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12.07.1985 - 

Gedämpfte Aussichten an Wall Street:

Technologiewerte weiterhin unter Druck

MÜNCHEN (CW) - Die Entwicklung der amerikanischen Zinsen bleibt der entscheidende Faktor für die Perspektiven an den internationalen Aktienmärkten. Geldwertstabilität und solidere Haushaltsfinanzierung lassen die Zinssenkungschancen in der Bundesrepublik Deutschland günstiger erscheinen als in den USA, wo die Zinsen auch bei einem erneuten Anziehen der Konjunktur kaum nachgeben dürften.

Technologie-Aktien in den USA tun sich im Gefolge der enttäuschenden und in dieser Form vom Publikum nicht erwarteten Entwicklung bei IBM weiterhin schwer. Ungeachtet der Probleme bei den meisten Hardwareherstellern entwickelt die Softwarebranche eine positive Eigendynamik.

Entscheidend für die Entwicklung der Welt-Aktienmärkte bleibt die

US-Zinsentwicklung. Hier kam es, wie vorhergesagt, zu einer Reaktion der Bondkurse nach unten. Am Terminmarkt fielen die Notierungen von 80 auf 75. Die Prognose von 3,1 Prozent für das US-Bruttosozialprodukt im zweiten Quartal und die schon wieder mit 4,1 Prozent steigenden Auftragseingänge für langlebige Güter (beides Folgen der zu starken Zinssenkung in den letzten Monaten), machen deutlich, daß bei einer erneuten

US-Konjunkturbelebung eine weitere Senkung der US-Zinssätze nicht realistisch ist. Folgerichtig reagierte der Bondmarkt von seinem Tief von 75 im Terminmarkt schon wieder auf 77. Aufgrund der guten Wachstumsprognose für das zweite Quartal verbreitete sich zu starker Optimismus. Die Zahl von plus 1,5 Prozent für die US-Konjunkturfrühindikatoren enttäuschte daher.

Die Geldmenge M 1 liegt jetzt 7,5 Prozent über dem Vorjahr. Damit ist die Inflationsgefahr zum ersten Male wieder etwas größer. Die Teuerung in den USA dürfte im Jahresverlauf wesentlich höher liegen als in den europäischen Stabilitätsländern die durch den rückläufigen Dollar steigenden Importpreise tun ein übriges. In Deutschland war die Inflationsrate gegenüber dem Vorjahresmonat im Juni Null. Zusammen mit der deutlich solideren Haushaltsfinanzierung bleiben die Zinssenkungsaussichten in Deutschland mittelfristig wesentlich positiver als in den USA. Im laufenden Fiskaljahr wird die Bundesrepublik erstmals im Schuldendienst mehr Verbindlichkeiten tilgen als daß sie neue Schulden macht. Die Neuverschuldung bei uns beträgt lediglich 1,8 Prozent vom Bruttosozialprodukt (USA mehr als vier Prozent).

Die US-Zinssätze werden in nächster Zeit daher tendenziell wieder steigen. Damit bleiben die Aussichten für Wall Street gedämpft. Die europäischen Börsen bieten zur Zeit größere Chancen. Der eklatante Renditeunterschied zwischen US-Aktien (3,4 Prozent Dividentenrendite im Durchschnitt) und US-Anleihen (zirka zehn Prozent Rendite) bindet immer noch sehr viel Kapital an den Bondmärkten. In Deutschland gibt es etliche Standardwerte mit Bruttorenditen, die über der Anleihenrendite liegen (Veba, RWE, Farben-Nachfolger). Auch dies sollte die freundliche Tendenz an den deutschen Börsen weiter fortdauern lassen.

Trotz Rekordniveau des Dow Jones tun sich Technology Stocks in den USA weiter schwer. Ein Analyst überschrieb die Entwicklung folgendermaßen: "Hustet IBM, bekommt die Branche Lungenentzündung." Die IBM-Notierung wurde in den vergangenen Monaten stark von Unternehmensverlautbarungen beeinflußt. Die Aktie fiel von über 135 Dollar im Februar auf 130 Dollar zurück, nachdem für das erste Quartal 1985 rückläufiger Umsatz gemeldet worden war. Im März wurde diese Prognose auf das gesamte erste Halbjahr ausgedehnt, wobei ein solides Wachstum für das Gesamtjahr erwartet wurde. Die Aktie verlor erneut sieben Dollar und fiel auf unter 125 Dollar. Die Prognose für einen positiven Geschäftsgang während des zweiten Halbjahres wurde bis Anfang Juni aufrechterhalten. Die Aktie erholte sich auf knapp 135 Dollar. Als Mitte Juni auch für das Gesamtjahr 1985 schlechtere Aussichten gemeldet wurden, folgte der Rückschlag auf unter 120 Dollar.

