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10.01.1992 - 

In Ruhe läßt sich besser konzeptionell arbeiten

Telearbeit eignet sich in erster Linie für qualifizierte Mitarbeiter

MÜNCHEN (hp) - Telearbeit wird oftmals als Fortsetzung traditioneller Heimarbeit mit ihren öden Routinejobs verstanden. Dies ist zumindest in der DV-Branche nicht der Fall. Hier ziehen sich zumeist hochqualifizierte Mitarbeiter in die häuslichen Gefilde zurück, um sich konzeptionellen Aufgaben zu widmen - eine Möglichkeit, die bei den Betroffenen zu besserer Motivation und Effizienzsteigerung führt.

Telearbeit im traditionellen Sinn, also das ausschließliche Zuhausearbeiten, gibt es in Deutschland kaum. Größerer Beliebtheit erfreuen sich Mischarbeitsformen, bei denen die Mitarbeiter nur zeitweise in den eigenen vier Wändern für ihren Arbeitgeber tätig werden. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Integrata AG, deren Mitarbeiter schon seit längerem teilweise zu Hause arbeiten können, "sofern ihre Tätigkeit die Anwesenheit im Unternehmen nicht verlangt oder zu kommunikationsorientiert ist". Bei einer Befragung des Tübinger Softwarehauses 1988 gaben rund 82 Prozent der Mitarbeiter an, gelegentlich oder regelmäßig zu Hause zu arbeiten. Drei Jahre später beantworteten 76 Prozent diese Frage positiv.

Telearbeit bei einem Softwarehaus wird noch von vielen mit Programmieren zu Hause assoziiert. Dies trifft bei Integrata nicht zu. In der Untersuchung 1991 nannten die Mitarbeiter an erster Stelle konzeptionelle Arbeiten (12,8 Prozent). Danach folgten Arbeiten in Zusammenhang mit Referententätigkeit (11,8 Prozent), gefolgt von Telefonaten (11,5 Prozent). Reine Programmiertätigkeit spielte anscheinend keine Rolle mehr. Tätigkeiten wie Programmdesign oder -test wurden vereinzelt genannnt.

Je höher die Position, desto größer ist der Anteil der Heimarbeit, so die Integrata-Studie. Auf allen Management-Ebenen sei regelmäßige Arbeit zu Hause eine Selbstverständlichkeit. Der Zeitanteil betrage hier bis zu 50 Prozent der durchschnittlichen Arbeitszeit.

Als Vorteile nannten die Befragten einhellig die Ruhe und störungsfreie Atmosphäre, freie Zeiteinteilung sowie die bessere Koordination von Beruf und Berufsleben. Ein wichtiges Argument für Telearbeit war laut Untersuchung die Vermeidung von Fahrtzeiten von und zur Arbeit. Allerdings waren sich die Mitarbeiter einig, daß dauerhaftes Daheimarbeiten wegen mangelnder Kommunikation nicht in Frage kommt. Diese Gefahr scheint bei Integrata aber nicht gegeben, da die Telearbeit auf freiwilliger Basis erfolgt, und die durchschnittliche Arbeit zu Hause 1991 bei 9,5 Stunden pro Woche lag.

Telearbeit soll Mitarbeiter motivieren

Insgesamt äußern sich sowohl die Mitarbeiter als auch Integrata selbst zufrieden über Telearbeit. Ausschlaggebender Punkt für den Arbeitgeber: Das Arbeiten daheim spielt bei Motivation und Effektivitätssteigerung eine wichtige Rolle.

Diese Punkte waren auch für die IBM Deutschland wichtige Argumente bei der Betriebsvereinbarung zur Telearbeit. "Geld allein reicht nicht. Wir wollen mit Telearbeit die Mitarbeiter motivieren", meint ein IBM-Sprecher. Momentan versuchen die Verantwortlichen herauszufinden, für wen Telearbeit in Frage kommt. Damit sich die Installations- und Leitungskosten lohnen, müssen die Mitarbeiter mindestens zwei Tage pro Woche daheim arbeiten. "Die in Deutschland besonders hohen Leitungskosten bringen uns gegenüber anderen Ländern ins Hintertreffen", so IBM. Andere Kriterien für Telearbeit sind:

- Prozeßorganisation;

- Länge der selbstbestimmten Arbeitszeit;

- Entfernung vom Wohnort des Mitarbeiters zum nächsten Netzknoten.

Ab 1992 sollen die Pläne realisiert werden. In Frage kommen dafür vier Mitarbeitergruppen, wobei das obere Topmanagement schon zuvor die Möglichkeit hatte, daheim zu arbeiten: Software-Entwickler im Servicebereich, Entwicklungsingenieure im Labor, das mittlere Management und Vertriebsmitarbeiter mit großem Einzugsgebiet. Die Nachfrage bei den Mitarbeitern ist groß. Die Regelung wird aber vorerst nur rund 300 Mitarbeiter betreffen, für die IBM nicht gerade viele, wie das Unternehmen auch selbst zugibt. Ein Grund dafür nennen die Stuttgarter selbst: "Telearbeit bedeutet auch für die Verantwortlichen, Führung auf Distanz zu lernen."