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08.07.1994

Telefonieren ins Ausland: Ohne Telekom geht es oft guenstiger

Unter globaler Kommunikation verstehen viele private wie geschaeftliche Anwender nach wie vor in erster Linie internationalen Telefonverkehr. Trotz aller kuenftigen Multimedia- und Information-Highway-Szenarien ist jedenfalls die Sprachkommunikation noch immer die Anwendung Nummer eins - auch und gerade ueber den Nordatlantik. Dort - sprich: bei Ferngespraechen in die USA - sieht sich die Deutsche Bundespost Telekom, Telefondienstmonopol hin, geschuetzter Markt her, schon seit Monaten heftiger Konkurrenz auslaendischer Anbieter ausgesetzt. Gerhard Kafka* skizziert die wichtigsten Dienstleister sowie deren Service-Angebot und wirft einen kurzen Blick hinter die Kulissen eines Marktsegments, in dem der Wettbewerb in Europa schon lange vor dem magischen Datum 1. Januar 1998 begonnen hat.

Wie kann man als Kunde der Deutschen Bundespost Telekom Telefongespraeche ins Ausland fuehren, ohne die entsprechenden Dienste der Telekom in Anspruch zu nehmen? Dies ist eine Frage, die offensichtlich bei immer mehr Anwendern einen immer hoeheren Stellenwert bekommt. Antwort: Ganz ohne Telekom geht es - im Normalfall - nicht. Der Zugang zum oeffentlichen Fernsprechnetz in der Bundesrepublik Deutschland fuehrt zur Zeit nur ueber den staatlichen Bonner Monopolisten. Als Loesung bieten sich in Abhaengigkeit vom jeweiligen Verkehrsaufkommen entweder feste oder gewaehlte Verbindungen an.

Eine Reihe auslaendischer Anbieter arbeitet mit den kostenfreien Zugangsnummern des 01 30-Dienstes. 01 30-Nummern lassen sich ueber Kundenanschluesse und oeffentliche Telefonzellen problemlos erreichen. Anders sieht es beim Versuch aus, eine kostenfreie Rufnummer vom Hotelzimmer aus zu erreichen, denn viele Hotels haben den Zugang dazu versperrt. Pech fuer den vielreisenden Manager - er muss dann den Weg zur naechsten Telefonzelle antreten oder in den sauren Apfel beissen und bis zu 90 Pfennig fuer eine Gespraechseinheit (sonst 23 Pfennig) berappen. Ein laengeres Ferngespraech in die USA kann schon mal einige hundert Mark kosten.

Telekom-Konkurrenten mit mehreren Alternativen

Alternativen fuer den Zugang zum internationalen Telefon- und Faxdienst bieten sich aber auch mit den bekannten Telefonkarten der auslaendischen Carrier an, vergleichbar der Telekarte der Telekom, und fuer die Geschaeftskunden sind vor allem Corporate Networks ueber feste Verbindungen oder sogenannte Callback-Dienste interessant. Manche Telekom-Konkurrenten offerieren gleich mehrere Alternativen, wobei sich bei entsprechendem Verkehrsaufkommen eine vierte Variante ebenfalls konkurrenzfaehig zu den derzeitigen Telekom-Tarifen nutzen laesst: die Satellitenkommunikation. Bekanntlich duerfen - basierend auf einer Ausnahmegenehmigung des Bundesministeriums fuer Post und Telekommunikation (BMPT) - Sprachverbindungen zwischen den alten und neuen Bundeslaendern auch innerhalb Deutschlands von Lizenzinhabern fuer Satellitendienste noch bis 1997 erbracht werden. Danach wird nach Lage der Dinge kein Telefonmonopol mehr existieren.

