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11.07.1986 - 

Französische Regierung muß noch Zustimmung erteilen, doch:

Telecom-Fusion von ITT und CGE bestätigt

Nach einem Jahr Verhandlungsdauer scheinen die ITT Corp., New York, und die Compagnie Générale d'Electricité (CGE), Paris, nun endlich "zu Potte zu kommen". Wie von Brancheninsidern bereits erwartet, gab der US-Konzern jetzt den Verkauf der Geschäftsbereiche Büro- und Telekommunikation an CGE bekannt. Der Kaufpreis soll 1,8 Milliarden Dollar betragen. Von den Franzosen wurde zudem bestätigt, mit den Telecom-Anteilen von ITT ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen gründen zu wollen, an dem der US-Multi eine Minderheitsbeteiligung von 30 Prozent halten soll. CGE dagegen übernimmt die Leitung des neuen Konzepts sowie - gemeinsam mit anderen europäischen Partnern - die verbleibenden Anteile von 70 Prozent. Wer sich aus Europa jedoch an der Holding beteiligen wird, steht noch in den Sternen. Im Gespräch sind belgische, britische, spanische und italienische Interessenten.

Wie aus Paris weiter verlautet, wird das neue Gemeinschaftsunternehmen auch bestehende finanzielle Verbindlichkeiten von ITT übernehmen. So drücken die Amerikaner derzeit Schulden von einer Milliarde Dollar. Zurückzahlen will die Holding ferner Kredite in Höhe von 350 Millionen Dollar, die ITT ihren Telecom-Töchtern gewährt hatte.

Spekulationen um die neue Gesellschaft

Nach den offiziellen Statements beider Unternehmen reißen nun die Spekulationen um die neue Gesellschaft nicht ab. So trauen Marktanalysten dem europäischen Gemeinschaftsunternehmen einen Jahresumsatz von nahezu 9,6 Milliarden Dollar zu und machen Holding damit zum zweitgrößten Telefonbaukonzern nach dem US-Telekommunikationsreisen AT&T (American Telephone & Telegraph Co.).Selbst Firmenname und Präsident werden bereits gehandelt: Das Unternehmen soll "Eurotel" heißen, und als Präsident ist der ehemalige EG-Kommisar Etienne Davignon im Gespräch.

Das letzte Wort in dieser Sache hat jedoch die französische Regierung. Denn bei der Realisierung des Projekts benötigt CGE eine kräftige Finanzspritze "von oben". Spöttelt ein Experte: "Da wird wohl der französische Steuerzahler wieder einmal tief in die Tasche greifen müssen." Zu klären, so ein Regierungssprecher, seien aber auch einige Fragen hinsichtlich des amerikanischen Konzerns. Sie beträfen unter anderem die Zukunft von ITT-Verträgen mit anderen europäischen Regierungen, aber auch die Situation der ITT-Beschäftigten in einer Reihe von Ländern. So soll die Regierung von den Amerikanern bis Ende des Monats eine Entscheidung gefordert haben, ob Mitarbeiter entlassen werden sollen.

Dennoch glaubt niemand in der Branche ernsthaft daran, daß die französische Regierung ihr Veto eingelegt. Vor allem, da sich die neue konservative Regierung unter Jaques Chirac wesentlich liberaler gibt als die Sozialisten. Ergänzt ein CGE-Sprecher: "Das Zustandekommen dieser Transaktion ist für die französische Telekommunikationsindustrie von großer Bedeutung." Sollte die Entscheidung jedoch wider Erwarten ausfallen, so lauert mit dem kanadischen Telekommunikationshersteller Nothern Telecom der nächste Kaufkandidat. Das Unternehmen, das sich zu 52 Prozent im Besitz der kanadischen Telefongesellschaft Bell Canada befindet, soll Interesse an ITTs Telecom-Anteilen bekundet und dem eine US-Konzern eine ernsthafte Offerte unterbreitet haben.

Dieses wiederum würde der deutschen ITT-Tochter SEL (Standard Elektrik Lorenz) AG gar nicht gefallen. Die Stuttgarter sind an einer neuen Verbindung mit einem amerikanischen Unternehmen nicht sonderlich interessiert, da sich, so ein Sprecher, die Marketing- und Managementmethoden jenseits des großen Teiches zu den hiesigen Verhältnissen unterscheiden. Aus der Zusammenarbeit mit einem europäischen Partner hingegen glauben die Schwaben als größte Telekommunikationsgesellschaft der ITT-Gruppe einigen Nutzen Ziehen zu können. So erhofft sich SEL vor allem neue Absatzchancen für das eigenentwickelte digitale Vermittlungssystem "System 12". Nach den Schwierigkeiten auf dem amerikanischen Markt soll es sich nun in Frankreich durchsetzen.