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21.02.1997 - 

Künftige TK-Manager kritisieren Industrie

Teilnehmer haben mehr Entgegenkommen erwartet

Eine optimale TK-Lösung zu finden, die sowohl den Kommunikationsanforderungen entspricht als auch Kostenaspekten gerecht wird, ist nur noch mit fundiertem Fachwissen möglich. Dieses Know-how produkt- und herstellerunabhängig zu vermitteln ist Ziel eines Weiterbildungsstudienganges der Technischen Universität Ilmenau.

Auf dem Lehrplan stehen neben technischen Inhalten auch die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Grundlagen (siehe Kasten). Insgesamt ist der Kurs jedoch pragmatisch orientiert. "Nicht die Entwicklung von TK-Anlagen, sondern deren konkreter Einsatz steht hier im Vordergrund. Wir vermitteln Grundkenntnisse, mit denen der Absolvent den Markt einordnen und Potentiale der TK-Technik erkennen kann", meint Ralf Tosse, Dozent der TU und Mitinitiator des Lehrgangs "Telekommunikations-Manager".

Zusätzlich zu den Seminaren erfolgt die Ausbildung in zahlreichen praktischen Übungen. Hier beschäftigen sich die Teilnehmer mit konkreten Problemen einer Inhouse-Verkabelung oder eines Corporate Network, etwa am Beispiel des Campusnetzes der TU Ilmenau.

Frank Hobert, DV-Systembetreuer in Mühlhausen und Teilnehmer des ersten Lehrgangs, weist vor allem auf die Abschlußarbeit hin, die jeder Absolvent am Ende des Kurses anfertigt: "Hier konnte ich durch die Mitarbeit bei der Planung und Einrichtung eines ATM-Backbone-Netzes praktische Erfahrungen in einer zukunftsweisenden Technik sammeln." Rüdiger Cott, Projektleiter in einem DV-Unternehmen bei Köln, zeigt sich begeistert von den technischen Einrichtungen der TU: "Hier werden praxisnahe Kenntnisse an bestehenden und noch zu implementierenden Lösungen vermittelt." Die reichen von Ethernet, Token Ring, ATM und FDDI über Internet-Anbindung und Breitbandkommunikation bis hin zu Laserlinks. Dabei ist an das Campus-netz vom einfachen PC über Unix-Workstations und Mainframes bis hin zu High-end-Maschinen alles vernetzt. "Welche Universität oder privatwirtschaftliche Schulungseinrichtung hat so etwas schon?" fragt Cott begeistert.

Organisiert ist der Lehrgang als "Sandwich-Studium". Sämtliche Seminare und Praktika finden am Wochenende statt. Jeweils von donnerstags bis sonntags haben sich die neun Teilnehmer über ein Jahr verteilt an zwölf Wochenenden in Ilmenau getroffen. Die Arbeitsstelle mußte somit keiner der Teilnehmer aufgeben. Die Ausbildung neben dem Beruf stellt zwar eine zusätzliche Belastung dar, trotzdem empfanden Teilnehmer wie Dozenten das Lernen beziehungsweise Lehren in der kleinen Gruppe als sehr angenehm.

"Die Studenten waren hochmotiviert, so hat sich sicherlich auch der Erfolg eingestellt. Insgesamt hat die Weiterbildung auch für uns viel gebracht. Wichtig ist jedoch, daß die Teilnehmer aus eigenem Antrieb kommen", resümiert Hochschullehrer Tosse.

Einiges habe noch nicht so geklappt wie erhofft. So mußte beispielsweise ein geplantes Verhandlungstraining ausfallen. Kritik üben Tosse und die Teilnehmer am Verhalten der Wirtschaft: "Einerseits beschweren sich die Unternehmen, daß die Universitäten zu praxisfern ausbilden, wenn man dann aber um ein Praktikum bittet, sind die meisten nicht zur Kooperation bereit. Die haben anscheinend noch nicht die Chancen dieser Weiterbildung erkannt."

Immerhin organisierte die Hochschule zwei Exkursionen, eine zur Detecon nach Berlin und eine zur Datev nach Nürnberg. Im nächsten Kurs soll der Praxisanteil ein stärkeres Gewicht erhalten. Weitere geplante Neuerung: Einige Inhalte werden zusätzlich zu den Präsenzphasen durch Telelearning über das Internet vermittelt.

Damit wollen die Ilmenauer Wissenschaftler dem unerwarteten überregionalen Zuspruch dieser Fortbildung Rechnung tragen. Im ersten Kurs saßen Teilnehmer unter anderem aus Köln, Berlin, Coburg, Bitterfeld und Leinefeld. Farzin Zandianpour, Diplomelektrotechniker in Coburg, begründet seine Entscheidung für Ilmenau: "Die Anforderungen an einen Diplomingenieur haben sich geändert. Theoriewissen über technische Sachverhalte muß ergänzt werden um praktische Erfahrungen sowie die Fähigkeit zur Einordnung in wirtschaftliche Zusammenhänge."

Die Anmeldefrist für den neuen Lehrgang läuft noch bis zum 28. Februar 1997. Bisher sind etwa 100 Anfragen eingegangen. Der Kurs ist für Diplomanden einer technischen Fachrichtung gedacht, aber auch Bewerbern mit praktischer Erfahrung im TK-Bereich steht die Weiterbildung offen. Die Teilnahmegebühr beträgt 6000 Mark. Dieser Betrag ist, verglichen mit den Kosten für einzeln gebuchte Wochenendseminare zu sämtlichen Themen, als relativ niedrig zu bezeichnen.

Interessenten wenden sich an folgende Adresse: TU Ilmenau, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, Fachgebiet Kommunikationsnetze, 98684 Ilmenau, Telefax 036 77/69-11 95. Nähere Informationen auch im Internet unter " http://www.rz.tu-ilmenau.de/tkman.

Kasten

Telecom-ManagerTK-Manager in Ilmenau: Studieninhalte

Studieninhalte1. Nachrichtentechnik,2. Betriebswirtschaftliche Grundlagen und Management3. Öffentliche Netze,4. Inhouse-Netze, Corporate Networks und ihre Komponenten5. Dienste,6. Zukünftige Dienste und Netze,7. Entwurf, Simulation und Management von Netzen,8. Endgeräte und Schnittstellen,9. Sicherheit und Verläßlichkeit,10. Kommunikations-Infrastrukturen,11. Neue ordnungspolitische Rahmenbedingungen für die Telekommunikation und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen sowie 12. Beschaffung und Betrieb von Kommunikations-Systemen

Bestandteile des Studienplans sind weiterhin eine individuelle Projektarbeit, Exkursionen und zusätzliche Praktika zu den Themen: ISDN, Nebenstellenanlagen, Datenkommunikation, Netzwerk-Management, Netzwerkanalyse, Kabel-Management, Übertragungsmedien und deren Dokumentation.

*Jörg Rensmann ist freier Journalist in Meppen