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21.12.1979 - 

Berufsbild des DV-Leiters im Wandel:

Tele-Chance versüßt Batch-Abschied

MANNHEIM - Der Rahmen für das neue Berufsbild ist schon gezimmert, und auf der Leinwand zeichnen sich die ersten Konturen des Dargestellten bereits deutlich ab, aber der Titel des Bildes ist noch nicht gefunden. Auf jeden Fall soll der zu Porträtierende ein Leitender sein.

Der eine Prophet siedelt ihn in der Vorstandsebene an - mindestens mit einem Informationslogistik-Prädikatsexamen in der Tasche (vergleiche Roland Henssler, Direktor des Control-Data-Instituts, im Gastkommentar der COMPUTERWOCHE-Nr. 49) -, der andere - der Realität von jetzt und hier noch nicht so weit vorauseilend - nennt ihn schlicht den "Leiter Telekommunikation"; er fordert von ihm Nachrichten- und Computer-technisches Wissen und fordert für ihn eine zentrale Informationsabteilung, die die konzernweite Planungsverantwortung hat. Wie sich die Skizzen gleichen! Der andere ist Hans-Jochen

Weiher, Leiter der Abteilung Nachrichtentechnik der Fordwerke, der im Schwerpunkt dieser CW-Ausgabe auszugsweise mit Passagen aus einem Vortrag, gehalten beim ersten Symposium der Deutschen Telecom e. V. in Mannheim, zu Wort kommen soll. Ein Kernsatz aus seiner Schlußbetrachtung: "Es gibt kein wirkliches Abgrenzungsproblem zwischen Nachrichtentechnik und Computertechnik, dies ist mehr ein Qualifikationsproblem im Bereich Nachrichtentechnik"

Tele-Chance versüßt Batch-Abschied

Die Nachrichtentechnik ist auch heute noch das Stiefkind in vielen Unternehmen, sie wird als notwendiges Übel angesehen und nicht als Organisations- und Rationalisierungsmittel, wofür Investitionen und selbstverständlich auch laufende Ausgaben erforderlich sind. Betrachtet man einmal die Kostenseite der Nachrichtentechnik im Vergleich zur Computeranwendung in den Unternehmen, so wird man feststellen, daß die

jährlichen Aufwendungen auf beiden Gebieten gar nicht so unterschiedlich sind. Die Stellung, aber auch im vielen Fällen die Qualifikation der beiden entsprechenden Ressortleiter in der Unternehmensorganisation, stehen jedoch meistens in keinem Verhältnis zu dieser finanziellen Seite, obwohl doch gerade die finanzielle Verantwortung das wichtigste Kriterium für die Stellung innerhalb eines Unternehmens sein sollte.

Es liegt nahe, daß die Nachrichtentechnik bisher überwiegend rein technisch behandelt wurde, was in vielen Fällen dazu geführt hat, daß die organisatorische und betriebswirtschaftliche Seite von anderen Bereichen wahrgenommen wurde. Deshalb konnte sich zwangsläufig auch nicht der Mann entwickeln, der Technik, Organisation und Betriebswirtschaft der Nachrichtentechnik gleichermaßen beherrscht.

Wo steht der Leiter Nachrichtentechnik heute?

Diese Aufteilung der Verantwortung hat in vielen Fällen dazu geführt, daß in Unternehmen mit dezentralen Werken jedes Werk einen eigenen Verantwortlichen hat, dessen Tätigkeiten wenig oder überhaupt nicht koordiniert und kontrolliert werden. Ich halte hier eine zentrale Organsiationsform für unbedingt erforderlich, weil es um das verbindende Kommunikationsmittel eines Gesamtunternehmens geht.

Zusammenfassend möchte ich aus der Standortbestimmung festhalten.

þDen verantwortlichen Leiter der Nachrichtentechnik für das Gesamtaufgabengebiet gibt es in Deutschland nur in wenigen Unternehmen.

þDie Nachrichtentechnik ist in vielen Unternehmen dezentral und nicht zentral organisiert.

