige Aufgaben bei der gesamten internen und externen Datenkommunikation übernehmen. Abgerundet wird das ISDN-Endgeräteangebot durch Fernkopierer der Gruppe 4.

Kunden für ISDN

Das ISDN richtet sich mit seinem Diensteangebot und seiner großen Nutzungsvielfalt kurz- und mittelfristig vorwiegend an Geschäftskunden. Für das Eintreten in dieses Marktsegment sprechen auch die zu Beginn noch vergleichsweise hohen Endgerätepreise. Die Akzeptanz des ISDN bei den privaten Haushalten dürfte in hohem Maße von den Endgerätepreisen und von besonderen Anwendungen für diese Kundengruppe abhängig sein. Es ist deshalb zu vermuten, daß auf Grund der anfänglich noch hohen Kosten, in diesem Marktsegment in den ersten Jahren nach der Einführung noch keine größere Nachfrage entstehen wird. Ein Anspringen der privaten Nachfrage könnte langfristig durch die Einführung des Bildtelefondienstes begünstigt werden, sofern die erwarteten Preissenkungen bei den Endgeräten tatsächlich eintreten werden.

Nachfrage ISDN

Bei der Betrachtung der Absatzzahlen für ISDN muß zwischen den Basisanschlüssen und den Primärmultiplexanschlüssen unterschieden werden. Die letzteren werden ausschließlich in Verbindung mit größeren TK-Anlagen genutzt. Hiervon hat die Telekom bis Ende 1991 5590 Anschlüsse abgesetzt. Von den Basisanschlüssen, die vor allem für kleinere Unternehmen interessant sind, wurden bis Ende 1991 über 59 000 Anschlüsse vermarktet. Obwohl vor der Einführungsentscheidung versucht wurde, die Chancen und Risiken abzuschätzen, und obwohl in Pilotprojekten die Technik erprobt wurde, wurde dennoch von der Telekom völliges Neuland betreten.

Erfahrungen anderer Netzbetreiber lagen nicht vor, ein gesichertes Prognosemodell gab es ebenfalls nicht. Damit war auch das Marktverhalten der potentiellen Nutzer nur schwer abschätzbar. Obwohl die Nachfrage in den ersten Monaten nicht wie erwartet verlief, zugesagte ISDN-Endgeräte von der Industrie nicht geliefert wurden, Kritiker bereits den "ISDN-Flop" beschworen, können sich heute die Ergebnisse auch im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen.

Anwendunsförderung

Mit den verkauften 59 000 Basisanschlüssen und den fast 5600 Primärmultiplexanschlüssen ergeben sich fast 286 000 sogenannte B-Kanäle. Zum Vergleich in Frankreich beträgt der Wert etwa 100 000 und in Japan etwa 130 000 verkaufte B-Kanäle. Derzeit ergibt sich ein monatlicher Absatz von etwa 15 000 B-Kanälen. Es ist darüber hinaus zu erwarten, daß diese Absatzzahlen mit fortschreitender Flächendeckung weiter ansteigen. Für viele Großkunden der Telekom wird der unternehmensweite Einsatz von ISDN erst mit der Flächendeckung besonders interessant.

Während der Absatz von Primärmultiplexanschlüssen aufgrund der besonderen finanziellen Vorteile fast von alleine läuft, sind für die Basisanschlüsse weitergehende Aktivitäten notwendig. So wurde beispielsweise der ISDN-Basisanschluß mit interessanten Anwendungen als Paket angeboten. Insbesondere die Förderung von PC-Adapterkarten hat zu einer merklichen Akzeptanzsteigerung geführt.

Im Hinblick auf die große Zahl der in der Wirtschaft eingesetzten PC und auf der Basis des ständig wachsenden Angebots an PC-Adapterkarten für die Kommunikation über ISDN liegt hier ein hohes Potential für Neuanschlüsse.

