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13.09.1996 - 

Virtuelle Unternehmen/Ein Projekt soll Firmen aus NRW den Start erleichtern

Telearbeit - der erste Schritt zum virtuellen Unternehmen

272 von 1000 zufällig ausgewählten Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen haben sich an einer Befragung über Telearbeit beteiligt. Die Ergebnisse zeigen die zunehmende Bedeutung dieser Arbeitsform. Beinahe ein Drittel aller befragten Unternehmen gab an, Telearbeit entweder bereits eingeführt zu haben oder sich in der Planungsphase zu befinden.

Eingeführt hatten die Unternehmen bisher zirka 2000 Telearbeitsplätze, weitere 1200 werden zur Zeit geplant. Dominant ist dabei die alternierende Teleheimarbeit, bei der die Mitarbeiter wechselweise zu Hause oder im Büro arbeiten. Bereits 14 Prozent der Unternehmen haben diese Form der Telearbeit realisiert, weitere sieben Prozent planen deren Einführung.

Telearbeit gibt es keineswegs nur in Großunternehmen, auch kleine und mittelständische Firmen haben diese Form der Arbeitsorganisation für sich entdeckt. Annähernd 60 Prozent aller realisierten und geplanten Telearbeitsplätze finden sich hier.

Vergleicht man die Untersuchungsergebnisse mit denen einer von den Autoren im Jahr 1994 durchgeführten empirischen Studie, läßt sich eine deutlich gestiegene Verbreitung der Telearbeit erkennen. Von den damals untersuchten Unternehmen mit zehn bis 500 Mitarbeitern hatten sich erst 20 Prozent konkret mit dem Thema Telearbeit beschäftigt. 1996 dagegen realisierten oder planten bereits 27,4 Prozent Telearbeit.

Ein weiteres Wachstum ist zu erwarten. Denn weitere 54 Prozent der aktuell untersuchten Unternehmen, die sich bisher noch nicht mit dem Thema Telearbeit auseinandergesetzt haben, bewerteten sie als eine interessante Alternative zu bestehenden Formen der Arbeitsorganisation.

Die neue Untersuchung ergab, daß momentan die meisten Telearbeitsplätze im Bereich des Vertriebs und Kundendienstes realisiert und geplant sind (sogenannte "mobile Telearbeit"). Ihm folgen die Bereiche Datenverarbeitung/ Organisation und Finanzwesen/Verwaltung. Die restlichen Telearbeitsplätze verteilen sich auf die Funktionsbereiche Personalwesen, Einkauf, Forschung und Entwicklung, Produktion sowie Management. Am geeignetsten für Telearbeit gelten weiterhin Tätigkeiten, die eine Kommunikation mit Vorgesetzten oder Kollegen nur in größeren Zeitabständen, zum Beispiel zur Abstimmung, notwendig machen und zudem entweder einfacherer Art oder eindeutig an die Erreichung bestimmter Ergebnisvorgaben gebunden sind.

Hierzu zählen Aufgaben wie Texterfassung beziehungsweise -bearbeitung (72,5 Prozent der Befragten beurteilten diese Tätigkeiten als "geeignet" oder "sehr geeignet" für Telearbeit), Datenerfassung (73 Prozent), Systementwicklung und Programmierung (74,4 Prozent) sowie Außendienstaufgaben (72,2 Prozent/Mehrfachnennungen waren möglich).

Zunehmend werden aber auch die Chancen der Telearbeit für komplexere Tätigkeiten gesehen, wie in der CAD-Bearbeitung (58,1 Prozent), Konstruktion (53,3 Prozent), Buchhaltung (40 Prozent), DV-Wartung (39,5 Prozent) und DV-Beratung (32,4 Prozent). Der Grund liegt darin, daß es möglich ist, diese Tätigkeiten ergebnisorientiert auszurichten und sie sich weitgehend selbständig ohne allzu häufige kommunikative Abstimmungsprozesse erledigen lassen.

Die Erfahrungen einer Vielzahl der befragten Unternehmen, die Telearbeit bereits eingeführt haben, sind sehr positiv. Insbesondere Vorteile, die einer subjektiven Bewertung unterliegen und nur aufgrund von Erfahrungswerten beurteilbar sind, werden positiv eingeschätzt.

Hierzu zählen "bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie" (76 Prozent der Befragten hielten dies für einen "bedeutenden" oder sogar "sehr bedeutenden" Vorteil der Telearbeit), "Erfüllung individueller Mitarbeiterwünsche" (58,3 Prozent), "erhöhte Mitarbeitermotivation" (44,2 Prozent) und "erhöhte Produktivität der Mitarbeiter" (39,4 Prozent).

Die Unternehmen Digital Equipment und IBM Stuttgart beispielsweise konnten nach eigenen Angaben durch Telearbeit eine Produktivitätssteigerung von 30 Prozent erzielen, die Siemens AG in München erwartet immerhin noch einen Anstieg zwischen 15 und 20 Prozent. Neben den qualitativen Nutzenpotentialen wird von rund 40 Prozent der befragten Unternehmen auch die Möglichkeit der Kosteneinsparung durch Senkung der Kosten für Büromieten gesehen.

