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27.06.1986 - 

Baden-Württemberg schließt ersten Modellversuch ab:

Tele-Heimarbeit hat wenig Chancen

MÜNCHEN (ih) - Reine Tele-Heimarbeit wird sich in absehbarer Zeit nicht durchsetzen. Zu diesem Ergebnis kommt das baden-württembergische Wirtschaftsministerium nach Abschluß des ersten bundesdeutschen Modellversuchs "Dezentrale Arbeitsplätze unter Einsatz von Teletex". Grund: zu hohe Kosten und Organisationsprobleme.

Anfang 1984 startete die badenwürttembergische Landesregierung in Stuttgart einen Modellversuch zur Tele-Heimarbeit. In einem Zeitraum von zwei Jahren sollten zum einen die Vor- und Nachteile dezentraler Heimarbeitsplätze mit ihren technischen, organisatorischen, wirtschaftlichen sowie sozialen Problemen untersucht werden. Zum anderen war die Frage zu klären, ob sich Teletex dazu eignet, dezentrale Arbeitsplätze weit ab von Ballungszentren einzurichten.

An dem Versuch beteiligten sich 14 Unternehmen und Behörden. Die Zielgruppe für die Arbeit daheim waren ausschließlich Hausfrauen mit Kindern. Sie schlossen mit der Landesregierung einen sogenannten Außenarbeitnehmer-Vertrag ab. Sozialversicherung, Zusatzleistungen, Urlaub sowie Krankengeld waren geregelt wie bei den übrigen Beschäftigten des jeweiligen Unternehmens.

Die Auswertung des Versuchs durch das Fraunhofer Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation ergab jetzt jedoch, daß sich Tele-Heimarbeit in absehbarer Zeit nicht durchsetzen wird: So soll allein die Einrichtung von Tele-Heimarbeitsplätzen im Vergleich zu den herkömmlichen Schreibarbeitsplätzen im Büro wesentlich teurer sein.

Der Modellversuch war von Beginn an umstritten. Vor allem aus Gewerkschaftskreisen verlauteten schwere Bedenken. So warnte Marlies Dobberthien vom DGB-Landesvorstand in Stuttgart schon 1984, daß das Vorhaben wenig mit den wahren Verhältnissen der freien Wirtschaft zu tun hätte. Allein im Ansatz sei der Versuch bereits verfehlt gewesen, da er auf einer völlig überholten wirtschaftlichen Bedarfssituation basiert habe. "Bis auf wenige Ausnahmefälle", so die Gewerkschafterin, "gibt es nun einmal keinen Mangel an Schreibkräften".

Vor allem aber moniert Marlies Dobberthien einen Zwischenbericht zu dem Modellversuch. Darin wird empfohlen, den Tele-Heimarbeitern keinen Tarif-, sondern einen Werkvertrag anzubieten, um Kosten zu sparen. Ein solcher Vertrag verleihe dem dezentral Tätigen jedoch den Status eines Selbständigen, so daß er damit das volle Betriebsrisiko trage. Die Gewerkschafterin empört: "Der Arbeitgeber hingegen ist jeder vertraglichen Verpflichtung enthoben".

Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium ist allerdings davon überzeugt, daß es von 1988 an eine Veränderung der Kostenstruktur zugunsten der Tele-Arbeitsplätze geben wird. Durch die Einführung des ISDN (Integrated Services Digital Network) seien für die "Arbeit in der Wohnstube" bessere Chancen zu erwarten. Dieser Entwicklung sieht Marlies Dobberthien jedoch voller Sorge entgegen: "Wir werden auf jeden Fall weiterhin auf der Hut sein, damit der Arbeitnehmer nicht übervorteilt wird.