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26.01.1996

Telearbeit ist mehr als nur eine akzeptable Alternative

Udo Schneiderath, Unternehmensberater, Bad Aibling

Telearbeit koennte schoen sein - wenn sie denn funktionieren wuerde", schrieb das Manager Magazin (11/95). Doch, sie kann! Ihre Chancen werden aber nur deutlich, wenn wir uns fuer neue Ansaetze vorurteilslos oeffnen, also den alten Blickwinkel aufgeben, denn der Blick zurueck verstellt vielfach den richtigen Weg in die Zukunft.

Die Mitarbeiter einfach mit einem PC unter dem Arm nach Hause zu schicken wird nicht ausreichen. Wir werden uns sehr anstrengen muessen, um die neue Art der Arbeit nicht nur einzufuehren, sondern auch zu erreichen, dass sie akzeptiert wird.

Bei der Telearbeit geht es nicht darum, ein paar Quadratmeter Raum und die entsprechende Bueromiete zu sparen. Hier muss mit Gespuer die grosse Chance gesehen werden, vielleicht fuer die naechsten hundert Jahre Strukturen zu schaffen, die Unternehmen, Mitarbeitern und Umwelt auf zukunftsweisende Art zugute kommen. Wenn die Konzeption stimmt, koennte sie allen Beteiligten grosse Vorteile bringen. Jetzt sind unkonventionelles Denken, Kreativitaet und Ueberzeugungskraft gefragt.

Die Erfindung des Verbrennungsmotors hat dazu gefuehrt, dass wir sogar Raketen ins All schiessen koennen. Das war nur moeglich, weil der Nutzen der neuen Technik fuer die Gesellschaft verstanden und akzeptiert wurde. Die Nachteile fuer die Umwelt, die anfangs nicht erkennbar waren, sind aber nicht laenger zu bagatellisieren. Telearbeit kann neben den Vorzuegen fuer den einzelnen Mitarbeiter erheblich dazu beitragen, die mit dem Auto zurueckgelegten Strecken zu reduzieren. Es ist absurd, wenn in einer Maschine, die zwischen einer und zwei Tonnen wiegt, ganze 70 bis 80 Kilogramm Lebendgewicht befoerdert werden. Solche Transporte sind aus oekonomischer und oekologischer Sicht auf Dauer unvertretbar. Wir fahren zur Erstellung und Verarbeitung von Informationen ins Unternehmen, obwohl diese Daten an (fast) jedem Punkt der Republik produziert und verbreitet werden koennen.

Damit sich daran etwas aendert, muss der einzelne die Vorteile der Telearbeit erkennen koennen - und es muessen tatsaechliche Vorteile sein, nicht nur phrasenhafte Behauptungen. Telearbeit wird inakzeptabel bleiben, wenn nicht Infrastruktur und unterstuetzende Leistungen auf High-Tech-Niveau als Basis angeboten werden. Auch das Automobil waere ohne Tankstellen, Werkstaetten und Strassennetz ein Exot geblieben.

Wenn nach offener Diskussion die Vorzuege der Telearbeit nicht mehr zu leugnen sind, werden sich die Unternehmen mit ihren Mitarbeitern dieser Alternative bedienen. Die Technik ist vorhanden. Es geht darum, die Auswirkungen kalkulierbar und planbar zu machen.

Es gibt ueberhaupt keinen Grund, unser Verhalten, das wir notgedrungen dem Industriezeitalter anpassen mussten, in der Dienstleistungsgesellschaft nicht erneut zu veraendern. Die Produktion mit Grossmaschinen zwang die Menschen im 19. Jahrhundert vom - oft baeuerlichen - Heim an die Maschinen; die heutige Produktion mit Hilfe leichter und beweglicher Speicher, die fuer viele Menschen schon lange Realitaet ist, ermoeglicht es, die Maschine ins Heim zu holen. Nach gut hundert Jahren koennte der Stress der Rush-hour fuer viele Menschen der Vergangenheit angehoeren. Zeit wird auf neue Weise strukturierbar.

Im wesentlichen muessen wir uns fuenf Aufgabenfeldern zuwenden: Wirtschaftlichkeit, Organisation, Technik, Recht und Soziales. Der zuletzt genannte Bereich ist besonders wichtig. Von der Zufriedenheit der Beschaeftigten haengt der Erfolg von Telearbeit zu einem guten Teil ab. Sie duerfen nicht ausgegrenzt werden, ihre Weiterentwicklung muss gesichert bleiben.

Eine von vielen gewuenschte Loesung koennte in alternierender Telearbeit bestehen. Also etwa bei einer Fuenf-Tage-Woche: drei Tage im Unternehmen, zwei zu Hause oder umgekehrt etc.

Das Unternehmen stellt bei diesem Modell also weiterhin einen Arbeitsplatz zur Verfuegung. Dieser muss nicht aus einem traditionellen Buero mit Schreibtisch und PC bestehen, sondern aus dem jeweils benoetigten vollwertigen Equipment, auf das alle zugreifen koennen, die es brauchen.

Eine Veraenderung wird allerdings erst dann stattfinden, wenn wir ueber die neuen Moeglichkeiten der Kommunikation und der Informationsbeschaffung nicht nur nachdenken, sondern sie auch erproben. Mit Sicherheit waere es ein Gewinn fuer das Unternehmen und die Mitarbeiter, wenn die Telearbeiter ueber Unternehmensgrenzen hinweg zu einem staendigen Erfahrungsaustausch angeregt werden koennten. Hilfreich waeren Info-Boersen, die auch dem wechselseitigen Know-how-Transfer dienen wuerden. Dadurch duerften enorme Synergieeffekte entstehen