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18.03.1994

Technologiegeschaeft entwickelt sich zum Massenmarkt Informationsstrategien in Richtung Multimedia lenken Von Samir Girgis*

Bislang scheint Multimedia allenfalls ein Oberbegriff zur Kennzeichnung eines Sammelsuriums diverser Technologien zu sein. Indes sind starke Tendenzen erkennbar, dass die unterschiedlichen Techniken neue Maerkte schaffen, die in absehbarer Zeit zusammenwachsen werden.

Eine Untersuchung des Kronberger Marktforschungsunternehmens IDC brachte einige erstaunliche Ergebnisse ueber den Multimedia-Markt zum Vorschein. So kooperieren beispielsweise ueber 77 Prozent der interviewten Hersteller mit anderen Anbietern.

Hierbei sind annaehernd 60 Prozent der Partnerschaften im Entwicklungs- und Forschungsbereich angesiedelt. Ferner ist bemerkenswert, dass 30 Prozent der Hersteller gleichzeitig mit fuenf bis zehn Partnern kooperieren. Allein an diesen Daten ist die Komplexitaet der Mutimedia-Technologie und der Marktstrukturen zu erkennen.

Nicht ueberall, wo Multimedia draufsteht, ist auch Multimedia drin. So manches Produkt, das unter diesem Etikett angeboten wird, kann dem damit verbundenen Anspruch bei naeherer Betrachtung nicht gerecht werden.

Zugriff auf jede Art von digitaler Information

Daher gilt es zunaechst, den Begriff Multimedia an sich zu definieren. Es gibt zumindest drei Schwerpunkte, die sich als Kennzeichen heranziehen lassen. Diese sind

- die digitale Integration unterschiedlicher Medientypen,

- die Interaktivitaet als Kennzeichen der Mensch-Maschine- Schnittstelle und

- die Konnektivitaet, das heisst der digitale Datenaustausch.

Aus diesen Merkmalen formulierten die Marktforscher eine Kompaktdefinition: Demnach ist Multimedia "die Bereitstellung des individualisierten Zugriffs auf jede Form von digitaler Information in kuerzester Zeit".

Die Marktforscher prognostizieren dem deutschen Multimedia-Segment ein explosionsartiges Wachstum, das sich allerdings erst im Laufe der naechsten Jahre vollstaendig entwickeln wird. Die Steigerungsraten schnellten allein in der Bundesrepublik von ueber 69 Millionen Mark 1992 auf etwa 344 Millionen Mark im letzten Jahr hinauf. Bis 1996 verspricht sich das Marktforschungsinstitut mit etwa 3550 Millionen Mark Umsatz einen enormen Wachstumsschub, der sich insbesondere auf die Hardware konzentriert. Die staerksten Umsaetze werden hier im Consumer-Markt und nicht im professionellen Bereich erwartet. Bis 1996 wird dieses Segment voraussichtlich ein Marktvolumen von mehr als 2.3 Milliarden Mark ausmachen. Im professionellen Sektor wird es zunaechst vergleichsweise gering anwachsen. Erst wenn die Basisinvestitionen fuer unternehmensinterne Kommunikations-Infrastrukturen getaetigt sind, wird der Umsatz im Servicebereich ansteigen und im Hardwaresektor abnehmen.

An der Gesamtzahl gemessen, liegt der weltweit installierte Anteil an Multimedia-PCs zur Zeit bei nur fuenf Prozent, und dennoch hat Multimedia das Potential, zu einem Massenmarkt zu werde. Viele Kunden warten beispielsweise, bis die entsprechenden Produkte preisguenstiger werden oder sich besser integrieren lassen. Voraussetzung fuer diese Entwicklung ist, dass das Potential richtig angezapft wird.

Bei der Software geben die Marktforscher den Herstellern gleich Hinweise auf die erfolgversprechende Richtung. Hier heisst der Slogan: Weg von Standardprogrammen und hin zu branchen- und kundenspezifischen Applikationen.

Wie die Kronberger Forscher ermittelt haben, werden durch Multimedia weniger die bereits bestehenden Kommunikationsformen ersetzt, als vielmehr neue Maerkte geschaffen. Dies soll vornehmlich in den Bereichen Praesentation (84 Prozent), Werbung und Verkaufsfoerderung (79 Prozent) sowie Schulungen (63 Prozent) geschehen.

Wir sind heute einer wahren Flut von Informationen ausgesetzt, die, sollen sie wirklich nutzbringend und verwertbar sein, organisiert gehoeren und es muessen entsprechende Zugriffsmoeglichkeiten gegeben sein. Nicht weniger verspricht die Mutimedia-Technologie. Falls das Ganze ordnungsgemaess in einer Datenbank gespeichert und verwaltet wird, haben die Benutzer einen potentiell uneingeschraenkten Zugriff auf unterschiedlichste Informationstypen, was automatisch auch nach Audio- und Videoinformationen verlangt. So erobert sich Multimedia zunehmend auch im Bereich der Buerokommunikation seinen Platz. Charakteristisch hierfuer ist die neue Produktgeneration Ongo des Unix-Marktfuehrers Uniplex, die mit Verbunddokumenten auf Multimedia-Basis arbeitet.

