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11.11.1994

Telecommuting: Die Schere im Kopf des Chefs

Angenehm kitzelt der frisch gebruehte Kaffee in der Nase anstelle des stinkenden Tabakkrauts des Kollegen. Im Hintergrund ertoent gedaempft inspirierende Musik aus den Lautsprechern statt der alles durchdringenden Telefonstimme der Kollegin, die einer Nebelsirene zur Ehre gereichen wuerde.

Kein Wunder, dass in solcher Atmosphaere die Berechnungen fuer den Chef fast von selbst am Bildschirm entstehen. Noch ein paar Tastendruecke, und der Bueroprinter wird das Ergebnis, fuer das normalerweise ein halber Arbeitstag notwendig waere, bereits nach zwei Stunden aufs Papier bringen. Danach zum Fahrzeug und in einer Viertelstunde ueber die leeren Strassen gemuetlich und stressfrei zur Besprechung um elf Uhr in die Firma gefahren...

Piep, piep - unsanft reisst der Wecker den Traeumenden aus der Idylle des Teleworkings. Ab ins Bad, rein ins Auto und in einer dreiviertel Stunde ins Buero gestaut. Nervende Kollegen, schrillende Telefone, nichts geht voran, und der Abgabetermin fuer die Besprechung rueckt immer naeher.

Tja, wie produktiv koennte das Berufsleben am ruhigen Telearbeitsplatz zu Hause sein. Technisch gesehen kein Problem: Es braucht ja nicht gleich die von den Herstellern propagierte Edelloesung mit Routern und ISDN-Anschluss sein, der einfache Heim- PC via Billigmodem vom Computer-Aldi um die Ecke mit dem Buerorechner verbunden tut's auch. Und die benoetigte Remote- Control-Software? Ebenfalls keine unloesbare Aufgabe, da die amerikanischen Hersteller seit der kalifornischen Umweltinitiative, die zehn Prozent der Beschaeftigten nach Hause verbannen und so das taegliche Verkehrschaos mildern soll, das grosse Geschaeft in Sachen Telecommuting wittern.

Doch waehrend jenseits des grossen Teiches das Bild vom virtuellen Mitarbeiter, der in den eigenen vier Waenden zum Wohle seines Unternehmens schuftet, langsam saloonfaehig wird, koennen sich hierzulande all die Chefs vom Dienst noch nicht damit abfinden, etwas zu managen, das physisch nicht da ist. Sicherlich, den telearbeitenden Einzelkaempfer, wie ihn sich die Amerikaner vorstellen, wird es wohl nie geben - denn die heimische Ruhe erkauft der Teleworker mit dem Verzicht darauf, aktiv an den alltaeglichen Intrigen im Buero mitzumischen.

Solche Aengste brauchen die Mitarbeiter hierzulande wohl kaum haben, solange fuer die allmorgendlich ueber die Flure deutscher Unternehmen schleichenden Vorgesetzten der Verzicht auf den taeglichen Zaehlappell ihrer Schaeflein einer Revolution gleichkommt: Denn welchen Zweck haetten die so Entmachteten eigentlich noch im virtuellen Buero der Zukunft?