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01.04.1994

Technologiefoerderung muss innovatives Klima schaffen

Die Neustrukturierung der Wirtschaft in den neuen Bundeslaendern ist eine grosse Herausforderung und Chance fuer den Wirtschaftsstandort Deutschland. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei dem Aufbau eines leistungsstarken industriellen Mittelstandes zu. Juergen Allesch, Geschaeftsfuehrer der Technologie- Vermittlungs-Agentur Berlin e.V. (TVA) mit Zweitsitz in Adlershof, fordert denn auch neue Innovations-Infrastrukturen und eine engagierte Technologiefoerderpolitik.

Es sollte nicht verkannt werden, dass der Aufbau eines potenten industriellen Mittelstandes sich als weitaus komplizierter und langwieriger herausstellt als 1990 vermutet. Dies auch deshalb, weil die Unternehmen in den alten Bundeslaendern mit einer erheblichen Strukturkrise konfrontiert sind und es hier keine Patentrezepte gibt, die zu einer unmittelbaren Problemloesung fuehren. Die gegenwaertige Deindustrialisierung der Wirtschaft in Ostdeutschland muss mit allen Mitteln aufgehalten werden. Dabei gilt das Augenmerk besonders den produzierenden Unternehmen, da hier aktuelle Statistiken zeigen, dass im Vergleich zum Unternehmensbestand in den alten Bundeslaendern noch ein erhebliches Defizit besteht. Ohne eine ausreichende Zahl von Produktionsunternehmen kann sich auch der produktionsnahe Dienstleistungssektor nicht entwickeln. Es gilt also, einen industriellen Mittelstand aufzubauen. Dies ist eine Aufgabe, die aussergewoehnliche Massnahmen erfordert. Die Aus- und Neugruendung von Produktionsunternehmen muss daher im Mittelpunkt aller wirtschaftlichen Anstrengungen stehen. Zur Zeit gibt es 8500 selbstaendige Industriebetriebe, mehrheitlich kleine und mittlere Unternehmen in Ostdeutschland. Im Vergleich zu den alten Bundeslaendern muesste aber die Zahl etwa 26000 Unternehmen betragen.

Diese Problemsituation versuchen die zustaendigen Ministerien, - das Bundesministerium fuer Forschung und Technologie (BMFT) und das Bundesministerium fuer Wirtschaft (BMWi), zu entschaerfen. So hat das BMFT sehr frueh begonnen, durch den Aufbau von 25 Technologie- und Gruenderzentren fuer technologieorientierte Unternehmensgruender, ergaenzt durch ein finanzielles Starthilfeprogramm (Technologieorientierte Unternehmensgruendung OST) auf dem Weg in die Selbstaendigkeit zu helfen. Aktuell bestehen ueber 50 Technologie- und Gruenderzentren (TGZ) in den neuen Bundeslaendern. In Ergaenzung dazu und mit besonderer Betonung der industriellen Kerngebiete hat das BMWi in Abstimmung mit den Laendern die Massnahme "Aufbau von Agenturen fuer Technologietransfer und Innovationsfoerderung in den neuen Bundeslaendern" durchgefuehrt. Seit 1992 haben von Rostock bis Goerlitz 21 Agenturen und neun Nebenstellen ihre Arbeit aufgenommen. In Verbindung mit der finanziellen Foerderung steht hier den jungen Unternehmen und den Gruendungsinitiativen ein flaechendeckendes Netzwerk von Beratungs-, Betreuungs- und Informationsangeboten zur Verfuegung: Das entsprechende regionale Unternehmenspotential kann durch gezielte Hilfe zur Selbsthilfe in seiner Entwicklung gefoerdert und damit die wirtschaftliche Leistungs- und Wettbewerbsfaehigkeit gestaerkt und der Strukturwandel beschleunigt werden.

Aufgabe der Agenturen ist es, kleinen und mittleren Unternehmen bei den zahlreichen Problemen in Verbindung mit Produkt- und Verfahrensinnovationen als erster Ansprechpartner zu dienen und Loesungsmoeglichkeiten aufzuzeigen. Das geht von der Problemanalyse ueber die Foerdermittelberatung bis hin zu komplexen Datenbankrecherchen ueber Patente und technologische Entwicklungstrends sowie die Vermittlung von Kooperationspartnern.

Ein anschauliches Beispiel fuer die Taetigkeit der Agenturen ist das gemeinsam gestaltete "Innovationsforum Leipzig", die Kongressmesse fuer Technologie- und Innovation, die waehrend der Leipziger Fruehjahrsmesse stattfand. Ueber 500 Aussteller praesentierten dabei ihre neuen Produkte und Dienstleistungen - darunter erstmalig Firmen aus den alten Bundeslaendern und Unternehmensinitiativen aus Osteuropa.

Eine mittelfristige erfolgreiche Wirtschaftspolitik in den neuen Bundeslaendern sollte drei Strategien beinhalten:

-Eine Innovationsstrategie, die den bestehenden Unternehmen hilft, den besonderen Standortbedingungen eines hochentwickelten Industrielandes gerecht zu werden - naemlich durch die Foerderung der Entwicklung von wettbewerbsfaehigen Produkten und Dienstleistungen, die mit neuesten Technologien hochwertige Arbeitsplaetze erhalten beziehungsweise schaffen.

-Eine Gruendungsstrategie, die besonders Unternehmensgruendern im produzierenden Bereich hilft, die ersten schwierigen Jahre erfolgreich zu meistern. Besondere Bedeutung haben dabei auch die vielen Management-Buyout-Loesungen (MBO) aus den ehemaligen Akademieinstituten und den FuE-Abteilungen der ehemaligen Kombinate. Hierbei gilt es, verstaerkt die Gruendungsaktivitaeten aus dem Forschungs- und Innovationspotential heraus zu foerdern. Dabei sollten die besonderen historischen und sozialen Bedingungen durch Verstaerkung von Beratung und praktischer Hilfe seitens der Agenturen fuer Technologietransfer und Innovationsfoerderung ueberwunden werden.

Forschungspotential fuer die regionale Industrie aufbauen

Diese kurzfristig zu realisierenden Strategien werden ergaenzt durch eine mittelfristige Technologiestrategie, die darauf achtet, dass in den regionalen Industriezentren eine Forschungs- und Entwicklungsstruktur aus Universitaeten, Fachhochschulen sowie oeffentlichen und privaten Forschungsinstituten entsteht. Denn ohne diese Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen wird ein auf der Anwendung neuester Technologie aufbauender und somit wettbewerbsfaehiger industrieller Mittelstand auf Dauer in den neuen Bundeslaendern keinen Bestand haben.

Damit wird deutlich, dass eine vorausschauende Wirtschaftspolitik die bestehende Strukturkrise als eine besondere Chance nutzen kann, um durch neue Innovations-Infrastrukturen und forcierte Technologiefoerderpolitik in den neuen Bundeslaendern eine wettbewerbsfaehige und zukunftsorientierte mittelstaendische Industrie zu schaffen und damit den Industriestandort Deutschland insgesamt zu staerken.