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18.01.1991 - 

Laptops als universelle Informationsstationen

Techno-Entwicklung verändert die Arbeit mit tragbaren Rechnern

TOKIO/MÜNCHEN (jm) - Drei Dinge zeichnen nach Meinung von Katsuichi Tomita, General Manager bei der NEC Corp., den Laptop der Zukunft aus: Wie bei TV-Geräten wird der Anwender auch beim Tragbaren Farbe bevorzugen; statt lediglich auf Tastatur-Input reagiert der Mobil-PC auf die individuellere Handschrifteneingabe. Scheckkartengroße Speichererweiterungen anstelle von rödelnden Peripherielaufwerken sollen die flexiblen Rechner ins Bantamgewicht umgruppieren. Verlierer könnten schwerfällige Desktop-PCs sein.

Mit solch utopisch anmutenden Ideen scheint die Laptop-Industrie in Japan die herkömmlichen Rechnertypen ins Marketing-Abseits stellen zu wollen.

Längst schon verwischen sich die ehedem klaren Grenzen zwischen Tischgeräten und Tragbaren. Die technischen Charakteristika nähern sich zunehmend einander an, die mobilen Bitverarbeiter stehen ihren tischlägerigen Brüdern in vielen Leistungsmerkmalen kaum mehr nach.

Hochwertige RISC-Architekturen - Toshiba etwa, Sony und RDI/Trigem mit dem Gemeinschaftsprodukt "Brit Lite" können mitbieten - lassen sich mittlerweile ebenso herumtragen wie feinauflösende Farbdisplays, Festplattenkapazitäten jenseits der 100-MB-Grenze sind ebenfalls keine Seltenheit mehr. Unter anderem Big Blue hievte die Rechenleistung von CISC-Laptops in die Heavy-Weight-Klasse der 486-Systeme, wegen des erhöhten Stromverbrauchs wird sich diese CPU-Power jedoch nur in netzstrombetriebenen Tragbaren wiederfinden.

Kein Wunder, daß PR-Mann Peter J. Bisa von Toshiba nicht müde wird, Journalisten das Requiem auf den Desktop-PC vorzuspielen. Ebenfalls nicht ohne Grund drücken die im Standardisierungsgremium für PC-Speicherkarten, der Japan Electronic Industrial Development Association (JEIDA), organisierten Hersteller ihre hohen Erwartungen auf ein sehr erfolgreiches 1991 für tragbare Rechner aus: In diesem Jahr werden nach ihrer Einschätzung erstmals die tragbaren Rechner ebenso hohe Verkaufszahlen aufweisen können wie Desktops.

Allein die sogenannten Notebooks hatten 1990 nach Angaben der JEIDA einen Anteil von 22 Prozent an allen verkauften PC-Systemen, für die nahe Zukunft prognostiziert man fast eine Verdoppelung auf zirka 40 Prozent.

Schon innerhalb der ersten sechs Monate 1990 verkauften die drei Großen im japanischen Laptop-Geschäft - NEC, Toshiba und Epson - knapp 330 000 dieser mobilen Kleinrechner.

Um diesen Kauf-Boom zu unterstützen, sind die Hardwarehersteller bestrebt, tragbare Rechner zu multifunktionalen Informationsstationen weiterzuentwickeln. Als Leichtgewichte haben sie Tischmodellen prinzipiell schon einmal das wesentliche Argument völliger Mobilität voraus.

Nicht aus Japan sind zwei Unternehmen, die die tragbare Zukunft mitgestalten wollen: Die Empruve Inc. aus Knoxville, US-Bundesstaat Tennessee, will der Öffentlichkeit in zwei Monaten demonstrieren, welches sie für das Laptop-Konzept der kommenden zehn Jahre hält. Der Name des besonders für Multimedia-Anwendungen gedachten Rechners ist Programm: "Cornucopia", ein Füllhorn an Möglichkeiten also, sei der Mobil-PC nach Meinung seiner Entwickler.

Gemäß den bisher vorliegenden Informationen besitzt Cornucopia zwei LC-Displays - einen 10-Zoll-Monitor im Hochkantdesign für Text und Grafik sowie einen 4-Zoll-Farb-Screen für Video- und Standbildanwendungen.

Statt der herkömmlichen Tastatur entschieden sich die Einpruve-Ingenieure für ein Hybrid-Eingabemedium aus Joystick und Maus. Außerdem kann der Anwender sich über eingebaute Stereo-Lautsprecher beschallen lassen.

An Massenspeichern verfügt der Benutzer neben einer konventionellen 20-MB-Festplatte über ein CD-Laufwerk. Angetrieben wird der Rechner von einer 386-CPU.

