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12.11.1998 - 

Anwenderschulung

Tele-Learning wird auch in Gruppen möglich

Weil sich die betriebliche Aus- und Weiterbildung mit traditionellen Mitteln allein nicht mehr bewältigen läßt, sind computergestützte Lernverfahren ein geeignetes Bildungsinstrument. In vernetzten Umgebungen begegnen sie am besten dem ständigen Wandel und den höheren Qualifikationsanforderungen. Denn neue Lernmethoden ermöglichen zeitlich und örtlich flexibel Weiterbildungsmaßnahmen und damit ein permanentes Neu- und Dazulernen.

Von Eva Pötters*

Die Zunahme vernetzter PCs bietet den Vorteil einer elektronischen Umgebung, in der Mitarbeiter unabhängig von Zeit und Ort lernen können. Das zahlt sich besonders beim IT-Training aus.

"Klassische papiergebundene Lernmedien werden zukünftig oft ihre momentan noch dominierende Stellung verlieren", erklärt der Hochschullehrer Wolfgang Finke, Leiter des Studienschwerpunktes Wirtschaftsinformatik an der FH Jena. Auch den heutigen CD-ROM-Konzepten räumt er nur wenig Chancen ein.

Finke hebt vielmehr hervor: "Web-basierte Groupware wird in den entstehenden multimedialen Lehr- und Lernumgebungen eine wesentliche Rolle spielen, da sie individuelles Lernen interessanter und vor allem effizienter macht."

Viele Unternehmen wollen ihren Angestellten zwar notwendige Trainingseinheiten anbieten, doch es gibt drei Haupthindernisse: der Mangel an Zeit für den Besuch von Trainingsklassen, die unterschiedlichen Fähigkeiten und die unzureichenden Finanzmittel. Deswegen ergänzen viele Unternehmen ihr von Lehrern persönlich geleitetes Training um verschiedene Methoden des Fernlernens.

Obwohl lehrergeleitetes Training noch den größten Anteil am Schulungsmarkt einnimmt, bietet es doch nur eine Art der Weiterbildung in Unternehmen. Daneben steigt der prozentuale Anteil des technologiebasierten Trainings (TBT) stetig an. TBT umfaßt computerbasiertes Training (CBT), Video, Multimedia und Electronic Performance Support Systems (EPSS).

Dabei erlangt insbesondere das Fernlernen über das Internet oder über das firmeneigene Intranet mit Web-basierter Trainings-Management-Software immer mehr an Bedeutung. Daneben nutzen Unternehmen ihre eigenen Satellitenkanäle, um Trainingsinhalte schnell an Angestellte, Kunden und Trainingspartner zu übermitteln.

Beim Fern- und dem verteilten Lernen gilt, daß Teilnehmer eines Schulungskurses nicht in einem Klassenzimmer anwesend sein müssen, um dem Unterricht zu folgen. Weiter gefaßt ist Fernlernen jeder Bildungszugang, der das traditionelle Klassenzimmer ersetzt. Verteiltes Lernen ist hierbei eine Variante, die als teamorientierte Bildung auf moderner Computertechnik beruht, wobei ein Kursleiter für die Inhalte verantwortlich ist, die jederzeit und überall abzurufen sind.

Drei Hauptmodelle für das Lernen

Beim Fernlernen lassen sich die Lernziele nicht mehr wie bei spezialisierten Weiterbildungskursen definieren. Im Vordergrund stehen vielmehr allgemeine und breit angelegte Ergebnisse wie der Transfer von Informationen sowie die Arbeit am eigenen Lerntyp.

Es gibt drei Hauptmodelle: das trainerunterstützte Lernen (lehrerzentriert), das Selbststudium und das verteilte Lernen (gemeinsames Fernlernen mit Trainerunterstützung).

Die traditionelle Unterrichtsmethode wie Klassenzimmerschulung, Einzelunterricht oder Tutoren am Arbeitsplatz kommt meist dann zum Einsatz, wenn es um die Vermittlung von Daten und Fakten geht. Die Teilnehmer sollen dabei Wissen vor allem memorieren, weniger interpretieren.