Nachdem man von IBM in der Vergangenheit eine transparente Darstellung des Geschäftsverlaufs gewohnt war, waren die Börsianer über die Fehleinschätzung des Gesamtjahresverlaufes während des zweiten Quartals 1985 erschrocken. Noch im Februar wurde für das Gesamtjahr ein Wachstum von 30 Prozent, das insbesondere in der zweiten Jahreshälfte erwirtschaftet werden sollte, angekündigt. Für 1986 wurden noch bessere Zahlen genannt. Nach der Enttäuschung Mitte Juni häufen sich die Prognosen, daß das Gesamtjahr 1985 schlechter werden wird als das vergangene Geschäftsjahr. Eine Korrektur der bisher noch sehr positiven Erwartungen für 1986 durch das Management wird erwartet. Die Einschätzung der Analysten für die gesamte DV-Branche in den USA verschlechterte sich aufgrund dieser Vorgange um IBM. Deutliche Marktbereinigungen auf der Anbieterseite werden nötig sein, um wieder ein ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage an den Hardware-Märkten zu erhalten. Ob es mit einer Verringerung der Kapazitäten der meisten Anbieter getan ist oder ob weitere prominente Namen von der Bildfläche verschwinden werden, ist vor dem Hintergrund der schnellebigen Produktzyklen und der Softwareabhängigkeit dieser Produkte aus heutiger Sicht nur schwer zu bestimmen. Auf jeden Fall ist es jetzt noch zu früh für Käufe von Technology Stocks. Das Stock-Pikking in diesem Feld ist mit zu hohen Risiken verbunden. Erst nach einer deutlichen Marktbereinigung im Verlaufe dieses und des nächsten Jahres könnte es 1987 und 1988 wieder zu den aus der Vergangenheit gewohnten wachstumsstarken Zeiten kommen. Weitere Konsolidierung bei US-DV-Werten abwarten.

Die erwartete Einführung neuer Systeme führte zu Zurückhaltung bei Neubestellungen von Hardware. Da der US-Markt zur Zeit weitestgehend gesättigt ist, suchen die US-Hersteller nach attraktiven Überseemärkten. Hinderungsgrund, hier stärker Fuß zu fassen, ist jedoch der zunächst noch hohe Dollar. Sollte die US-Währung weiter abbröckeln, wird sich auch der Angebotsdruck amerikanischer DV-Hersteller in Europa verstärken. Besondere Vorsicht bei den Aktien der europäischen Computerhersteller wird dann notwendig sein.

Während im Hardwarebereich eine kräftige Marktbereinigung noch abgewartet werden sollte, gibt es durchaus Chancen bei Aktien von Softwareunternehmen, wie der jüngste Kurssprung der Software AG (Over-the-counter, Symbol SAGA) . Zum 30 Prozent von zwölf auf 16 Dollar zeigt. Gute Zahlen veröffentlichte auch Lotus Development Corporation (28 Dollar), der nach eigenen Angaben größte unabhängige Hersteller von Software für den PC-Bereich. Im ersten Quartal 1985 wurde eine Steigerung des Umsatzes um 58 Prozent auf 55 Millionen Dollar und eine Gewinnzunahme auf 9,6 Millionen Dollar erzielt. Dies entspricht 58 Cents je Aktie. Lotus wurde erst im April 1982 gegründet. Die Aktie wird im Over-the-counter-Markt gehandelt. Rechnet man den Gewinn des ersten Quartals hoch, so ergibt sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von zirka zwölf. Die Aktie ist damit nicht zu teuer. Kursrückschläge auf die untere Widerstandslinie des Trendkanals (22 bis 24 Dollar) sollten zu vorsichtigen Käufen genutzt werden. Lotus hat sich in Europa mit einem eigenen Vertriebsnetz etabliert. Auch gehen Analysten von weiteren Umsatz- und Ertragssteigerungen aus.