Die Telefonkarte eines auslaendischen Carriers ist fuer all jene Anwender interessant, die haeufig Gespraeche in das jeweilige Zielland des Betreibers fuehren und dort kostenfrei Rufnummern wie beispielsweise den 800er Service in den USA erreichen wollen, oder solche, die staendig auf Reisen sind und von verschiedenen Laendern das Zielland erreichen moechten. Bei diesen Calling-Cards werden die anfallenden Gespraechsgebuehren ueblicherweise per Kreditkarte verrechnet. Es gibt aber auch Anbieter, die vorbezahlte Telefonkarten ausgeben oder die Gebuehren in Rechnung stellen. Der Vorteil solcher Karten liegt in der Regel darin, dass keine Mindestgebuehren pro Abrechnungszeitraum zu bezahlen sind. Der Spielraum fuer Kosteneinsparungen gegenueber dem Normaltarif der Telekom wird hier jedoch mit jeder weiteren Gebuehrensenkung geringer.

Die kartenausgebenden Organisationen haendigen ihren Kunden ein Verzeichnis aus, in dem alle Laender mit den kostenfreien Zugangsnummern aufgelistet sind. Wuenscht der Karteninhaber beispielsweise eine Verbindung von Deutschland in die USA, waehlt er die angegebene Zugangsnummer, identifiziert sich per PIN (Personal Identification Number) und wird danach vom Operator mit der Zielrufnummer verbunden. Wenn die Konversationssprache nicht waehlbar ist, kann es bei diesem Verfahren allerdings leicht zu Verstaendigungsschwierigkeiten kommen. Ausserdem berechnen die Carrier fuer jedes vermittelte Gespraech eine sogenannte Handling- Gebuehr.

Das Einrichten von Corporate Networks oder virtuellen privaten Netzen (VPNs) lohnt sich erst ab einem bestimmten Gebuehrenaufkommen, denn es muessen zunaechst die monatlichen Fixkosten fuer die Festverbindung vom Kunden zum jeweiligen Carrier kompensiert werden.

Die Frankfurter Worldcom GmbH, zwischenzeitlich eine Tochtergesellschaft der IDB Communications Group Inc., nennt hier als Richtwert einen monatlichen Betrag von rund 5000 Mark, der fuer internationale Telefongebuehren ausgegeben wird.

Die rechtliche Grundlage eines solchen Corporate Networks bildet bekanntlich das seit 1. Januar 1993 geltende entsprechende Genehmigungskonzept des BMPT. Danach duerfen private Anwender Sprache fuer andere vermitteln, sofern dadurch kein Sprach- Telefondienst erbracht wird. Wie in Abbildung 1 dargestellt, wird bei einem solchen Corporate Network beispielsweise die TK-Anlage des Anwenders mittels einer Festverbindung der Telekom mit dem Zugangsknoten des auslaendischen Carriers verbunden, ueber dessen Netz sich dann die gewuenschten Kommunikationsverbindungen nach Uebersee herstellen lassen. Zur Erhoehung der Verfuegbarkeit dient der direkte Zugang zum oeffentlichen Netz, der auch vom jeweiligen Zugangsknoten aus moeglich sein sollte, um damit eventuelle Stoerungen zu ueberbruecken.

Kosteneinsparungen - schon bei sehr kleinen Kommunikationsetats - versprechen Callback-Services. Die Diensteanbieter beziehungsweise Rueckrufsysteme sind zumeist in den USA installiert, weil sich die Kommunikationskosten dort aufgrund des ausgepraegten Wettbewerbs auf einem sehr niedrigen Niveau bewegen. Die Inanspruchnahme der Callback-Dienste ist sehr einfach: Der Benutzer waehlt eine nur ihm bekannte Rufnummer in den USA und bricht die Verbindung nach dem ersten oder zweiten Freizeichen ab.

Das System ist in der Lage, jeden Anrufer zu identifizieren, und reagiert mit einem automatischen Rueckruf zum vereinbarten Anschluss. Der Benutzer erhaelt daraufhin das Freizeichen aus dem amerikanischen Telefonnetz und kann nun jede beliebige Sprach- oder Faxverbindung herstellen. Eine Reihe von Anbietern haben das System insofern optimiert, als es einem Benutzer, der haeufig auf Reisen ist, gestattet, dem System auch wechselnde Rufnummern zu uebermitteln. So hat er beispielsweise die Moeglichkeit, sich in einem Hotelzimmer an jedem beliebigen Ort zurueckrufen zu lassen.

