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05.03.1999 - 

Technische Überlegungen allein reichen nicht aus

Technische Überlegungen allein reichen nicht aus Server-Konsolidierung birgt hohe Risiken

MÜNCHEN (CW) - Die Zusammenführung verteilter Server-Systeme in ein Rechenzentrum soll Kosten einsparen und die Verwaltung vereinfachen. Doch der Weg zur konsolidierten IT-Infrastruktur ist steinig und erfordert eine genaue Analyse und Planung.

Server-Konsolidierung kann Betreibern großer, verteilter IT- Infrastrukturen erhebliche Kostenersparnisse einbringen. Das Marktforschungsinstitut International Data Corp. (IDC) geht davon aus, daß sich etwa in Midrange-Installationen durch die Zusammenlegung von Rechnern mehrere 100000 Dollar einsparen lassen. Für Mainframe-Umgebungen rechnet das Institut mit Kostenvorteilen in Höhe von einer bis über acht Millionen Dollar, abhängig von der Größe der Rechenzentren. Dem Trend folgend bilden Unternehmen wie IBM oder jüngst auch Sun (siehe CW 8/99, Seite 1) eigene Unternehmenszweige und Dienstleistungszentren, um ihren Kunden bei der Konsolidierung behilflich zu sein. Im Hintergrund steht dabei auch immer der Gedanke, Kunden stärker an die eigenen Produkte zu binden und neue Systeme zu verkaufen.

IDC hat verschiedene Zusammenschlüsse verteilter Infrastrukturen und die unterschiedlichen Herangehensweisen analysiert. In einer kürzlich veröffentlichten Studie warnt das Marktforschungsinstitut vor möglichen Risiken. Eine schlecht geplante Konsolidierung mehrerer Rechenzentren oder verteilter Systeme könne auf Jahre hinaus Kosten verursachen, die weit über den Einsparungsmöglichkeiten liegen. Kostenreduktionen bei Hard- und Software könnten beispielsweise durch drastische Steigerungen der Kommunikationsausgaben wettgemacht werden.

Auf der technischen Seite können Inkompatibilitäten zwischen Hard- , Software und den Datenbeständen verteilter Umgebungen ein Konsolidierungsprojekt in Frage stellen. Die Konvertierung einer vom Kunden eigenentwickelten Applikation auf eine neue Hardwareplattform verursacht hohe Kosten. Auch die Migration von Datenbeständen in andere Formate oder Datenbanksysteme birgt Risiken. "Der Wechsel eines Betriebssystems alleine ist schon riskant, selbst wenn man eine Datenbank verwendet, die für verschiedene Systeme angeboten wird", warnt auch Robin Bloor vom Marktforschungsinstitut Bloor Research.

Mögliche Programmfehler oder Datenverlust bei der Konvertierung verursachen teure Ausfallzeiten und zusätzliche Ausgaben bei der Nachbesserung. 1995 beispielsweise fusionierten die zwei US- Krankenversicherungen Homedco und Addey Healthcare, schreiben die IDC-Analysten. Der überhastete Versuch, die inkompatiblen Abrechnungssysteme und Datenbestände zu migrieren, mißlang. Das neue Unternehmen mußte deshalb über Jahre Umsatzeinbußen hinnehmen und war bis 1998 nicht mehr profitabel.

Laut IDC scheitern viele Konsolidierungen auch an personellen Unstimmigkeiten. Außenstellen mit eigenen IT-Verantwortlichen geben die Kontrolle nur ungern an zentrale Manager ab oder verhalten sich unkooperativ, um das bestehende Modell und damit ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Die Marktforscher bewerten das Risiko durch menschliche Probleme sogar höher als Schwierigkeiten durch technische Inkompatibilitäten.

Erzwungene Zusammenführungen von Systemen beispielsweise durch Firmenübernahmen sind laut der Studie am meisten gefährdet. Rund die Hälfte dieser Konsolidierungen gehen dem Bericht zufolge schief. Auch hier stehen weniger technische als personelle Aspekte wie Konkurrenzdenken innerhalb einer Abteilung oder Unstimmigkeiten zwischen den IT-Verantwortlichen im Vordergrund.

Eine feindliche Übernahme der First Interstate Bank durch Wells Fargo im Jahr 1996 verursachte beispielsweise einen finanziellen Verlust von über 150 Millionen Dollar durch eine gescheiterte Konsolidierung der Rechenzentren. Die IT-Abteilung der übernommenen Bank hatte geschlossen gekündigt, und die EDV-Kräfte von Wells Fargo alleine schafften die Integration der fremden Infrastruktur nicht ohne Systemausfälle und damit verbundene Datenverluste.

Nach Einschätzung der IDC-Analysten muß daher jeder Konsolidierung eine intensive Kosten-Nutzen-Analyse vorausgehen. Nur wenn diese langfristige Einsparungen verspricht, sollte überhaupt mit einer praktischen Planung begonnen werden. Die Autoren der Studie weisen zudem darauf hin, daß nicht jede Zusammenführung dezentraler DV- Systeme automatisch zu niedrigeren Verwaltungskosten führt. Sollten sich nur einmalige Kostenersparnisse etwa durch geringere Rechnerzahlen ergeben, könnten die Kosten des Konsolidierungsprozesses selbst diese Einsparungen zunichte machen.