Gute Aussichten am deutschen Aktienmarkt

Weiter gute Aussichten an den deutschen und Schweizer Märkten. Insbesondere zinsreagible, ertragsmäßig gut abgesicherte Standardwerte und deren Optionsscheine können weiter gekauft werden. Die empfohlene Dresdner Bank sprang an. Der Optionsschein von 1984 kletterte von 70 Mark auf 120 Mark. Auch die Aktie der Deutschen Bank sowie deren Optionsscheine konnten sich seit der Empfehlung im letzten Börsenspiegel kräftig verbessern. Insbesondere die Dresdner Bank und die Optionsscheine 1983 I sowie 1983 II bleiben aussichtsreich. 1985 wird die Dresdner Bank umgerechnet je Aktie kaum schlechter verdienen als die Deutsche Bank. Das Beteiligungsportefeuille der Deutschen Bank ist je Aktie zirka 200 Mark höher anzusetzen als bei Dresdner Bank. Bei einem Deutsche-Bank-Kurs von 580 Mark sowie einem Popularitätsbonus von zehn Prozent (insbesondere ums Auslandsgeschäft wird die Dresdner Bank nicht an die Deutsche Bank herankommen können), ergeben sich immer noch analytisch gerechtfertigte Dresdner-Bank-Kurse von 320 bis 330 Mark. Sollte dies erreicht werden (insbesondere Auslandsnachfrage, die auf ausgetrocknete Märkte trifft, würde zu stark steigenden Notierungen führen), müßten die beiden Dresdner-Bank-Scheine von 1983 (jeweils nur zwei Prozent Aufgeld) noch einmal kräftig steigen. Der geringere Kapitaleinsatz läßt die Optionsscheine um ein Vielfaches schneller steigen als die Aktien. Wegen genügend langer Laufzeit könnten diese Scheine auch bei Kursrückschlägen der Dresdner-Bank-Aktie durchgehalten werden. Beide Scheine sind ein Kauf.

Der in COMPUTERWOCHE Nr. 23 angekündigte Durchbruch von VW durch die Widerstandslinie von 250 Mark kam wie erwartet. Wer hier rechtzeitig gekauft hatte, konnte traumhafte Gewinne erzielen. Vor Neuengagements jedoch die Ergebnisse der Hauptversammlung (am 4. 7. nach Redaktionsschluß) abwarten.

Weiterhin ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis

Soll man jetzt in Deutschland noch kaufen? In den vergangenen

20 Jahren hat es keine ähnliche Überhitzungsphase der deutschen Aktierrmärkte mehr gegeben. Die Anzahl der Ausländerkäufe im ersten Quartal ergibt aufs Gesamtjahr 1985 hochgerechnet eine Vervierfachung im Vergleich mit 1984. Selbst japanische institutionelle Investoren haben den deutschen Aktienmarkt mit seinen billigen und renditestarken Standardwerten entdeckt. Bedeuten die starken Kursanstiege der letzten Wochen zwangsläufig einen ebenso scharfen Rückschlag beim Ende der Übertreibungsphase? Da viele deutsche Dividendenpapiere auch auf dem gestiegenen Kursniveau im internationalen Vergleich noch preiswert sind, bietet der deutsche Aktienmarkt mittelfristig weiterhin ein gutes Chance/Risikoverhältnis. Die Anleger sollten ihre Engagements auf ertragsmäßig abgesicherte Werte konzentrieren, die während einer überfälligen Konsolidierung nicht zu stark im Kurs zurückfallen können. Papiere, die analytisch zu hoch bewertet sind, sollten dagegen verkauft werden. Dazu gehören einige Versicherungswerte (wie der Branchenführer Allianz), die Kaufhauspapiere, aber auch Nixdorf.

Die Aktie ist mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von weit über 30 sehr teuer. Preiswert dagegen sind weiterhin die Farben-Nachfolger, hier insbesondere BASF. Mit 7,5 Milliarden Mark ist die Chemieindustrie zweitgrößter Investor in der Bundesrepublik. 1984 wurde mehr als die Hälfte der Produktion (Gesamtumsatz 141 Milliarden Mark) exportiert (71,5 Milliarden Mark). Wichtigster Partner waren die USA, die Waren im Gegenwert von 4,3 Milliarden Mark abnahmen.

Auch für das laufende Geschäftsjahr sind außergewöhnliche Exporterfolge zu erwarten. Selbst bei einem weiterhin leicht sinkenden Dollarkurs sind gute Absatzerfolge und blendende Erträge zu erzielen. Neben der guten Ertragssituation gelang es den Farben-Nachfolgern, ihre Eigenkapitalquoten weiter zu verbessern. So kletterte diese Quote bei Bayer auf 28 Prozent, bei Hoechst auf 32,5 Prozent, und bei BASF sogar auf 36 Prozent. Insbesondere die Aktien der BASF sind weiter aussichtsreich. Sehr preiswert auch der Optionsschein 1982 mit einem Aufgeld von nur zwei Prozent.