þDie Nachrichtentechnik in deutschen Unternehmen hat nicht die organisatorische Stellung, die ihr aufgrund der Bedeutung für das Gesamtunternehmen und aufgrund der Kostenseite zustehen muß.

Ich zähle zum Aufgabengebiet Nachrichtentechnik beim Großanwender: Fernsprechsysteme einschließlich Sprechanlagen; Fernschreib-, Textübertragungsanlagen; Faksimileanlagen Funkanlagen; Fernsehanlagen; Lautsprecheranlagen; Datenübertragungsanlagen.

Den Begriff Anlagen beziehungsweise Systeme möchte ich noch näher erklären. Ich verstehe darunter alle Endgeräte, Vermittlungseinrichtungen, Übertragungswege und -netze, selbstverständlich vollkommen unabhängig davon, welche Technologien dabei eingesetzt werden. Es ist eine irrige Auffassung, daß technische Anlagen und Systeme, die von Computern gesteuert werden, in die Verantwortung der klassischen Datenverarbeitung fallen müssen. Dies würde zum Beispiel doch bedeuten, daß eine prozeßgesteuerte Fertigungseinrichtung vom Bereich Datenverarbeitung geplant werden müßte - wohl niemand würde auf diese Idee kommen.

Welche Aufgaben und technischen Systeme gehören zum Gebiet Nachrichtentechnik

Geht diese Entwicklung nicht vielmehr dahin, daß sich jeder Fachbereich in Zukunft mehr und mehr mit der Computertechnik selbst befassen muß, um die immer stärker vordrängende "verteilte Datenverarbeitung" richtig und wirtschaftlich einzusetzen? Mit der "Dezentralisierung" der Datenverarbeitung muß zwangsläufig auch die zentrale Planungsabteilung für Datenverarbeitung wenigstens teilweise dezentralisiert werden, ein Trend dafür ist heute mehr oder weniger stark in einigen Unternehmen zu erkennen. In diesen Prozeß der Dezentralisierung möchte ich den Bereich Nachrichtentechnik mit einbeziehen, das heißt die Fachleute, die sich heute im Bereich Datenverarbeitung mit Hard- und Software-Planung für Datenübertragungssysteme befassen - falls es diese heute schon dort gibt -, müssen zukünftig Bestandteil des Bereiches Nachrichtentechnik werden und damit würde auch die noch vorhandene Lücke auf diesem Gebiet mit den notwendigen Fachkenntnissen und der Manpower geschlossen werden.

Wie kann man das Aufgabengebiet der Nachrichtentechnik zur Datenverarbeitung abgrenzen?

Mit diesen wohl doch sehr provokativen Feststellungen bin ich bei der nächsten Frage angelangt.

Behandelt man dieses Thema rein technisch, so gibt es dabei sicher keine großen Schwierigkeiten, wenn man die vorher von mir festgelegten Systeme und Anlagen betrachtet. Auch bei allen Daten-Übertragungsanlagen gibt es eindeutige technische Schnittstellen, an denen die Nachrichtentechnik endet und die Computertechnik beginnt. Wenn sich das Problem technisch so einfach abgrenzen läßt, warum gibt es dann gerade bei diesem Thema so viele unterschiedliche Meinungen?

Sicher ist der Grund dafür, daß jeder Verantwortungsbereich versuchen möchte, seine Verantwortung so weit wie möglich auszuweiten. Solche zwar verständlichen persönlichen Gründe sollten jedoch für generelle und grundsätzliche organisatorische Überlegungen keine Rolle spielen.

