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12.04.1991 - 

3D-Grafik-Library an Microsoft lizenziert

Technologie-Austausch: Compaq steigt bei Silicon Graphics ein

MOUNTAIN VIEW/MÜNCHEN (ciw) - Die Compaq Corp., Initiatorin des amerikanischen "Ace"-Konsortiums, das sich die Entwicklung eines Workstation-Standards auf die Fahne geschrieben hat, beteiligt sich mit 13 Prozent an der Silicon Graphics Inc. Außerdem

gab der Grafikspezialist und Hersteller von Hochleistungs-Workstations die Lizenzierung seiner "Iris Graphics Library" (GL) an Microsoft zur Integration in Windows und OS/2 bekannt.

Die als "strategisch" apostrophierte Partnerschaft zwischen Compaq und Silicon Graphics schließt ein Technologie-Abkommen ein, für das die Texaner neben den 135 Millionen für die eigentliche Beteiligung weitere 50 Millionen Dollar aufbringen. Auf diesem Wege will man sich gegenseitig Kenntnisse aus verschiedensten Gebieten zur Verfügung stellen. Silicon Graphics soll seine Erfahrungen der Integration von RISC und Grafik-Technologien, einschließlich der Iris Graphics Library, beisteuern, während

Compaq seine Erfahrungen auf den Gebieten EISA-Bus, VLSI-Design und Produktion von großen Stückzahlen bereitstellt.

"Wir werden gemeinsam mit Compaq neue Definitionen für Workstations erarbeiten, die sowohl die Grafik als auch die Prozessorebene selbst betreffen", erklärt Matthias Ehrlich, Marketing-Leiter bei Silicon Graphics Deutschland, die Bedeutung des Abkommens auch in Hinblick auf das Workstation-Konsortium. Darüber hinaus sei ein großes Entwicklerteam des Grafikspezialisten bereits seit geraumer Zeit bei Mips Computer Systems tätig, um die eigenen Erfahrungen mit Multiprocessing-Unix einzubringen. "Der R4000 wird bereits auf Chip-Ebene ausgeprägte Multiprozessorfähigkeiten aufweisen, und da wir in diesem Bereich eine Menge Know-how haben, stellen wir das Mips zur Verfugung.

Kurt Dobitsch, Chef der Compaq Deutschland GmbH, will das Abkommen nicht in direktem Zusammenhang mit der Etablierung der sogenannten Ace (Advanced Computing environment) sehen, in der sich Compaq, Microsoft, Dec, Mips, Silicon Graphics und andere mit dem Ziel zusammengefunden haben, einen Standard für Low-end-Workstations zu schaffen (siehe auch CW Nr 8. vom 22 Februar 1991, Seite 1, "US-DV-Koalition will...): "Diese Vereinbarung ist in sich völlig abgeschlossen und hat nichts mit einer generellen anderen Strategie zu tun. Dabei", schwächt er seine eigene Aussage ab, "schließt das eine das andere ja nicht aus". Offiziell sieht Compaq den Deal demnach in erster Linie als Möglichkeit zum Technologie-Austausch, der den eigenen Anspruch auf "technologische Führerschaft" unterstreiche.

Die Erklärung von Compaq-Boss Rod Canion läßt hingegen Raum für weitere Spekulationen: "Compaq und Silicon Graphics bauen eine langfristige strategische Partnerschaft auf. Die Kombination aus der dominierenden Rolle von Silicon Graphics bei fortschrittlichen Technologien wie zum Beispiel im Bereich der Computergrafik und unserer fahrenden Rolle auf dem Markt für professionelle Computer wird die Computerindustrie stark beeinflussen."

Für den Kauf von 2,7 Millionen Vorzugsaktien im Nominalwert von 50 Dollar bezahlen die Texaner 135 Millionen Dollar. Diese Vorzugsaktien sind stimmberechtigt und repräsentieren einen Anteil von 13 Prozent an den Stammaktien der ehemaligen Control-Data-Division. Allerdings verfügt der Workstation-Hersteller über eine Rückkauf-Option, die jedoch nur unter bestimmten Bedingungen und erst ab dem dritten Jahrestag der Aktienemission in Kraft treten kann.

Ob man den Vertrag nun als Schachzug der Texaner im Kampf um die Vorherrschaft im WS-Konsortium betrachtet oder ob es lediglich um besagten technischen Austausch geht, Silicon Graphics profitiert in jedem Fall: "Dieses gegenseitige Abkommen ermöglicht es uns, in Zusammenarbeit mit Compaq zahlreichen Anwendern leistungsstarke neue Technologien anzubieten", so Edward R. McCracken, Präsident und CEO des Unternehmens. Die Betonung liegt sicher auf "zahlreich", denn bisher konnte die Grafik-Company - trotz ihres hervorragenden Rufs - Kunden nur im begrenzten Kreis von Wissenschaft und HighTech gewinnen.

Das gleiche gilt für die Lizenzvereinbarung mit Microsoft. Mit Hilfe dieses Abkommens soll die 3D-Technologie auch für PC-Anwender verfügbar gemacht werden. Es geht vor allem um die Graphics Library, die der Softwaregigant in Zukunft, sowohl in seine Betriebssysteme als auch in seine Applikationssoftware integrieren kann.

Systeme, die mit der Library ausgestattet sind, werden zum Beispiel in der Architektur, im Produktdesign und in der Computeranimation eingesetzt. "Die Integration der Features von Iris Graphics Library in die Betriebssysteme von Microsoft wird den Markt für 3D-Computing stark anwachsen lassen" freut sich denn auch McCracken.

Microsoft gewinnt durch dieses Abkommen ebenfalls: "Die Einbindung der 3D-Grafik-Technologie in unsere Plattformen kann zu neuen aufregenden Features in exisitierenden und zukünftigen Produktkategorien führen", so Microsoft-Chairman und CEO, Bill Gates. Keine Frage, welche Produktkategorien Gates meint: OS/2 3.0 und die 32-Bit-Version von Windows. Beide sollen, so behaupten zumindest Insider, prozessorunabhängig agieren können und sollen Multitasking-fähig sein. Dabei soll für OS/2 in seiner runderneuerten Version 3.0 auch Multiprozessorfähigkeit vorgesehen sein.

Zusammen mit der 3D-Grafik-Technik, die Silicon Graphics beisteuert, verfüge der Softwaregigant, so das "Wall Street Journal", "über eine neue Waffe im Kampf mit seinem Softwarerivalen Unix, der bei Power-Workstations bislang zum Standard gehört".