Die im Zusammenhang mit der Telearbeit immer wieder diskutierte Gefahr der sozialen Isolation durch Wegfall persönlicher Kontakte zu Kollegen wird häufig bemängelt. Entscheidend ist jedoch, daß diese Ansicht in erster Linie bei den Unternehmen verbreitet ist, die Telearbeit bisher noch nicht realisiert haben (74,6 Prozent). Unternehmen mit entsprechenden Telearbeitserfahrungen bewerten diese Gefahr sehr viel geringer (50,8 Prozent).

Bei der heute präferierten alternierenden Form der Telearbeit stellt die soziale Isolation objektiv betrachtet auch kein wirkliches Hindernis mehr dar, da die Mitarbeiter nur zeitweise zu Hause arbeiten und weiterhin regelmäßig im Büro sind. Die persönliche Kommunikation und Abstimmung mit Kollegen kann somit während der Anwesenheit im Unternehmen erfolgen. Für die Telearbeitsformen Satelliten- und Nachbarschaftsbüro, bei denen die Telearbeiter jeden Tag mit Kollegen verbringen, gilt dies um so mehr.

Als weitere Nachteile der Telearbeit wurden von den Befragten Schwierigkeiten im Bereich der Führung und Kontrolle (63 Prozent), der relativ hohe organisatorische (47,8 Prozent) und technische Realisierungsaufwand (45,4 Prozent) sowie rechtliche Probleme im Datenschutz (55,1 Prozent), im Arbeitsrecht (43,4 Prozent) und im Betriebsverfassungsrecht (38,3 Prozent) genannt.

Erwartungsgemäß werden die rechtlichen Probleme in erster Linie von den Betriebsräten und die Mängel im Bereich der Führung und Kontrolle vor allem von den Geschäftsführern gesehen. Jedoch gilt auch hier wieder die obengenannte Erkenntnis: In Unternehmen mit vorhandenen Telearbeitserfahrungen werden alle Problembereiche von den verschiedenen Mitarbeitergruppen deutlich geringer eingeschätzt.

Ein schwieriges Unterfangen ist die Klärung der organisatorischen Fragen. Gerade diese Prozesse, die teilweise mit neuen betrieblichen Strukturen, Regeln und einer Anpassung der Unternehmenskultur verbunden sind, müssen sorgfältig geplant und behutsam eingeführt werden. Häufige Fragen in diesem Kontext bezogen sich auf die Bereiche Mitarbeiterführung, Leistungskontrolle und Koordination von Teams.

Ihre Beantwortung stellt für viele Unternehmen zunächst ein Hindernis in der Umsetzung der Telearbeit dar. Oft werden Mitarbeiter heute noch weitgehend "verhaltensorientiert" geführt. Dies bedeutet, daß vom Verhalten des Mitarbeiters auf seine Leistung geschlossen wird: "Der sitzt jeden Tag bis spät abends an seinem Schreibtisch und macht einen sehr fleißigen Eindruck."

Bei Telearbeit muß an die Stelle dieser Verhaltenskontrolle eine zielorientierte Führung (Management by Objectives) und ergebnisorientierte Kontrolle treten, die sich am Erreichen gemeinsam definierter Ziele orientiert. Dies stellt in vielen Unternehmen neue Anforderungen an das Management und erfordert vor allem von den Führungskräften einen Umdenkungsprozeß.

Die aktuell durchgeführte Untersuchung ergab, daß bereits zirka 60 Prozent der Unternehmen einen ziel- oder ergebnisorientierten Führungsstil mit einer teamorientierten, durch Überzeugung gekennzeichneten Entscheidungsfindung beziehungsweise -umsetzung besitzen. Führung und Kontrolle im Sinne eines Management by Objectives setzt sich also immer stärker durch.

Ein wesentlicher Aspekt bei der unternehmerischen Entscheidung, Telearbeit einzuführen, bilden natürlich die anfallenden Kosten. Es lassen sich grundsätzlich zwei Kostenarten unterscheiden: Zunächst die einmaligen Kosten zur Einrichtung von Telearbeitsplätzen (Anschaffung von Informations- und Kommunikationstechnik sowie sonstiger Büroeinrichtung). Des weiteren ergeben sich laufende Kosten, zum Beispiel für Miete oder Telekommunikationsgebühren.

Technische Lösungen für die Ausstattung eines Telearbeitsplatzes sind heute schon ab 5000 Mark zu bekommen. Trotzdem nahm rund die Hälfte der Befragten an, daß die Einrichtungskosten für Telearbeitsplätze höher lägen als die für Büroarbeitsplätze. Diese Fehleinschätzung hat natürlich negative Auswirkungen auf die Akzeptanz von Telearbeit.