Diese Initiativen und Werbemaßnahmen der Telekom über Technik, Wirtschaftlichkeit und Einsatzmöglichkeiten des ISDN haben sich als ergänzungsbedürftig erwiesen. Es wurde deshalb eine besondere ISDN-Anwendungsentwicklung und -förderung eingeleitet. Die Aufgabe dieser Förderung besteht darin, besondere Anwendungen zu erkunden, zusammen mit den jeweils Beteiligten Anwendungsprojekte zu definieren und die Anwender bei der Realisierung eines solchen Projektes finanziell und personell zu unterstützen. Das Ergebnis sind jeweils beispielhafte Anwendungen, die anderen potentiellen ISDN-Nutzern zur Übernahme empfohlen werden können.

Telekom und Euro-lSDN

Die Telekom hat sich gemeinsam mit weiteren 25 Netzbetreibern aus 20 Ländern im Rahmen eines Memorandum of Understanding (MoU) zur koordinierten Einführung eines europaweiten ISDN verpflichtet. Sie wird Euro-ISDN 1993 mit einem Basisangebot einführen, das umfangreicher ist, als das vorgeschriebene Mindestangebot. Da der Schnittstellenstandard des heute in Betrieb befindlichen ISDN und des zukünftigen Euro-ISDN nicht identisch sind wird die Telekom ihren Kunden am Basisanschluß beide Standards anbieten. Damit können an einem Basisanschluß sowohl Endgeräte nach dem derzeitigen nationalen Standard als auch nach dem Eurostandard betrieben werden. Bei Anschlüssen, die auf ISDN-TK-Anlagen geschaltet sind, wird beim Einrichten die jeweilige Betriebsart festgelegt.

Mit der Einführung des Euro-ISDN wird ein, im Vergleich zu den nationalen Märkten, um ein Vielfaches größerer Endgerätemarkt eröffnet. Es ist zu erwarten, daß davon die Entwicklung von Endgerätelösungen angeregt wird und daß gleichzeitig die Endgerätepreise auf ein Niveau sinken, das für den Massenmarkt akzeptabel ist.

ISDN und Datenschutz

Über die im ISDN zur Gebührenabrechnung und -aufklärung notwendige Speicherung von Verbindungsdaten einschließlich der Zielrufnummer, über den Ausdruck dieser Daten im Einzelgebührennachweis auf Antrag des Kunden sowie über die Rufnummeranzeige wird in der Öffentlichkeit eine engagierte Diskussion geführt. Die Telekom hält sich in der Bereitstellung ihrer Dienstleistungen sowohl an die Bestimmungen der Telekom-Datenschutzverordnung (TDSV), als auch an die Verordnung über den Datenschutz für Unternehmen, die Dienstleistungen im Telekommunikationsbereich erbringen (UDSV). Die Telekom stellt dem zahlungspflichtigen Kunden frei, in welchem Umfang seine Verbindungsdaten gespeichert werden. Er hat im wesentlichen folgende Wahlmöglichkeiten:

- vollständige Löschung der Verbindungsdaten nach Rechnungsversand,

- Speicherung der Verbindungsdaten mit um die letzten drei Stellen verkürzter Zielrufnummer, oder

- vollständige Speicherung der Verbindungsdaten.

Mit dem Antrag auf Einzelgebührennachweis fordert die Telekom auch das Einverständnis aller Mitbenutzer eines Telefons im Haushalt. Firmen und Behörden haben falls notwendig die Zustimmung der Personalvertretung einzuholen.

Bei der Rufnummeranzeigen kann der Kunde sich generelI entscheiden, ob bei seinem Anschluß abgehende Anrufe ständig die Rufnummer beim Angerufenen angezeigt wird oder nicht. Im Euro-ISDN wird die Rufnummer zusätzlich fallweise unterdruckbar sein.

Mitspracherecht des Betriebsrates

Generell gilt, daß das Unternehmen bei jeder durch das ISDN ermöglichten Verhaltens- und Leistungskontrolle der Mitarbeiter das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats zu beachten hat. Bereits in der Überlegungs- und Planungsphase sind Gespräche mit dem Betriebsrat geboten, die sinnvollerweise zum Abschluß einer Betriebsvereinbarung führen sollten. Dabei kommt dem betrieblichen Datenschutzbeauftragten eine maßgebliche Rolle zu.