Bei der lehrerzentrierten Methode kontrolliert ein Fachmann das Lehrmaterial und die Arbeitsschritte. Diesem Modell folgen sowohl der Präsenz- als auch der Fernunterricht. Die Vorteile hierbei liegen insbesondere im intensiven Unterricht durch die persönliche Betreuung; die Nachteile sind der hohe Kosten- und Zeitaufwand.

Bei dem auf den Lernenden bezogenen Modell (Selbststudium, technologiebasierte Weiterbildung wie CBT oder multimediale Präsentationen) müssen Schüler die Informationen selbst interpretieren, um daraus neues Wissen zu gewinnen. Sie sollen Wissen durch Beobachtung und Erfahrung verinnerlichen und nicht einfach nur Angelerntes wiedergeben. Bei diesem entdeckenden Lernen geben Schüler und Auszubildende selbst das Tempo der einzelnen Arbeitsschritte vor.

Spezielles Schulungspersonal betreut dabei oft die Lernenden, was die Entwicklung individueller Erfahrungen und neuer Fähigkeiten beschleunigt. Viele Computersimulationen, interne Schulungen und zeitlich befristete Projekte nutzen diesen schülerzentrierten Wissenszugang, der "just in time" mit attraktiven Preisen lockt. Die Nachteile bestehen in der Notwendigkeit einer großen Selbstdisziplin des Anwenders, der darüber hinaus meist keine fachkundige Betreuung erhält.

Beim teambasierten Lernzugang entsteht Wissen beispielsweise im hausinternen Intranet oder im Internet durch Gruppenarbeit. Dieses kooperative Lernen ist insbesondere geeignet, um festgefahrene verinnerlichte Verhaltensweisen aufzuzeigen.

Dabei bringt jeder Mitwirkende seine Erfahrungen und Kenntnisse in den Wissenstransfer ein. Das teamorientierte Lernen ist deshalb ideal für Problemlösungen, bei dem das Ziel die Gewinnung neuen Wissens aus der Synthese und der Zusammenführung vorhandener Potentiale ist.

Diese kostengünstige Methode, bei der den Anwendern auch Trainer zur Seite stehen, kann sich auf die gesamte Unternehmenskul- tur auswirken. Als Nachteile machen sich die begrenzte Zahl von Teilnehmern eines Kurses und die IT-Infrastruktur bemerkbar, die oftmals erst geschaffen werden muß.

Die Rolle des Lehrers bei der teamzentrierten Methode besteht im richtigen Fördern des Informations- und Wissensaustauschs zwischen den Teilnehmern, nicht im Kontrollieren der Inhalte. Deshalb schafft der Kursleiter eine Umgebung von Gleichgestellten und gibt seinen Schülern immer wieder direktes Feedback. Wissenstransfer steht dabei im Vordergrund.

Schüler und Mitarbeiter, die in solchen kooperativen Gruppen lernen, zeigen bessere Lösungsstrategien, eine größere Ideenvielfalt sowie ausgeprägteres kritisches Denken. Sie kommen zu kreativeren Antworten auf Probleme als Autodidakten oder Teilnehmer von lehrerzentrierten Kursen.

Auch wenn dieses Modell nicht immer die beste Lehrmethode für jede Situation ist, so fördert es doch effiziente Teamarbeit. Und es verbessert die Fähigkeit des einzelnen zu Zusammenarbeit und Kommunikation.

Neue Technologien für das verteilte Lernen können auch die traditionellen Lernmethoden unterstützen. In einer vielfältigen und breit angelegten Lernumgebung muß beispielsweise die Software dem Kursleiter möglich machen, sämtliche Modellvarianten und Lernziele miteinander zu kombinieren. Im Idealfall soll DV-gestütztes Unterrichten das Präsenzlernen in einem traditionellen Klassenzimmer nicht nur ergänzen, sondern es sogar ganz ersetzen.

*Eva Pötters ist im Education-Bereich der Professional Services bei Lotus Development in Ismaning tätig.