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09.03.1990 - 

Studie der Yankee Group Europe kritisiert TK-Politik der EG-Kommission

Telecom: Die Carrier locken mit individuellen Tarifverträgen

WATFORD (CW) - Die TK-Anbieter müssen ihre Tarif- und Servicepolitik überdenken. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie der Yankee Group Europe, die für die 90er Jahre bei den Kunden einen Trend hin zu Verträgen mit einer leistungsbezogenen Tarifierung prognostiziert. Zudem üben die Marktforscher Kritik an der Telecom-Politik der EG-Kommission.

Der Kostenaspekt spielt bei Budgetierung der Telekommunikation in Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Die IS-Manager stehen laut Umfrage der Yankee Group Europe unter doppeltem Druck: Sie müssen einerseits bei Netzen auf optimalen Verbindungsaufbau, Verläßlichkeit und Verfügbarkeit achten, andererseits Kosten und Etat im Auge behalten.

Diese Entwicklung ist relativ neu. In den 80er Jahren, jener Phase, in der viele Unternehmen ihre Telekommunikation aufbauten, wurde den Kosten zugunsten eines funktionierenden Betriebs eine untergeordnete Bedeutung beigemessen. Jetzt, nachdem sich das Preisdenken gewandelt hat, werden die Carrier - in Europa meist noch in staatlicher Hand - vor ungewohnte Aufgaben gestellt.

Sie müssen, so ein Resultat der Studie mit dem Titel "Die zukünftige Entwicklung

der Telekommunikationstarife in Europa", den Sprung von reinen "Versorgungsunternehmen" mit bislang starrer Gebührenordnung zu Konzernen schaffen die unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden. Im Klartext heißt das: Die Postgesellschaften (PTTs) kämen nicht umhin, im Zuge der Liberalisierung und Privatisierung der TK-Ordnung in Europa von monopolistischer Preispolitik Abschied zu nehmen und auf den Kunden abgestimmte Tarifstrategien zu entwickeln.

Neben der von der EG-Kommission verordneten Lockerung des staatlichen Monopols durch private Konkurrenz zwingen vor allem sinkende Kosten beim Bit-Transport die Carrier dazu, Mehrwertdienste auf die Basisnetze aufzusetzen. Profitieren werden von dieser Entwicklung, so die Studie, Anwender und Anbieter gleichermaßen. Der Kunde kann ein umfassenderes Angebot zu günstigeren Tarifen nutzen, die PTTs zu privaten Anbietern abgewanderte User für ihre öffentlichen Netzwerk-Lösungen zurückgewinnen.

TK-Anbieter stellen sich auf neue Tarifpolitik ein

Gegenwärtig schließen die PTTs infolge ihres neuen marktpolitischen Geschäftsgebarens mit Großkunden Verträge über TK-Sonderrabatte ab. Diese Vertragsform wird den Marktforschern zufolge jedoch bald von Abkommen abgelöst, die nicht nur günstigere Tarife, sondern auch mehr Dienste vorsehen. Am Ende der Entwicklung werden im Laufe der 90er Jahre Kontrakte stehen, die speziell auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten sind. Sie werden alle Modalitäten über Medien, Mehrwertdienste sowie Dienstleistungen beinhalten und eine Tarifierung festlegen, die nicht mehr pauschal, sondern rein Performance-bezogen sein wird.

Für die Kunden bedeutet dies: Sie müssen für Extra-Services Zuschläge zahlen. Die Carrier ihrerseits tragen bei Ausfällen das Risiko, die Nutzer zu entschädigen, und sind verpflichtet, ihr Angebot so zu staffeln, daß User auch nur wenige Dienste mit geringerer Performance zu günstigen Konditionen ordern können.

Über die künftige Entwicklung der Gebühren in Europa gibt eine Zusammenfassung der Studie nur minimale Auskünfte. So prophezeien die Marktforscher im nationalen Bereich einen geringfügigen Rückgang der Kosten, bei der Anmietung von analogen Leitungen sogar einen leichten Anstieg der Tarife. Ursache dafür dürfte sein, daß viele PTTs weiterhin das Monopol auf den Telefondienst und die öffentlichen Netze besitzen und mit diesen Bereichen ein Gros ihres Gewinns erzielen.

Weitere Preissenkungen sehen die Analysten dagegen bei Tarifen für die digitale Vernetzung und internationale Telekommunikation voraus. Grund: Die EG-Kommission drängt die TK-Anbieter dazu, die Gebühren für die innereuropäische Telekommunikation zu reduzieren, um den Binnenmarkt zu forcieren.

Ferner versuchen die Brüsseler Eurokraten, die Tarife EG-weit zu harmonisieren, mit der Absicht, mehr Wettbewerb und Dienste zu schaffen.

Zwar hat der Druck der EG schon eine Angleichung der Gebühren bewirkt, doch befürchten die Vertreter der Yankee Group im rein kostenorientierten Ansatz der Kommission ein Hemmnis für den Wettbewerb. Sie argumentieren damit, daß ein festes Tarifgefüge die innovative Preispolitik ad absurdum führe. Ihrer Meinung nach müsse Brüssel den Konkurrenzkampf fördern, indem das Tarifprinzip des Preis-/Leistungs-Verhältnisses unterstützt werde. +