Corporate Networks lassen Kosten sinken

Mit dem steigenden Volumen der internationalen Kommunikation und den in Europa noch immer vergleichsweise hohen Tarifen der oeffentlichen Netzbetreiber gegenueber den Carriern in den USA nimmt auch die Zahl der Anbieter alternativer TK-Dienste zu. Gerade fuer mittlere und grosse Betriebe, die global agieren, kann die Einrichtung eigener Corporate Networks immens zur Senkung der Kommunikationskosten beitragen. Seit Beginn des Jahres 1993 sind, wie schon erwaehnt, Corporate Networks auch in Deutschland realisierbar, so dass grosse Anwenderunternehmen ihre bestehenden Netze auch fuer Dritte oeffnen duerfen. Beispiele dafuer sind die weltweiten Netze von Alcatel und IBM sowie das nationale Netz der Deutschen Bank, die ganz massiv, wenn auch momentan noch weitgehend im Hintergrund, auf den nationalen wie internationalen TK-Markt draengt.

Zu den Anbietern von Auslandstelefondiensten ueber feste Verbindungen zaehlen unter anderem Worldcom mit seinem "Worldcall"- Dienst (der bei Kennern der hiesigen TK-Szene als Keimzelle des beginnenden Wettbewerbs im internationalen Telefondienst gilt), Sprint Telecommunications Services, deren Muttergesellschaft Sprint soeben eine strategische Allianz mit France Telecom und Telekom einging, British Telecom (BT) mit den "Global Corporate Voice Services" sowie die IBM Systeme & Netze GmbH.

Abbildung 2 zeigt anhand eines Beispiels, wie man innerhalb eines Corporate Networks die Kosten fuer Sprachkommunikation bereits im nationalen Bereich senken kann. Der von IBM angebotene Voice- Corporate-Network-Dienst (VCN) basiert ebenfalls auf Monopolleitungen der Telekom und stellt dem Anwender die benoetigten Multiplexer fuer die Sprachkommunikation bereit. Dabei werden die mit 64 Kbit/s digitalisierten Sprachkanaele im Multiplexer auf 16 Kbit/s reduziert, wodurch sich eine wesentlich hoehere Leitungsausnutzung ergibt. Die Wirtschaftlichkeit von Corporate Networks haengt hier also im wesentlichen vom Gespraechsaufkommen zwischen den einzelnen Standorten ab.

Telefonkarten werden unter anderem von AT&T, MCI, Visa, Worldcom und Worldplus angeboten. Ein grosser Vorteil ist dabei das bargeldlose Telefonieren auf Reisen. Einer der wohl etabliertesten Anbieter ist AT&T, mit dessen Calling-Card man aus den USA weltweit 250 Laender und Regionen erreichen sowie von ueber 170 Laendern aus in die USA telefonieren kann. Durch eine vor kurzem geschlossene Vereinbarung mit Mannesmann Mobilfunk sind nun auch D2-Kunden in der Lage, die internationalen AT&T-Dienstleistungen zu nutzen und ueber die D2-Karte abzurechnen.

Besitzer einer MCI-Card bezahlen fuer ein Gespraech aus Deutschland nach den USA fuer die erste Minute 1,76 Dollar, fuer jede weitere Minute 1,21 Dollar sowie eine Vermittlungsgebuehr in Hoehe von 2,49 Dollar pro Gespraech. In der umgekehrten Richtung liegen die Gebuehren abhaengig von der Tageszeit zwischen 2,04 und 1,32 Dollar fuer die erste Minute, zwischen 1,25 und 0,75 Dollar fuer die folgenden sowie einer Vermittlungsgebuehr von 2 Dollar pro Gespraech. Mit der Telefonkarte eines amerikanischen Carriers ist aber auch der Zugang zu den besonderen Rufnummern 800 und 900 moeglich, die ueber das oeffentliche Netz in Deutschland nicht zu erreichen sind.