Hiermit laesst sich weit mehr Inhalt transportieren als in geschriebenen Texten, was auch die Kommunikationsmoeglichkeiten erweitert. Der richtige Umgang mit diesem Mehr an Informationen verspricht wiederum Produktivitaetsgewinn. Zudem besteht die Moeglichkeit, nach Wichtigkeitsgrad zu selektieren, was ein effizienteres Arbeiten im Beruf beziehungsweise eine Verminderung der Reizueberflutung und dadurch kritischeren Umgang mit Meldungen und Nachrichten auch im Privatleben erlaubt. Das Beratungsunternehmen Andersen Consulting Deutschland erklaert in diesem Zusammenhang: "Multimedia-Technik bietet - richtig eingesetzt - hervorragende Moeglichkeiten, durch eine neue Dimension der Kundenorientierung das Kaeuferverhalten zu verstehen und zu beeinflussen. Zudem stellt dies oftmals einen Schluesselfaktor dar, um Verwaltungsablaeufe zu straffen, die Informationsversorgung in Vertrieb, Service und Administration zu verbessern und so Bearbeitungszeiten und Kosten erheblich zu verringern."

Das alles laesst sich aber nur umfassend realisieren, wenn die noch bestehenden technologischen und psychologischen Hindernisse beseitigt werden.

In technischer Hinsicht ist die Multimedia-Kommunikation in Netzwerken heute noch ein Hauptproblem: Trotz der heute moeglichen Kompressions- und Dekompressionstechniken bieten die vorhandenen Netzwerke bisher eine zu geringe Bandbreite. Hier verspricht aber ISDN Abhilfe, das generell hoehere Uebertragungsraten als herkoemmliche leitungs- und paketvermittelte Waehlverbindungen unterstuetzt. Auch ist die derzeit erhaeltliche Netzwerksoftware nicht fuer digitales Video und Audio entwickelt.

Was hier am meisten fehlt, ist eine Loesung, die die erforderliche Synchronisierung zwischen Video und Ton vornimmt und gleichzeitig den Frame-Durchsatz und die Audio-Synchronisation bei starkem Netzwerkverkehr verwaltet. Ein weiteres Manko sind fehlende einheitliche Standards - ob bei digitalen Massenspeichertechniken, Video- und Bildkompressionstechnologien oder APIs (Anwendungs- Programm-Schnittstellen) in Standard-Betriebssystem-Umgebungen, die die Integration hochentwickelter Merkmale wie Videokompression und -dekompression standardisieren koennten.

Strategische Partnerschaften zwischen Branchen

Als Beispiele fuer Multimedia-Pioniere nennt Andersen Consulting die Deutsche Bank Lebensversicherung, IBM Deutschland und das Toyota-Tochterunternehmen Lexus. Die Lebensversicherungsgesellschaft der Deutschen Bank hat die Vorgangsbearbeitung unter Einbeziehung der Originaldokumente schon weitgehend automatisiert. IBM Deutschland schult Anwender mit interaktiven Videosystemen, die den Kundenstandort ueber Glasfaserkabel mit der IBM-Zentrale in Stuttgart verbinden. Die Anstrengungen von Lexus in den USA gehen noch weiter: Das Unternehmen hat auf dem nordamerikanischen Kontinent ein Multimedia-Trainingsnetz auf Satelliten-Basis aufgebaut, um sein Servicepersonal zu schulen.

Die Erfahrungen dieser und anderer Firmen zeigen nach Einschaetzung von Andersen Consulting, dass es sich lohnt, bestehende Informationsstrategien zu ueberdenken und gegebenenfalls in Richtung Multimedia-Technik zu ergaenzen, um sich letztlich wichtige Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Der zunehmende Verbreitungsgrad der Multimedia-Technik hat auch die Entstehung neuer, lukrativer Maerkte fuer unterschiedliche Anbieter zur Folge. Hiervon sind nach Schaetzung von IDC insbesondere Rechnerhersteller, Buch- und Magazinverlage, Schulungsunternehmen und die Unterhaltungselektronik betroffen. Dieses Potential kann sich jedoch nur dann entfalten, wenn sich die Anbieter neuer Geschaeftsmodelle bedienen. Hierbei spielen besonders strategische Partnerschaften zwischen Branchen eine Rolle, die bislang nur wenige Beruehrungspunkte hatten.

Aus den genannten Gruenden sind derzeit auch gerade kleine Software-Entwickler im Multimedia-Bereich am innovativsten. Waehrend sich die grossen bis dato noch zurueckhalten, weil fehlende Standards die Erschliessung von Massenmaerkten verhindern, suchen sie sich ihre Nischen und entwickeln hier richtungsweisende Branchenloesungen.