Schönheitsfehler des zwischen 3900 und 4900 Dollar veranschlagten Knoxville-Mobilen: Er wiegt mit knapp sieben Kilogramm entschieden zuviel. Hier könnte sich laut Designer Sean Kitzmiller allerdings noch einiges ändern. Futuristischer und technologisch noch konsequenter weitergedacht mutet der Prototyp eines Laptops an, den der Münchner Peter Naumann entworfen hat. Für "Black Jack", Anwärter auf einen Preis für schöneres Computern, sucht der Designer zwar erst noch einen Hersteller, der das Modell auch baut, jedoch scheint die Konzeption sowohl technisch als auch ergonomisch richtungsweisend. Statt der üblichen Speicherperipherie soll Black Jack nur noch mit RAM-Cards arbeiten. Die PC-Karten-Technologie eignet sich neben der Funktion als Massenspeicher-Ersatz vor allem zur Aufnahme kompletter Software-Anwendungen.

Konsequenterweise sind in der PCMCIA-Vereinigung führende Softwarehäuser wie Microsoft, Lotus, Wordperfect und Travelling Software als Mitglieder vertreten. Der Anwender wird möglicherweise in Zukunft komplette Applikationen neben seinen Kreditkarten im Geldbeutel mit sich herumfragen.

Den PC-Karten gehört auch schon wegen ihres Gewichts gegenüber herkömmlichen Peripherie-Laufwerken die Zukunft. Schließlich können auch Notebooks nicht beliebig miniaturisiert werden, zumindest werden ja die Finger der Anwender nicht kleiner. Deswegen glaubt Shoji Hiroe, Division Executive bei Toshiba, das Modell T1000SE sei von den Maßen das Äußerste dem Anwender Zumutbare und nur am Gewicht sei noch etwas herauszuholen.

Der in das Grundchassis von Black Jack mit einem Drehfuß eingearbeitete Farbbildschirm ist vertikal und horizontal schwenkbar, serielle und parallele Schnittstellen mit Mikrowellen-Empfänger befreien den Anwender von lästigem Kabelsalat. Die geteilte Tastatur erinnert stark an Entwürfe in Ergonomiestudien, wie sie die ehemalige Nixdorf AG in der Vergangenheit bereits präsentierte, eine integrierte Maus samt zweier Funktionstasten dient als zusätzliches Eingabemedium.

In der Monitorentwicklung scheint Toshiba durch seine Technologie-Kooperation mit der IBM eine Führungsrolle eingenommen zu haben. Erstes Produkt der - noch nicht gemeinsamen - Forschungsarbeit ist der im November 1990 vorgestellte "T3200SXC", den die Japaner mit einem Thin-Film-Technology-Monitor (TFT) ausliefern. Insgesamt erst drei Hersteller weltweit scheinen in der Lage zu sein, auf dieser Technologie basierende Displays zu produzieren.

Bildschirm verbraucht noch zuviel Strom

Der dem VGA-Grafik-Standard entsprechende und 256 aus etwa 185 000 Farben darstellende TFT-Bildschirm verbraucht allerdings noch zuviel Strom, um an netzunabhängigen PCs betrieben werden zu können, außerdem muß der Anwender bislang noch die Kröte des extrem hohen Preises für TFT-Screens schlucken. Wohl deshalb versicherte sich Compaq der Hilfe von LC-Display-Hersteller In Focus Systems Inc., um bei seinen zukünftigen Laptops Farbe in Flachbauweise bieten zu können.

Schließlich arbeiten die Hardware-Entwickler auch daran, den tragbaren Rechner für den Netzwerk-Betrieb fit zu machen. Abgesehen von Erweiterungsboxen wie von Compaq und Toshiba für zusätzliche Schnittstellen, die etwa Netzwerk-Karten aufnehmen, wird man dazu übergehen, entsprechende Anschlußmöglichkeiten wie Ethernet-Ports gleich in die mobilen Systeme einzubauen. Für DFÜ bieten mittlerweile bereits verschiedenste Hersteller integrierte Modemsteckplätze für entsprechende Kartenzusätze.

Solchermaßen ausgestattete Laptops oder Notebooks könnten in näherer Zukunft die Investitionsentscheidungen von Unternehmen beeinflussen, die bislang beim PC-Kauf ausschließlich auf Desktop-Varianten fixiert waren. Bei General Motors setzt man das mobile Konzept bereits um: Der europäische Hauptsitz in Zürich wird konsequent mit tragbaren Rechnern ausgestattet, die sich als Arbeitsplatz-Rechner auch im unternehmensweiten LAN im Einsatz befinden.