Callback-Verfahren auch von deutschen Anbietern

Interessant in puncto globale Kommunikation ist auch das neue Serviceangebot "Worldplus" von AT&T. Damit werden in ueber 40 Laendern Kommunikationsdienste wie Telefonieren, das Uebermitteln von Nachrichten via Voice-Mail und Fax durch entsprechende Zusatzleistungen vereinfacht. Hier werden Faxnachrichten in einer systemeigenen Mailbox so lange gespeichert, bis der Teilnehmer am naechsten Zielort die Gelegenheit und Moeglichkeit hat, die Nachricht abzurufen. Zu den Zusatzleistungen zaehlen ferner Konferenzgespraeche sowie Auslandsauskunfts- und Dolmetscherdienste. Mit Worldplus telefoniert man innerhalb der USA und Grossbritanniens fuer 1,64 Mark pro Minute, innerhalb Kanadas und Europas fuer 3,29 Mark und fuer Gespraeche aus allen anderen Laendern fuer 4,95 Mark pro Minute. Die Gebuehren fuer Dolmetscherdienste bewegen sich zwischen 9,91 und 17,79 Mark pro Minute. Eine Auslandsauskunft aus Europa hingegen schlaegt mit 22,76 Mark schon kraeftiger zu Buche.

Vielversprechend und besonders interessant im Hinblick auf die einzusparenden Kosten sind Telefon- und Faxdienste, die nach dem Prinzip des automatischen Rueckrufs funktionieren. Diesen Stein brachte schon 1990 die in Hackensack im US-Bundesstaat New Jersey ansaessige International Discount Telecommunications Corp. (IDT) ins Rollen. Bei IDT, die in Deutschland mittlerweile mit der Muenchner Delta Network Systems GmbH zusammenarbeitet, koennen bei Ueberseegespraechen, beispielsweise nach Hawaii, bis zu 70 Prozent an Gebuehren eingespart werden; generell liegen die Amerikaner, was Tarife angeht, im Schnitt um 40 Prozent unter den vergleichbaren Telekom-Gebuehren. Dabei ist keine monatliche Mindestpauschale zu entrichten, sondern nur das jeweils tatsaechlich angefallene Gebuehrenaufkommen.

Andere Diensteanbieter wie Kallback bestehen hingegen auf einem monatlichen Mindestvolumen von 25 Dollar. Liegen die Verbindungsgebuehren allerdings hoeher als dieser Sockelbetrag, ergibt sich praktisch keine Grundgebuehr.

Auch Telepassport mit seiner deutschen Niederlassung in Frankfurt geht von einem Grundumsatz von 25 Dollar pro Monat aus. Eine Verbindung von einer Minute mit den USA kostet dort 1,17 Mark im Vergleich zum entsprechenden Telekom-Tarif von 1,97 Mark. In Zusammenarbeit mit Ferrari Electronic bietet Telepassport darueber hinaus einen automatischen Faxservice an, der aehnlich wie das Rueckrufprinzip arbeitet: Man gibt die Faxnummer des gewuenschten Partners ein und legt danach fest, ob diese Verbindung direkt oder ueber den preiswerteren Telepassport-Service aufgebaut werden soll. Auch deutsche Systembetreiber bieten das preiswerte Callback- Verfahren ueber in den USA installierte Telefoncomputer an. Die Elmshorner Talkline nennt beispielsweise fuer ihren Dienst folgende Vorteile:

- Es ist keine Mehrwertsteuer faellig, da das Gespraech im Ausland berechnet wird.

- Das Risiko von Kursschwankungen wird durch Rechnungsstellung in DM ausgeschaltet.

- Die Gebuehren koennen per Lastschriftverfahren bezahlt werden.

