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Von der Dynamik der Haussephase ist nicht mehr viel übrig, doch:


05.08.1983 - 

Technologieaktien bleiben weiter gut im Kurs

Die meisten Aktienbörsen der Welt treten jetzt, da sich der Beginn einer der eindrucksvollsten Haussephasen In der Börsengeschichte zum ersten Mal jährt, im wesentlichen auf der Stelle. Schon seit Mai ist nirgendwo mehr die Dynamik der ersten Monate zu spüren. Auch dürften die Kursgewinne während der zweiten Phase dieser Hausse nicht mehr alle Bereiche erfassen, sondern sehr viel selektiver ausfallen. Dies gilt besonders für Technologieaktien.

Zu einer weitreichenden Korrektur nach unten ist es bislang aber trotz aller Unkenrufe nicht gekommen, obgleich gerade in jüngster Zeit die Besorgnis über wieder nachhaltig steigende Zinsen wenigstens nach außen hin als Anlaß für einen Rückschlag hatte dienen können. Vor allem technisch ausgerichtete Börsenanalytiker halten einen ausgedehnten Kursrückgang für immer unwahrscheinlicher. Sie glauben vielmehr, daß die überfällige Korrektur diesmal in Form eines Rotationsprozesses abgewickelt wurde. Dies gelte vor allem für die Wall Street. Wenn der Prozeß dann in nicht zu ferner Zukunft abgeschlossen sei, werde sich die langfristige Aufwärtsbewegung fortsetzen.

Unter dem Rotationsprozeß versteht man eine "lautlose" Korrektur, bei der Aktiengruppen und einzelne tendenzprägende Papiere nach überzogenen Kursgewinnen zurückfallen, um anderen, "ausgeruhten" Gruppen die Führung zu überlassen. Die vormals festen Aktien korrigieren konsolidieren dann auf niedrigerem Niveau und schwingen sich meist erst nach Monaten wieder empor, um anderen Gruppen die Führung streitig zu machen. Deutlich kann man den Rotationsprozeß an den amerikanischen Technologiewerten nachvollziehen. Sie haben die Hausse von Anfang an geprägt, sind dann aber während des Frühjahrs nach überwiegend spektakulären Kurssteigerungen zunehmend auf Widerstand gestoßen, bis sie schließlich als Gruppe deutlich zurückfielen. Schon nach ungewöhnlich kurzer Zeit wollten sie wieder abheben und ihren Höhenflug fortsetzen, doch gelang dies nur einigen ausgewählten Papieren.

Die für jedermann erkennbare Demontage der Technologieaktien setzte im Juni ein, als Texas Instruments schwere Verluste im Produktionsbereich Home Computer ankündigte. Doch auch diesen. "Mißfall" überstand die Gruppe noch recht gut, zumal IBM am 14. Juli ein unerwartet günstiges Quartalsergebnis veröffentlichte und auch einige andere wie NCR Corporation, Honeywell, Sperry und Burroughs besser abschnitten, als es die herrschende Meinung zunächst angenommen hatte.

Die Börse schien also entgegen den Befürchtungen vieler Experten Enttäuschungen über die hochgesteckten Ertragserwartungen bei Technologieunternehmen, die es in nicht geringer Zahl gab, durchaus ertragen zu können. Zu Beginn der dritten Juli-Dekade sah es dann für kurze Zeit so aus, als wäre die rotierende Korrektur der Gruppe beendet und als stünde ein neuer Aufschwung bevor. Dann kam jedoch jener 27. Juli, an dem das Gerücht auftauchte, IBM werde möglicherweise schon am 1. September seinen neuen Personal Computer "Peanut" auf den heiß umkämpften Markt für diese Produkte bringen. Binnen weniger Stunden kam es vor allem bei den Aktien von Geräteherstellern zu Kurseinbrüchen von bis zu 20 Prozent. Es ist kaum anzunehmen, daß man in Wall Street nichts von den IBM-Plänen wußte und daß das Gerücht den Aktienmarkt völlig unvorbereitet traf. Daher sehen börsentechnisch orientierte Analytiker in der Nachricht nur eine "Entschuldigung" für die überfällige zweite Phase der Demontage der Technologiewerte.

Neulinge unter den Anlegern, die sich von der allgemeinen Euphorie über die langfristigen Aussichten der Technologieunternehmen haben mitreißen lassen, dürften spätestens jetzt erkennen, daß die Börse auch Spitzenunternehmen der Branche, die über herausragende Produkte und ausgezeichnete Zukunftsaussichten verfügen, links liegen läßt, wenn ihr andere Themen wichtiger erscheinen. Aktien von Unternehmen zu kaufen, nur weil diese gute Produkte herstellen und ansehnliche Gewinne erzielen, ist in der Regel ein Fehler, der allenfalls durch geduldiges Warten ausgebügelt werden kann. Inzwischen entgehen dem Anleger nämlich meist Gewinnchancen in anderen Bereichen des Aktienmarktes oder der Finanzmarkte insgesamt. Technologiewerte kann man, wie erfahrene Börsianer meinen, wieder mit Aussicht auf Erfolg kaufen, wenn auch die uneinsichtigen Haussiers kapitulieren und die Aktien in Panik abstoßen.

Anzeichen für den Beginn einer solchen Panik habe es im Zusammenhang mit "Peanut" von IBM gegeben, wobei "Peanut" mit irgendeinem anderen negativ empfundenen Ereignis austauschbar gewesen wäre.