Wo liegt dann das Abgrenzungsproblem, wenn es technisch so einfach ist, klare Schnittstellen und Verantwortungen festzulegen? Ich möchte zu dieser oft diskutierten Frage noch zwei Diskussionspunkte beisteuern:

In vielen Firmen hat es der für die Nachrichtentechnik verantwortliche Leiter versäumt, sich die für die Datenübertragung notwendigen Fachkenntnisse anzueignen. Ich meine damit nicht unbedingt die technischen, das heißt die Hardware-Kenntnisse. Um das Aufgabengebiet Datenübertragung insgesamt zu behandeln und zu bearbeiten, bedarf es außerdem umfangreicher Software-Kenntnisse; man muß nicht nur wissen, wie solche Systeme technisch funktionieren, sondern wie sie untereinander kommunizieren. Man muß ganz einfach mehr wissen und können auf diesem Fachgebiet; jeder Organisator oder EDV-Mann wird gerne seine Probleme zur Lösung der Nachrichtentechnik überlassen.

Ohne diese Kenntnisse wird die Organisation die Fernmeldeabteilung lediglich zum "Strippen-Ziehen" gebrauchen, womit wir sicher alle nicht sehr zufrieden sein dürften.

Ich hatte vorher schon einmal auf den technologischen Trend zur "verteilten Datenverarbeitung" hingewiesen. Neue Telekommunikationssysteme werden erforderlich sein, um all dies untereinander zu verbinden, das heißt der Nachrichtentechnik kommt in Zukunft mehr denn je eine zentrale koordinierende Bedeutung zu, eine Funktion, die bisher bei großen zentralen Systemen vom Bereich EDV wahrgenommen wurde.

Wie wird sich die Organisation in Zukunft entwickeln müssen?

Wer in Zukunft in großen Unternehmen die Kontrolle über den Einsatz von Computern aller Art behalten möchte, kann dies am einfachsten über die Kontrolle des Fachbereiches Nachrichtentechnik erreichen, da letztlich dort wieder alle Fäden zusammenlaufen werden. Eine große Aufgabe für die Nachrichtentechnik und sicher auch der Grund dafür, daß über diese Funktion und die Abgrenzung des Aufgabengebietes so viel diskutiert wird.

Eins aber darf bei dieser Diskussion auf keinen Fall passieren, nämlich, daß das Gebiet Nachrichtentechnik aufgeteilt wird. Mit einer solchen Organisation würde man der zukünftigen technologischen Entwicklung entgegenwirken.

Für mich geht die zukünftige organisatorische Entwicklung in großen Unternehmen in die Richtung, daß eine zentrale Stabsabteilung Verantwortung für EDV, Büroorganisation und Nachrichtentechnik haben muß.

Diese zentrale Informationsabteilung muß konzernweite Planungsverantwortung haben, das heißt auch in weltweiten multinationalen Unternehmen sollte es eine zentrale Stelle geben, die alle Aktivitäten auf diesen Gebieten koordiniert. Die Frage dabei ist sicher nicht, wer in einer solchen Organisation die Führung übernehmen wird. Wichtig erscheint mir, daß die Nachrichtentechnik endlich die Bedeutung erhalten wird, die sie eigentlich schon lange haben sollte.

Zusammenfassung

þBedingt durch die historischen technischen Entwicklungen ist die bisherige Stellung der Nachrichtentechnik in Anwender-Unternehmen ihrer Bedeutung entsprechend für das Gesamtunternehmen falsch. Die Organisationsform ließ eine Entwicklung des Gesamtverantwortlichen für die Nachrichtentechnik bis heute nur in wenigen Unternehmen

zu.

þJeder Leiter der Nachrichtentechnik sollte in seinem Unternehmen darlegen für welche Systeme er zuständig ist und diese Verantwortung klar zu anderen Bereichen abgrenzen.

þEs gibt kein wirkliches Abgrenzungsproblem zwischen Nachrichtentechnik und Computertechnik, sondern dies ist mehr ein Qualifikationsproblem im Bereich Nachrichtentechnik.

þUm zukünftiger technologischen Entwicklungen zu begegnen, müssen EDV, Büroorganisation und Nachrichtentechnik konzernweit koordiniert werden. Nur so ist sichergestellt, daß diese Systeme effektiv in einem Unternehmen funktionieren.

* Hans-Jochen Weiher ist Leiter der Abteilung Nachrichtentechnik der Fordwerke in Köln.