Renditewert Veba kletterte auf 221 Mark. Eine Aufspaltung (ähnlich wie 1984 bei ATT) in mehrere börsennotierte Gesellschaften soll geplant sein. Die Gewinne im Energieversorgungsbereich werden, bedingt durch rückläufige Abschreibungen in den nächsten Jahren, ungewöhnlich stark steigen. Wegen des geplanten Spin-offs (Ausgliederung der Chemietöchter) liegt hier wegen der starken Gewinnverbesserung die Chance für kräftige. Kursgewinne. Auf die Chemietöchter entfällt ein Drittel des Gewinns. Für 1985 sind Gewinnsteigerungen von zirka 30 Prozent zu verzeichnen. Im Gegensatz zu den Farben-Nachfolgern sind die Veba-Chemietöchter weniger im Dollarraum tätig, so daß die Gewinnchancen bei einer zinsbedingten Konjukturbesserung im Inland besonders günstig und die Risiken bei schlechterem Dollar gering sind. Gerade in der kurzfristig gesehen jetzt schwierigeren Börsenphase erscheint Veba ein optimales defensives Anlageinstrument mit mittelfristig guten Kurschancen.

Aus dem Blickwinkel des Kurs-Cash-flow (1,5fache Bewertung) nach VW die preiswerteste deutsche Aktie. Ein Kauf - auch auf Termin in Zürich. Mit dem Kauf des Veba-Optionsscheins sollte hingegen noch gewartet werden. Da der Optionsschein zum Bezug der Aktie erst nach Dividendenabschlag berechtigt, haben Optionsscheine insbesondere renditestarker Aktien (siehe Farben-Nachfolger) in jüngster Zeit sogar negative Aufgelder bis zur Höhe der Netto-Dividende gehabt. Dieses Phänomen könnte sich auch bald einstellen. Deshalb die Optionsscheine erst kurz vor der Hauptversammlung kaufen.

Neben Veba zählt Versorgungswert RWE zu den aussichtsreichen, gut- abgesicherten Standardwerten. Da die Zinsentwicklung im Inland weiter abwärts gerichtet sein dürfte, sollte schon die Dividendenrendite von zirka sieben Prozent (brutto = einschließlich Körperschaftssteuergutschrift) für weitere Kursverbesserungen sorgen. Bei RWE machten die börsennotierten Beteiligungen gut ein Drittel des Kurswertes aus. Die Aktie wird nur etwa mit dem 1,7fachen Cash-flow bewertet.

Kräftige Kursverbesserungen auch bei den empfohlenen Drägerwerke Vorzugsaktien beziehungsweise Genußscheinen 1312 Mark, 195 Mark). In jüngster Zeit sind Aufkäufe englischer institutioneller Anleger zu beobachten. Der haltenswerte Technologietitel bietet weiterhin gute Kurschancen. Halten.

An den Empfehlungen DeTeWe (545 DM) Bergmann (470 DM), Berliner Elektro (270 DM), Knürr (170 DM) und Norsk Data 123 DM, festhalten.

Endgültiges Aus für Tewidata. Mangels Masse mußte der Anschlußkurs eröffnet werden.

Damit ist die fünfte Aktiengesellschaft aus der Reihe der

10-PM-Emissionen nach Vergleichsantrag in Anschlußkonkurs gegangen. Eine Konkursquote von 50 Prozent! In Börsenkreisen macht der Vergleich mit dem Lied von den zehn kleinen Negerlein die Runde.

Schweizer Banken erreichen neue Höchstkurse

Schweizer Leser sollten ebenfalls auf zinsreagible Werte setzen. Die Schweizer Banken sowie deren Optionsscheine erreichen täglich neue Höchstkurse. Insbesondere die Schweizerische Kreditanstalt (Namen) und der Partizipationsschein der Schweizerischen Volksbank bietet weiter gute Chancen. Preiswert ist auch noch der in Zürich bei der Schweizerischen Kreditanstalt und in Basel beim Schweizerischen Bankverein gehandelte Dollaroptionsschein auf die SBV Inhaberaktie (33 Dollar). Order hier aber unbedingt nach Zürich oder Basel legen, da am Heimatmarkt London (Euroanleihe) häufig zu große Unterschiede zwischen Kauf- und Verkaufskurs gemacht werden.