- Die Kosteneinsparung beginnt schon mit der ersten Minute eines Auslandsgespraechs und nicht erst nach der zweiten bis fuenften Minute.

Die International Telephone Services, Inc. (ITS), Washington D. C., schliesslich konzentriert sich nicht auf die Einsparung von Kosten, sondern vielmehr auf den Komfort von Verbindungen. Fuer die Gebuehren des Normaltarifs plus 20 Prozent erhaelt man hier Zugang zu 800er und 900er Rufnummern in den USA und kann sich nach einem vereinbarten Terminkalender regelmaessig an bestimmten Orten zurueckrufen lassen. Als besonderen Vorteil seines Systems nennt David Hunsberger, Gruender und General Manager bei ITS, den Rueckruf in solche Laender, in denen eingehende Anrufe zwar sofort weitergeleitet werden, es aber beim abgehenden Verkehr zu langen Wartezeiten kommen kann.

Um den auslaendischen Diensteanbietern im internationalen Telefonverkehr fuer Geschaeftskunden ueberhaupt noch Paroli bieten zu koennen, hat die Telekom schon im Januar 1994 ihren "Ausland Spezial"-Tarif eingefuehrt, bei dem ausgewaehlte Kunden mit einem entsprechend hohen Aufkommen an Kommunikationsgebuehren (mehr als 200 000 Mark pro Jahr) einen besonderen Anschluss an das Telefon- beziehungsweise ISDN-Netz mit unmittelbarem Zugang zum internationalen Telefondienst erhalten. Gleichzeitig koennen aber auch Kunden mit geringerem Umsatzvolumen von diesem Angebot bei entsprechend guenstiger Verkehrsstruktur und/ oder guenstiger geografischer Lage zum Ortsnetz der Telekom profitieren.

Telekom-Kunden mit einem Jahresumsatz von ueber drei Millionen Mark im internationalen Telefonverkehr erzielen nach Schaetzung von Experten mit "Ausland Spezial" bis zu 50 Prozent Einsparung gegenueber den "normalen" Telefongebuehren.

Kunden mit einem Aufkommen von ueber 800000 Tarifeinheiten duerfen hier mit einer Verguenstigung von rund 30 Prozent rechnen.

Nach Meinung ihrer Mitbewerber verstoesst die Telekom mit ihrem Spezialangebot allerdings - wie so oft - gegen die Spielregeln des freien Wettbewerbs, weil sie hier Dienste aus dem Monopol- und Wettbewerbsbereich gemeinsam beziehungsweise vermischt anbietet. Das Gerangel hinter den Kulissen liess denn auch nicht lange auf sich warten. Bereits in seiner Ausgabe vom 11. April 1994 berichtete das Muenchner Nachrichtenmagazin "Focus" darueber, wie der amerikanische Carrier Worldcom zunaechst erfolgreich beim Bundesministerium fuer Post und Telekommunikation intervenierte. Dem Artikel zufolge sollten die beanstandeten Maengel auf Weisung des Ministeriums von der Telekom beseitigt werden, um einen fairen Wettbewerb zu gewaehrleisten. Doch waehrend die Konkurrenz der Telekom den internationalen Telefonverkehr nur "vorsortiert" bei ihrer Klientel einsammeln darf, setzt sich das Postunternehmen ueber die Vorschriften hinweg und buendelt bei seinen Kunden den gesamten Sprachverkehr - national und international - ueber ein und denselben Anschluss.

Auf eine dem Postministerium zugestellte zweite Rechtsaufsichtsbeschwerde antwortete die Boetsch-Behoerde nur mehr lakonisch, dass eine formelle schriftliche Aufforderung an die Telekom, ihr unkorrektes Verhalten in dieser Angelegenheit einzustellen, nicht geboten erscheine. Die Telekom selbst, die bereits zuvor formell zu einer Unterlassungserklaerung aufgefordert wurde, reagierte, wie Insider berichten, ueberhaupt nicht. Dies ist sicherlich ein weiteres trauriges Beispiel dafuer, wie der angeblich faire Wettbewerb bei TK-Diensten in der Bundesrepublik massiv unterbunden wird - nicht zuletzt von einem Minister, der sowohl fuer die unparteiische Regulierung des Markts zustaendig ist, als auch die Eigentuemerinteressen des Bundes an der Telekom wahren muss.

