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Innovative Sparkassen in Nordrhein-Westfalen

Telearbeit: Banker erproben flexible Arbeitszeitmodelle

17.03.2000
Online-Banking ist für viele Bankkunden längst Alltag. Nun wollen die Sparkassen die Möglichkeiten, die moderne Kommunikationstechnologie bietet, auch dazu nutzen, um flexiblere Arbeitsformen einzuführen.Von Gabriele Müller*

Dort, wo sonst der Gruppenleiter in der Abteilung Aufbauorganisation der Sparkasse Essen sitzt, steht heute nur ein Schild: "Herr Leigraf ist unter der Telefonnummer.....zu erreichen." Und diese Nummer gehört zum Haus von Uwe Leigraf, der heute seinen Telearbeitstag daheim in Krefeld verbringt. "Ich habe heute morgen schon einige wichtige Dinge so zügig erledigt, wie ich es im Büro wahrscheinlich nie geschafft hätte", freut er sich.

Der Heimarbeitsplatz am Niederrhein hat vor allem den Vorteil, dass er weit weniger störanfällig ist als das Büro in Essen. Das heißt nicht, dass sich der Betriebswirt von der Außenwelt oder den Kollegen aus seinem Team abschottet. Per E-Mail, Fax und Telefon ist er in den für alle Telearbeiter der Sparkasse geltenden Kernzeiten jederzeit zu erreichen.

Für Leigraf bringt die alternierende Form des Arbeitens zu Hause und im Büro handfeste Vorteile. "Normalerweise fahre ich von Krefeld nach Essen rund eine Stunde", rechnet der Gruppenleiter vor. "Generell stößt diese Arbeitsform auf großes Interesse, weil sich so Beruf und Privatleben besser vereinbaren lassen", weiß Wirtschaftsinformatiker Jochen Schuchardt von der TA Telearbeit Gesellschaft für innovative Arbeitsformen mbH aus Geilenkirchen, der bei diesem Projekt als Berater im Auftrag des Landes tätig ist.

Das Projekt "Telearbeit in Sparkassen" ist ein Teil der Initiative "Telearbeit in Nordrhein-Westfalen". Daran sind unter Federführung des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes (RSGV) die Sparkassen Essen und Krefeld, die Kreissparkassen Düren und Köln und die SIS West GmbH beteiligt.

In der Vergangenheit scheiterte Telearbeit oft an ungenügender Vorbereitung. "In Essen haben die Banker deshalb zunächst Aufgaben, Arbeitsplätze und Organisationsformen gründlich analysiert, bevor entschieden werden konnte, wer von den Mitarbeitern an dem Versuch teilnimmt", schaut Schuchhardt zurück.

Nicht jeder Arbeitsplatz, nicht alle Aufgaben und Organisationsformen und auch nicht jeder Mitarbeiter ist für die neue "Heimarbeit" geeignet. Die Fähigkeit zur Selbstmotivation, eine erhebliche Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein, Fach- und Methodenkompetenz muss ein Telearbeiter mitbringen, um erfolgreich zu sein. Auch die räumlichen Bedingungen für den häuslichen Arbeitsplatz müssen den Anforderungen genügen.

So wurden für die rund 1800 Sparkassenmitarbeiter in Essen von vorn herein nur 15 Arbeitsplätze geplant, die Büro und Zuhause kombinieren. Nach einem langen Analyse- und Beratungsprozess wurden zwölf realisiert, die jetzt von zwei Frauen und zehn Männern, einer davon Leigraf, getestet werden. Ähnliche Zahlen kommen aus Krefeld mit 18 und aus Köln mit sieben Arbeitsplätzen. "Kein Mitarbeiter hatte den Wunsch, nur zu Hause zu arbeiten", bestätigt Schuchardt. Zu groß sei die Angst vor beruflicher und menschlicher Isolation.

"Als Sparkassenmitarbeiter gehen wir mit vielen hochsensiblen Daten um", begründet Leigraf die Vorsicht seines Arbeitgebers. "Es muss sichergestellt sein, dass niemand unbefugt über meinen Heimarbeitsplatz an Daten von Dritten herankommt". Deshalb machen nun Passwörter und Verschlüsselungen jeden "Spionageversuch" zunichte. Auch Arbeitsschutz und Ergonomie werden groß geschrieben. Bevor Leigraf beginnen konnte, nahm zunächst ein Expertenteam die örtlichen Gegebenheiten unter die Lupe. Schließlich wurde das "Zweitbüro" im Dachgeschoß mit moderner Kommunikationstechnik ausgerüstet, dann fiel der Startschuss.

Und der Arbeitsalltag? "Wir haben großen Wert darauf gelegt, die Rahmenbedingungen flexibel sowohl an die Bedürfnisse der Kunden als auch der Kollegen anzupassen." Deshalb müssen die Kernansprechzeiten von Uwe Leigraf auch nicht mit denen einer ebenfalls telearbeitenden Kollegin übereinstimmen, die in einem anderen Bereich tätig ist. Kunden oder Kollegen aus anderen Abteilungen, die ihn ohnehin nur telefonisch erreichen, merken oft nicht, dass der Teleworker gerade garnicht in seinem Essener Büro sitzt. Die automatische Rufumleitung macht es möglich.

"Bei aller Flexibilität - Konsequenz muss sein", heißt die Devise für alle zwölf, die sich an diesem Pilotprojekt beteiligen. So hat jeder einen oder zwei feste Tage pro Woche als Telearbeitstage definiert. Dass sie auch eingehalten werden, dafür sorgen regelmäßige Treffen und Besprechungen untereinander, bei denen die ersten praktischen Erfahrungen ausgetauscht werden. Eines steht fest: Wenn im Frühjahr kommenden Jahres die Pilotphase abgeschlossen ist, wird bei den beteiligten Sparkassen auch eine Wirtschaftlichkeitsrechung aufgemacht. Ein Telearbeitsplatz kostet die Sparkasse Essen rund 15000 Mark - eine Investition in die Zukunft, die sich rechnen muss.

Das erklärte Ziel lautet deshalb, übertragbare Standardkonzepte für den Einsatz von Telearbeit innerhalb der gesamten Sparkassenorganisation zu schaffen. "Flexiblere, schlank organisierte Institute können schneller auf die Veränderungen des Marktes reagieren und sind den zukünftigen Entwicklungen sehr viel besser gewachsen", ist Schuchardt überzeugt.

* Gabriele Müller ist freie Journalistin in Wuppertal.