Oberste Prämisse bei derartigen Projekten müssen niedrigere Unterhaltskosten sein, die dann auch neue Anschaffungskosten für Hardware rechtfertigen.

"Die Zentralisierung des System- und Netzwerk-Managements verspricht auf lange Sicht hohe Kostenersparnisse", bestätigt Mark Lillycrop vom Marktforschungsunternehmen Xephon.

IBM hat beispielsweise in einer eigenen Niederlassung in Rochester ein auf 150 PC-Servern basierendes Mail-System mit Notes auf drei zentrale AS/400-Server migriert - ein Konsolidierungsmodell, das nicht nur beim Hersteller selbst vorzufinden ist. Da eine plattformübergreifend verfügbare Standardsoftware verwendet wurde, sind keine Inkompatibilitäten entstanden. Der Verwaltungsaufwand konnte jedoch langfristig reduziert werden.

Einer ersten Nutzenanalyse (siehe Kasten) muß eine exakte Planung der Vorgehensweise und der involvierten Mitarbeiter folgen. Die Marktforscher fordern hier einen Vorlauf von mindestens einem Jahr und verweisen auf die Notwendigkeit einer umfassenden Planung, die weit über die rein technischen Aspekte hinaureicht. Sie gehen dabei soweit, daß sie Faktoren wie eine Routenplanung für die Fahrzeuge, welche die Datenbänder aus einem Rechenzentrum von einem Ort zu einem anderen transportieren, einbeziehen.

Laut IDC ist es am sichersten, wenn die IT-Verantwortlichen eines Unternehmens oder einer zu fusionierenden Firma selbst die Analyse, Planung und Realisierung der Konsolidierung in die Hand nehmen. Zwar gebe es eine Reihe erfahrener Berater bei unabhängigen Unternehmen oder bei Herstellern. Letztendlich seien die erfolgreichsten Konsolidierungen großer Rechenzentren in der Vergangenheit aber in Eigenregie der Unternehmen vollzogen worden. Robin Bloor von Bloor Research teilt diese Ansicht nur zum Teil: "Das hauseigene IT-Personal hat langfristige Erfahrungen mit den eigenen Systemen und weiß, welche Aufgaben sie erfüllen müssen." Dennoch empfiehlt Bloor, externe Berater bei der Analyse und Planung einzuschalten. "Externe Konsolidierungsspezialisten kennen die Probleme vieler verschiedener Zentralisierungsvorgänge. Sie können einige Probleme besser erkennen, die das hauseigene Personal eventuell übersieht.

Kosten-Nutzen-Analyse

Bevor die Planung einer Konsolidierung beginnt, ist eine Kosten- Nutzen-Analyse notwendig, argumentiert IDC. Nur wenn diese Analyse merkliche Einsparungen verspricht, sollte überhaupt mit der Konzeption angefangen werden. Die Analyse muß folgende Punkte berücksichtigen:

-Betriebsräume: Eine konsolidierte Umgebung stellt andere Anforderungen an die räumlichen Verhältnisse als verteilte Systeme. Aspekte wie Klimatisierung und Absicherung des Raums kommen hinzu.

-Hardware-Infrastruktur: Die Zusammenführung mehrere Server- Systeme erfordert die Anschaffung neuer, leistungsstärkerer Systeme. Zudem muß im Regelfall eine neue Netzinfrastruktur mit Hubs, Routern und Switches gekauft werden.

-Übergangslösungen: Eine Konsolidierung erfordert oft den Einsatz von Hard- und Software, die nur in der Übergangszeit bis zum endgültigen Abschluß der Migration benötigt wird. Mit Miet- oder Evaluationsverträgen können Kosten reduziert werden.

-Sicherungssysteme: Zusammengeführte Server-Systeme erfordern eine wirksamere Absicherung von Datenbeständen und Rechnern als verteilte Umgebungen. Je nach Anwendung müssen hier komplett neue Sicherungskonzepte evaluiert und leistungsfähigere Backup-Systeme und Ausfallsicherungen angeschafft werden.

-Kommunikation: Durch Server-Konsolidierung ändert sich das Kommunikationsaufkommen zu Außenstellen und externen Mitarbeitern drastisch. Ob Einsparungen oder erhöhte Kosten auftreten, hängt von den eingesetzten Applikationen ab.

-Lizenzkosten: Das Lizenzmodell der verwendeten Software muß eventuell geändert werden, um sinnvoll Kosten zu reduzieren. Es kann nötig sein, von dem Schema Lizenz pro Server umzusteigen auf Lizenz pro Arbeitsplatz.

-Verwaltung und Wartung: Hier liegen die größten Einsparmöglichkeiten einer zusammengeführten Umgebung. Die Wartungsverträge und Verwaltungssysteme müssen jedoch an die konsolidierte Umgebung angepaßt werden.

-Personal: Die Personalplanung muß nicht nur die Zuständigkeit für den eigentlichen Konsolidierungsprozeß festlegen. Wichtig ist auch, welche Aufgaben die Mitarbeiter nach der Zusammenführung übernehmen, speziell wenn ihr bisheriger Arbeitsplatz durch die Änderungen der Struktur wegfällt.