Doch zurueck zum eigentlichen Thema: Fuer viele Anwender ist die staendige Erreichbarkeit per Telefon - an jedem Ort der Welt - eine wichtige Basis fuer ihren geschaeftlichen Erfolg. Zukuenftige Loesungen dafuer zeichnen sich immer deutlicher in Form mobiler und satellitengestuetzter Kommunikationssysteme ab. Das paneuropaeische GSM-Mobilfunk-Netz, das sich momentan noch im Aufbau befindet, stellt in diesem Zusammenhang betrachtet, einen zwar lediglich regionalen Ansatz fuer die mobile Kommunikation dar, belegt mit seinen immensen Zuwachszahlen jedoch gleichzeitig die breite Akzeptanz, die solche Techniken im Markt finden koennen.

Konzepte fuer ein weltumspannendes mobiles Kommunikationssystem wurden in den letzten Jahren von mehr als einem halben Dutzend Konsortien vorgestellt. Eines ist dabei besonders weit fortgeschritten, weil einerseits die Koordinierung der erforderlichen Frequenzbaender zuegig vorankommt und andererseits die Finanzierung gesichert scheint: Iridium. Hinter Iridium verbirgt sich ein internationales Mobilfunkkonsortium, das ein weltweites Mobilkommunikations-System mit 66 Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen demnaechst in den Orbit bringen will. Die sogenannten LEO-Satelliten (Low Earth-Orbit) sollen die Erde in rund 780 Kilometer Hoehe umkreisen und werden den globalen Einsatz digitaler Handies ermoeglichen.

Iridium wurde 1990 vom US-Konzern Motorola ins Leben gerufen sowie zwischenzeitlich zu einem internationalen Konsortium erweitert, dem unter anderem auch Firmen und Netzbetreiber wie DDI, Stet, Bell Canada, Sprint, Krunichev und China Great Wall Industry angehoeren. Das momentan verfuegbare Investitionsvolumen belaeuft sich auf rund 3,4 Milliarden Ecu, wobei in einer ersten Finanzierungsrunde von 20 internationalen Investoren schon 800 Millionen Dollar bereitgestellt wurden. Auch deutsche Firmen profitieren von diesem Grossprojekt: So wird beispielsweise die Siemens AG die gesamte Vermittlungstechnik von Iridium liefern.

Das Iridium-System wird den Anwendern ueberall auf der Welt die Moeglichkeit bieten, zu jeder Zeit und an jedem Ort mit jedermann zu kommunizieren. Jeder Teilnehmer ist dabei weltweit unter seiner stets gleichen Telefonnummer erreichbar. Damit ist dieser "gewoehnliche Kommunikationsvorgang" nicht mehr ortsgebunden, sondern personenbezogen. Gleichzeitig beschraenkt sich dieses weltumspannende Netz aber nicht nur auf den reinen Telefondienst. Weitere Services wie die Faxuebermittlung, die Datenkommunikation und Funkrufdienste sollen die Sprachkommunikation ergaenzen. Die Iridium-Handgeraete ISU (Iridium Dual Mode Subscriber Unit) sollen mit einer Leistung von lediglich 0,25 Watt auskommen und auch den Betrieb mit terrestrischen Funknetzen wie etwa D1, D2 und E1 ermoeglichen.

Die kuerzliche Freigabe des in Deutschland bisher fuer militaerische Zwecke genutzten Frequenzbereichs zwischen 1610 und 1626,5 Megahertz durch das Bundespostministerium unterstreicht ebenfalls die Bedeutung des Projekts.

*Gerhard Kafka ist freier Journalist und Unternehmensberater in Egling bei Muenchen.