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24.06.1983

Telecom '83: Qualität muß auch richtig gemanagt werden

Hans Gliss SCS, Essen

Wenn ich demnächst einmal mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen in einem Feinschmeckerlokal ein ausgedehntes Menü zu mir nehmen möchte dann lade ich sie nicht zum Essen, sondern guten Gewissens zu einem "kulinarischen Kongreß" ein. Ich weiß mich in illustrer Gesellschaft: Am Rande des Telecom-Kongresses, der mit magerer Ausstellung (18 Aussteller auf 450 Quadratmeter Fläche) und enttäuschender Besucherzahl vom 7. bis 10. Juni 83 in der Kölner Messe abgehalten wurde, fand auch ein GDO-Kongreß Organisation für die Bürowelt von morgen statt: Ganze 38 Zuhörer konnte man zählen. Was ist eigentlich die Untergrenze für einen "Kongreß"?

Sicherlich gibt es dafür zwei Richtgrößen: Die Qualität der gebotenen Information und die Anzahl der Teilnehmer. Dem Telecom-Kongreß kann bescheinigt werden, daß er hinsichtlich der Qualität den Vergleich mit anderen, zahlenmäßig weitaus erfolgreichen Veranstaltungen nicht zu scheuen hat. Das liegt sicherlich auch an den Aktivitäten der die Veranstaltung mittragenden Verbände: Die GDO hatte sich ebensowie der VTV um ein besonders gutes Programm bemüht, und das mit Erfolg. Die GDD konnte für die Datenschutzschulung 75 Teilnehmer registrieren - ein Ergebnis, von dem Seminarveranstalter zur Zeit nur träumen können. Aber der Telecom-Kongreß selbst war notleidend. Die ausgehängte Teilnehmerliste zählte rund 860 Namen - einschließlich der 150 Referenten und Moderatoren sowie der diversen Pressevertreter. Vor allem: Auch die Teilnehmer aller Randveranstaltungen wurden mitgezählt. Was am Ende für Telecom übrigblieb, war eine Teilnehmerzahl zwischen 300 und 400, und das ist mehr als mager angesichts der in einem Pressegespräch am 7. 6. 1983 prognostizierten 900 bis 1000 Teilnehmer. Warum, zum Teufel kann man die Dinge nicht beim Namen nennen? Warum will man Journalisten, die eigene Augen und Ohren haben, an der Nase herumführen?

Denn so schlecht war der Telecom-Kongreß doch gar nicht. Eine hervorragende Rednerliste wurde präsentiert. Haben sich beim Online-Kongreß in Düsseldorf (im Februar 1983) zahlreiche Besucher abfällig darüber geäußert, daß viele Redner eigentlich nur verkappte Akquisition veranstalteten so fehlte dieser Aspekt in Köln ganz und gar. Aber Online war früher am Markt (mit 1830 Besuchern; Referenten, Moderatoren, Pressevertretern und dergleichen sind auch dort im Geiste abzuziehen, um auf ein ehrliches Bild zu kommen - denn nur die zahlenden Teilnehmer spiegeln das wirkliche Marktinteresse), und der Btx-Kongreß von Diebold mit über 800 Teilnehmern hat ebenfalls dafür gesorgt, daß dem Telecom-Kongreß Basis entzogen wurde. Das kann man doch eingestehen, ohne rot zu werden!

Das Telecom-Kongreßmanagement hatte freilich eine andere Version parat: Die eingebundenen Verbände und Vereinigungen hätten nicht die vereinbarte Werbung betrieben. Kunststück - wo doch der Tagungsprospekt viel zu spät aus der Druckerei kam. Gleichzeitig versuchte der Telecom-Veranstalter angesichts magerer Anmeldezahlen an den Sachkosten zu sparen. Zehn Tage vor Kongreßbeginn wurden die fest bestellten Taschenwörterbücher der Datenkommunikation, für jeden Kongreßbesucher als Arbeitsunterlage vorgesehen, kurzerhand beim Verlag abbestellt.

Wie gesagt, der Telecom-Kongreß hatte inhaltlich Qualität, wenn man den Versuch außer acht läßt, eine begleitende Ausstellung aufzuziehen. (Überhaupt: von dieser Unsitte sollte man schleunigst lassen, weil nichts Vernünftiges dabei herauskommt. Entweder man veranstaltet eine Tagung am Rande einer richtigen Messe, oder man läßt ein paar Informationsstände bei einem Kongreß zu. Je nach Alternative liegen dann die Schwergewichte und der Besucher weiß das.) Aber inhaltliche Qualität muß auch richtig gemanagt werden. Das beginnt mit dem Programm, das der Zielgruppe rechtzeitig bekannt sein muß. Wenn Konkurrenzveranstaltungen vorher durchgeführt werden - und weder Online noch Diebold hatten aus ihren Fachveranstaltungen ein Geheimnis gemacht - , dann muß man halt Flagge zeigen, bevor der potentielle Teilnehmer sich schon entschieden hat. So hat sich beispielsweise der Markt vor einigen Jahren für die Dafta und gegen den Maurer-Kongreß nicht zuletzt deshalb entschieden, weil die Dafta in jedem Jahr neue Themen und Aspekte brachte, und weil dies mindestens ein halbes Jahr vorher der Fac(...)fentlichkeit im Detail bekannt war. Gute Pressearbeit, Verbandsrundschreiben, Direct-Mailing-Aktionen mit Vorab-Programmübersichten - das sind die Hilfsmittel, derer man sich bedient, wenn man einen Flop vermeiden will.

Ich bin mir der Bissigkeit meines Kommentars sehr wohl bewußt. Es wäre ja alles weniger schlimm, wenn ich nicht das Gefühl hätte, man wolle mich für dumm verkaufen. Dem Telecom-Kongreß sei ins Stammbuch geschrieben, daß man sich unter vernünftigen Menschen über alle Probleme vernünftig unterhalten kann. Wer aber versucht, der Presse Sand in die Augen zu streuen, der darf nicht erwarten, daß sie ihm dafür Zucker. . . - aber lassen wir das.