Den Kosten für die Einrichtung von Telearbeitsplätzen stehen die Einsparungsmöglichkeiten an Raumkosten in der Unternehmenszentrale gegenüber, die bei den heutigen Mietpreisen in Ballungsgebieten beträchtlich sein können. So sparte beispielsweise ein Software-und Systemhaus jährlich rund 6000 Mark pro Tele- statt Büroarbeitsplatz.

Auch wenn die Büroarbeitsplätze im Unternehmen bei alternierender (also zeitweiser) Telearbeit nicht vollständig wegfallen, so lassen sich doch Mehrpersonen-Büroarbeitsplätze einrichten, die sich mehrere Mitarbeiter teilen. So gibt es etwa einen Pool von fünf Arbeitsplätzen für zehn Mitarbeiter, undeutsch: "Desk-Sharing".

Im Rahmen der durchgeführten Untersuchung bewerteten die meisten Befragten (76,5 Prozent) das Desk-Sharing zwar positiv, aber dennoch zurückhaltend. Als weitaus häufigste Begründung für das Desk-Sharing wurde die Reduktion von Kosten sowie die bessere Nutzung von begrenzten Bürokapazitäten genannt. Jedoch sahen annähernd 90 Prozent der Befragten Akzeptanzprobleme unter den Mitarbeitern, insbesondere durch vorhandenes Statusdenken und der Gefahr der sozialen Isolation.

Die Befragten wurden auch gebeten, ihre Ansichten zu gesellschaftlichen und ökologisch-verkehrspolitischen Auswirkungen dieser Arbeitsform abzugeben.

Hierzu zählt nach Ansicht der Befragten an erster Stelle, daß Telearbeit eine fortschreitende Globalisierung des Produktionsfaktors Arbeit mit sich bringen werde, da Arbeitskräfte in Zukunft von jedem beliebigen Ort aus ihre Leistungen erbringen können (81,6 Prozent). Kritisch wurde in diesem Kontext die Gefahr des Verlusts von Arbeitsplätzen im Inland zugunsten von Billiglohnländern gesehen (52,9 Prozent).

65 Prozent erwarten positive Auswirkungen auf strukturschwache Regionen, zum Beispiel durch Einrichtung von Satelliten- oder Nachbarschaftsbüros. Etwas weniger (58,1 Prozent) glauben, daß Telearbeit in Zukunft für jede moderne Volkswirtschaft ein wesentlicher Faktor im internationalen Wettbewerb sein wird. 55,7 Prozent sehen neue Ausbildungs- beziehungsweise Berufszweige entstehen.

In ökologisch-verkehrspolitischer Hinsicht erwarten die Befragten eine bedeutsame Entlastung des Verkehrs in Ballungsgebieten (74,9 Prozent), eine starke Verminderung von Pendel- und berufsbedingten Reisefahrten (66,7 Prozent) sowie die Entlastung der Umwelt durch den Rückgang von Abgasmengen (55,9 Prozent). Insgesamt werden der Telearbeit also deutlich positive Auswirkungen auf Ökologie und Verkehr zugeschrieben.

Angeklickt

Die DV-Aufrüstung vieler Arbeitsplätze bietet auch neue organisatorische Chancen für flexible Formen der Arbeitsorganisation. Telearbeit ist der erste Schritt zum virtuellen Unternehmen. Der vorliegende Beitrag präsentiert aktuelle Ergebnisse einer Anfang dieses Jahres von der TA Telearbeit GmbH im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführten emipirischen Erhebung, die das Meinungsbild in nordrhein-westfälischen Unternehmen zum Themenbereich Telearbeit untersuchte.

Starthilfe

Die TA Telearbeit GmbH führt mit dem Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen das Projekt "Telearbeit in NRW - Das virtuelle Büro" durch. Der Auftrag besteht in der Planung und Realisierung von rund 1000 Telearbeitsplätzen in NRW sowie einer intensiven Begleituntersuchung dieses Projekts.

Dabei werden die unterschiedlichen Formen der Telearbeit -alternierende Teleheimarbeit, Telecenter und Teleservice-Center -berücksichtigt. Unternehmen, die die Einführung von Telearbeit planen, erhalten eine ausführliche Beratung und Betreuung bei der organisatorischen, technischen und rechtlichen Realisierung.

Teilnehmen können Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenordnung. Unter Mitwirkung der Firmenvertreter werden Abteilungen und Arbeitsplätze bestimmt, die für Telearbeit in Frage kommen, und ein unternehmensindividuelles Einführungs- und Umsetzungskonzept für die Telearbeit entwickelt.

Literatur

Eine Veröffentlichung der erwähnten Studie in Buchform ist in Vorbereitung das Erscheinungsdatum steht noch nicht fest.

Godehardt, G. Klinge, C. List, H-U. Pollmann, R. Worch, A., Telearbeit - Telekooperation - Teleteaching: Eine Studie zu Akzeptanz, Bedarf, Nachfrage und Qualifizierung in NRW

*Diplomkaufmann Birgit Godehardt ist Geschäftsführerin, Diplomkaufmann Carsten Klinge ist Berater bei der TA Telearbeit GmbH in Geilenkirchen.