Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

23.04.1976 - 

Auswahl dezentraler Computer

(Teil II, Organisatorische/Kaufmännische Probleme)

Im letzten Scholz-Report wurden die technischen Probleme der Auswahl dezentraler Computer behandelt. Man muß jedoch auch die kaufmännischen und organisatorischen Probleme gebührend berücksichtigen.

Kostenprobleme

Die Installation zusätzlicher dezentraler Computer ist mit weiteren Ausgaben verbunden. Im Rahmen bestehender zentraler Computer-Systeme kann kurzfristig eine Ausgabenerhöhung vermieden werden. Aus der Kostensicht ergeben sich meist keine nennenswerte Unterschiede im unteren Leistungsbereich, da man bei dem EDV-System grundsätzlich von Vollkosten ausgehen sollte. Wenn man jedoch die Kosten für die Aufstockung von Plattenperipherie betrachtet und diese mit den Daten für Großsysteme vergleicht, so gewinnen im oberen Leistungsbereich eindeutig die Großsysteme. Welcher Kleincomputer bietet etwa eine Million Bytes auf Platten für 8 DM Monatsmiete, was bei großen IBM 3350-Systemen möglich ist?

Die Lösungen der Anwender müssen organisatorisch und programmier-technisch gelöst werden. Hier kommt es auf die Summe aller Anforderungen des Benutzers an, welche Lösung günstiger ist. Außerdem ist zu berücksichtigen, wie der Stand der Organisation und der Software-Technik in der

jeweiligen Installation ist. Je besser der Stand der Organisation ist, um so mehr kann sie für die Anwender etwas bieten, etwa aus der Sicht eines realisierten TP- und Datenbanksystems. Allerdings kommt es auch sehr stark auf die Terminsituation an. In den meisten Fällen sieht sich der Anwender deshalb nach dezentralen Lösungen um, weil ihm die Zentralorganisation nicht schnell genug helfen kann.

Die Kosten der Durchführung müssen überprüft werden. Wenn ein ausgefeilter Closed-Shop-Betrieb im Rechenzentrum realisiert ist, braucht im allgemeinen die Kapazität in der Zentrale nicht aufgestockt zu werden. Dies ist bei dezentralen Systemen grundsätzlich anders. Mindestens 2 Bedienungskräfte sind für einen Kleincomputer die untere Grenze. Zusätzlich muß ein Raum zur Verfügung gestellt werden, der möglicherweise noch entsprechend ausgebaut werden muß.

Vertragssituation

Zunächst ist einmal zu prüfen, wie lange die Investitionslaufzeit des dezentralen Systems ist. Danach kann entschieden werden, ob Miete, Kauf oder Leasing die bestmögliche Variante ist, falls hier überhaupt Entscheidungsmöglichkeiten gegeben sind. Mehrjahresmietverträge mit oder ohne Ablösesummen müssen geprüft werden.

Herstellerprobleme

Ein zusätzlicher Hersteller im Hause wirft weitere Probleme auf, die es zu lösen gilt.

Man sollte sich Gedanken darüber machen, wie wichtig die Bonität eines Herstellers für sich ist. Nur wenn diese gegeben ist, kann man damit rechnen, daß die Zusagen hinsichtlich der Unterstützung (egal ob kostenlos oder nicht) eingehalten werden. Zu diesem Problemkreis gehören auch Garantien hinsichtlich des technischen Services der ausgewählten Anlage. Kann der Hersteller auch langfristig Ersatzteile liefern? Hält er permanent einen leistungsfähigen Außendienst zur Verfügung? Besitzt er auch einen Service außerhalb der Dienstzeiten?

Programmierung

Für ein dezentrales System ist meist das Erlernen einer Programmiersprache erforderlich. Hier sollte geprüft werden, wie die Schulungs- und Ausbildungsmöglichkeiten sind. Praktische Erfahrungen sollten bei Referenzkunden erfragt werden. Die Änderungsfreundlichkeit von Programmen ist zu prüfen.

Funktionstrennung

Bei kleinen Systemen läßt sich das Prinzip der Funktionstrennung kaum durchführen. Organisation, Programmierung und Operating liegen vielfach in einer Hand, so daß überprüft werden muß, wie wichtig die Einhaltung dieses Prinzips ist.

Back-Up-System

Das Problem einer Ausweichanlage läßt sich für Kleinsysteme schwer lösen. Zumindest sind längere Wartezeiten unvermeidlich. Man sollte überprüfen, inwieweit die Zentrale bei Ausfällen behilflich sein kann.

Generelle Empfehlungen

Man sollte gemeinsam mit dem interessierten Benutzer die Anforderungen überprüfen und nach der besten Lösung suchen. In vielen Fällen ist es durchaus sinnvoll, dezentrale Systeme zu installieren. Kein EDV-Leiter verliert dadurch an Image, wenn in seinem Hause auch dezentrale Computer eingesetzt sind. Es kommt nur darauf an, daß ein harmonisches Miteinander aller EDV-Anwender gegeben ist und daß die jeweils wirtschaftlichste Lösung gewählt wird. Diese ist nur aus der Sicht des einzelnen Unternehmens bestimmbar, so daß generelle Aussagen nicht möglich sind.