Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.01.1995

Teilstandard fehlt in den bisher erhaeltlichen Power-PC-Rechnern IBM und Motorola haben mit der Power-PC-Norm Schwierigkeiten

MUENCHEN (wm) - Apple, IBM und Motorola schrieben im Oktober vergangenen Jahres die Power-PC Reference Platform (Prep) fest. Doch die heute erhaeltlichen Rechner von Motorola und IBM entsprechen in einem Punkt nicht der Prep-Definition, wie sie ab 1. Juni 1995 gelten wird. Es fehlt eine Norm fuer Erweiterungsteile, die unabhaengig von Prozessor und Betriebssystem ist. Jetzt zweifelt der englische Brancheninformationsdienst "Computergram" gar, dass beide Firmen die Umstellung termingerecht schaffen.

Zwei Jahre nach den ersten Plaenen fuer die Standardisierung der Hardware rund um den Power-PC-Prozessor konnten sich Apple, IBM und Motorola erst im Oktober auf ein Rahmendokument einigen, das Hardwareherstellern wenig Disziplin abverlangt und ueber weite Strecken nicht sehr konkret ist.

Im Anhang I des 320 Seiten starken Prep-Handbuches wird allerdings minutioes erklaert, wie die Vorschrift "1275-1994" (Open Firmware) des Institute of Electrical und Electronic Engineers (IEEE) in einem Power-PC-Rechner umzusetzen ist. Weiter vorn findet sich der Hinweis auf die Uebergangsfrist bis 1. Juni 1995. Zur Zeit entsprechen weder Motorolas "Powerstack"- noch IBMs "RS/6000 40P"- und die Power-PC-Entwicklungsrechner dieser Definition.

Dabei verdient die zugrundeliegende Idee umgesetzt zu werden. Open Firmware ist ein Standard, der auf der Open-Boot-Technik von Sun Microsystems basiert. Er soll sicherstellen, dass die Teile eines Rechners sich nicht gegenseitig stoeren. Beim Start des Computers werden alle Komponenten wie Festplatten, Tastatur, Monitor und Netzkarten geprueft und ihre Verbindung mit Bus und Arbeitsspeicher des Rechners festgelegt. Alle Schritte laufen unabhaengig von Prozessor und Betriebssystem des Rechners, das erst danach in den Arbeitsspeicher geladen wird.

Die Vorteile dieser Technik liegen auf der Hand: Alle Open- Firmware-Rechner koennen dieselben Hardware-Erweiterungen nutzen. Fuer die Hersteller dieser Karten und Geraete eroeffnen sich damit grosse Absatzchancen, und die Computerfirmen koennen ihren Kunden eine reiche Auswahl an Peripheriesystemen bieten.

IBM und Motorola arbeiten an der Anpassung ihrer Rechner, doch zumindest IBM war ausserstande, einen festen Fertigstellungstermin zu nennen. Auch Motorola verbreitete anfaenglich Widerspruechliches: Gordon Stubberfield, Pressesprecher der englischen Niederlassung, erklaerte gegenueber dem Brancheninformationsdienst "Computergram", dass "man Open Firmware noch pruefe und es sicher bis zu einem gewissen Grad unterstuetzen werde". Stubberfield deutete ausserdem eine Notloesung an: "Unter Umstaenden werden wir die Open-Firmware- Information nach dem Betriebssystem laden." Das haette jedoch laut Computergram zur Folge, dass beim Start des Rechners keine externe Festplatte verwendet werden koenne, die der Open-Firmware-Norm entspreche. Damit waeren aber die Powerstack-Rechner ab Juni dieses Jahres nicht mehr Prep-kompatibel, was die Absatzchancen stark verringern duerfte.

Diese Halbherzigkeit wurde von der deutschen Pressesprecherin Cornelia Marschall von Bieberstein inzwischen aus der Welt geraeumt: "Motorola wird ab 1. Juni 1995 die Powerstack-Rechner mit Open Firmware ausliefern."

Bei IBM scheint die Verwirrung groesser zu sein. Auf die erste Anfrage von "Computergram" antwortete IBM ausweichend und erklaerte den IEEE-1275-Standard fuer unvollstaendig. Weitere Auskunftsbemuehungen blieben unbeantwortet, auch die deutsche Niederlassung musste passen. Das IEEE hat den Open-Firmware- Standard allerdings Anfang Okotober 1994 verabschiedet, wie auch die amerikanische Firma Firmworks Inc. bestaetigte. Doch IBMs Workstation "RS/6000 40P" und die Vorseriengeraete "Power-PC 6015" waren damals schon auf fertiggestellt Beide Systeme kamen im Herbst 1994 auf dem Markt.

Eindeutig festgelegt hat sich bisher nur der David unter den Power-PC-Goliaths: Die amerikanische Firma Firepower Systems Inc. aus Menlo Park in Kalifornien liefert zur Zeit schon Power-PC- Rechner aus, die der IEEE-1275-Norm entsprechen.